1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Schloss-holte-stukenbrock
  6. >
  7. Süßes vor der Fastenzeit

  8. >

Erika Kupperschmidt backt für die Weiberfastnacht Klemmkuchen

Süßes vor der Fastenzeit

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Der Duft der frischen Backwaren macht sich Erika Kupperschmidts Küche breit. Mit vier Klemmkucheneisen, bekannt auch als Eiserhörncheneisen, backt die Stukenbrockerin gleichzeitig frische Klemmkuchen. Es ist das Fastnachtsgebäck ihrer Heimat.

Manuela Fortmeier

Lecker: Klemmkuchen, eine Fastnachtsspeise. Die Hörnchen werden mit Sahne gefüllt. Foto: Manuela Fortmeier

Zusammen mit ihrer Tochter Beate formt sie die noch heißen, waffelähnlichen Klemmkuchen zu kleinen Hörnchen. »Der Teig muss schön flüssig sein. Nach dem Backen muss das Gebäck trocken stehen, damit es knusprig bleibt«, sagt Erika Kupperschmidt.

Sie muss es wissen. Schließlich backt die gebürtige Brandenburgerin zwei Mal im Jahr solch große Mengen dieser Waffelspezialität, dass sie damit die Familie und Freunde beglückt. Zur Adventszeit, beim lebendigen Adventskalender, kommen Gäste und die Nachbarschaft in den Genuss dieser knusprigen Leckereien.

»Eigentlich ist Klemmkuchen eine traditionelle Fastnachtsspeise, die besonders in den 50er-Jahren in Brandenburg, in der Lausitz, in Fläming und im Norden stark verbreitet war und auch noch heute teilweise ist«, sagt Kupperschmidt.

Sie ist in Lindow geboren und Reinsdorf bei Potsdam aufgewachsen. Mit 14 Jahren hat sie ihre Ausbildung zur Agrar-Technikerin begonnen und in Lindow auch ihren 2008 verstorbenen Mann kennengelernt, geheiratet und Tochter Beate geboren.

Aus Tradition

Schon in frühster Kindheit habe sie dort Klemmkuchen kennengelernt. »Zur Fastnachtszeit hat meine Mutter ganze Wäschekübel voll Klemmkuchen gebacken«, sagt sie. In Lindow, aber auch in den Nachbarorten wurde in der Zeit von Anfang Januar bis etwa Mitte Februar die Fastnachtszeit gefeiert, in der dann eine Mädchenfastnacht, eine Jugendfastnacht und eine Männerfastnacht, zu der nur verheiratete Paare in Trachten kommen durften, gefeiert wurden. Damals habe die Fastnacht noch eine ganze Woche gedauert, hatte jedes Dorf seine eigene Zeit dafür, damit sich alle gegenseitig besuchen konnten. »Ähnlich wie heute bei den Schützenfesten«, sagt Kupperschmidt.

»Zur Jugendfastnacht gingen zwei junge Männer, sie nannten sich Platzmeister, persönlich von Haus zu Haus und luden die Mädchen zur Fastnacht ein. Jedes Mädchen, das zusagte, schenkte dem Platzmeister eine kleine Schleife und steckte sie an das Jackett seines festlichen Anzuges.«

Zum großen Fastnachtsball, der »sehr festlich mit langen Kleidern, oder in ortsüblicher Tracht, auf einem großen Saal, gefeiert wurde«, wurden die Mädchen von den Platzmeistern und mit Blaskapelle zum Feiern im Saal abgeholt. »Dort wurde, so wie heute in Stukenbrock bei der Weiberfastnacht, ausgelassen gefeiert. Nur um Mitternacht wurde das Fest einmal unterbrochen. Dann gingen die jungen Leute nach Hause zu ihren Familien, um gemeinsam ein üppiges Festmahl einzunehmen. Anschließend ging es wieder zum Festsaal, wo es dann eben für alle Klemmkuchen gab.«

Backen für die Frauen

»Ich erinnere mich auch noch sehr gerne an diese Zeiten als Kind und junge Frau«, sagt Beate Niendorf, die ihrer Mutter gerne beim Backen hilft. 1991 ist sie mit ihrem Mann nach Stukenbrock gezogen, weil er bei Ari einen Arbeitsplatz gefunden hatte.

»Seit meine Tochter in Stukenbrock wohnt, habe ich mir das Auto voller verrückter Weiber gepackt und wir sind zum Feiern nach Stukenbrock gefahren«, sagt Erika Kupperschmidt. Heute hat sie es nicht mehr weit bis zur Stukenbrocker Weiberfastnacht. »Nach dem Tod meines Mannes habe ich in Reinsdorf alles zurückgelassen und bin nach Stukenbrock gezogen.« Für die Weiberfastnacht ist das Gebäck fertig.

Startseite