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Drei-Schulen-Theater präsentiert Schauermär vom KZ Buchenwald – umjubelte Premiere auf dem Schulhof der Realschule Schloß Holte-Stukenbrock

Tiere, die auf Nazis starren

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Das Grauen im KZ Buchenwald, erzählt von den Tieren des lagereigenen Zoos – das ist der Stoff von Jens Raschkes »Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns schaute«. Das Drei-Schulen-Theater »Dreist« hat zu diesem außergewöhnlichen Stück am Mittwoch eine beachtliche Premiere präsentiert.

Uschi Mickley

Überzeugend werden verwöhnte SS-Kinder in ihrer anerzogenen Ignoranz dargestellt. Die Kinder der »Gestiefelten«, vorn im Bild, sollen sich an den Zootieren erfreuen. Im Hintergrund müssen diese mit ansehen, was die Gestiefelten den Gestreiften antun. Foto: Uschi Mickley

Unter freiem Himmel sitzen rund 100 Zuschauer bunt gemischten Alters, auf Steinen, Stufen oder einfach auf dem Boden. Der untere Schulhof der Realschule hat sich in ein Zoogehege verwandelt. »Stellt euch einen Zoo vor. Vor vielen Jahren.« Auf der Bühne führen Erzähler in die Handlung des Geschehens ein. Als die Sprache auf den jähen Tod des bengalischen Nashorns kommt, wechselt die Perspektive in laufendes Spiel.

Um diesen Rahmen mit verständlichem Leben zu füllen, ist hoher Spieleinsatz der Schauspieler gefordert. Und da bekommt das Publikum unter der Leitung der Theaterpädagogen Canip Gündogdu und Alina Meinold ganz großes Theater geboten.

Wie das Weggucken funktioniert

Rund um das Gehege tummeln sich Mufflons, Vögel, Murmeltiere und ein Pavian in der Abendsonne und im satten Scheinwerferlicht. Zu beiden Seiten sind Zäune aufgestellt. Ein Geheimnis umgibt diesen Zoo; es wird zusehends gelüftet. Diese Tierfabel hat es in sich und schreckt nicht vor der grauenvollen Realität der NS-Geschichte zurück.

Und es ist das junge Ensemble, das mit unbändiger Kraft seine Zuschauer mit auf die Burg der Bären nimmt und dabei eine Flut an Bildern losreißt. Die Tiere im historisch verbürgten »Zoologischen Garten Buchenwald« blicken über den Zaun des Konzentrationslagers und müssen mit ansehen, was die Gestiefelten den Gestreiften antun. Die Inszenierung schöpft die Möglichkeiten der Fabel glänzend aus: In der Rolle des angepassten, alles übertönenden Pavians führt Dominik Fockel beeindruckend vor, wie das Weggucken funktioniert.

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Freitag, 23. Juni im WESTFALEN-BLATT, Ausgabe Schloß Holte-Stukenbrock.

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