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Eine Fahrt mit der MS Klabautermann von der Elbe bis zur Oder

Und er lebt doch noch

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Früher kannte jedes Kind Geschichten von der Seefahrt und dem Klabautermann, heute vielleicht noch an der Küste. Aber die Senioren des FC Stukenbrock, Abteilung Boccia, wollten es genauer wissen: lebt er noch? Und so hatte sich eine Gruppe mit 20 Teilnehmern aufgemacht, Flüsse und Kanäle im Raum Sachsen-Anhalt und Berlin-Brandenburg zu erkunden.

Michael Strachotta

Die Senioren des FC Stukenbrock, Abteilung Boccia, haben mit 20 Leuten das Motorschiff Klabautermann geentert. Sie hatten MS wollten es genauer wissen: lebt er noch? Und so hatte sich eine Gruppe mit 20 Teilnehmern aufgemacht,

Die dreitägige Fahrt begann am Mittellandkanal in Magdeburg an der Schleuse Hohenwarthe. Und da war er und wartete bereits auf die Gruppe: der Klabautermann, ein Ausflugsdampfer Baujahr 1920, jedoch mit neuster Technik in allen Bereichen ausgestattet. Die Fahrt führte zuerst über die Elbe. Da die Elbe dieses Jahr schiffbar war, ging es direkt über die Schleuse Niegripp auf den Elbestrom. So konnte die Flusslandschaft in Ruhe betrachtet werden, um mit den späteren Eindrücken auf den Kanälen und Seen verglichen zu werden. Bei Parey wurde die Elbe verlassen und auf dem Elbe-Havel-Kanal ging es, vorbei an Genthin, über den Plauer See nach Brandenburg. Hier erfolgte die erste Übernachtung mitten im Stadtzentrum.

Schleusen und noch mehr Schleusen

Am nächsten Tag ging es dann weiter auf der Havel über den Trebelsee nach Potsdam. Vorbei am Schloß Cecilienhof, der Glinicker Brücke und der Pfaueninsel mit Schloß in Richtung Wannsee, der oft besungene und wohlbekannteste der Berliner Seen. Über die Schleuse Spandau (wieder mal eine von vielen Schleusen) ging es dann durch die Hauptstadt mit ihren Wohn- und Geschäftsbauten direkt am Wasser. Viele Marinas für den Wassersport durften auch nicht fehlen. Dieser Tag der Fahrt war sicherlich in Gänze der interessanteste und beeindruckendste der Fahrt. Sowohl von der landschaftlichen Vielfalt, von der zu beobachtenden Vogelwelt der Schwäne mit Jungtieren, der Reiher und Kormorane, sowie der Gestaltung der Ufer durch den Menschen aus vielfältiger Sicht.

Über den Nieder Neuendorfer See, ehemaliges Grenzgebiet, wurde der Raum Berlin verlassen. Wie schon zuvor gab der Kapitän ausführliche Informationen und Hinweise zu den Sehenswürdigkeiten, zu abzweigenden Wasserwegen, deren geschichtlicher Entstehung und gegenwärtiger Bedeutung. Es war somit auch eine Reise durch einen Teil Deutschlands, die vor mehr als 30 Jahren wegen der Innerdeutschen Grenze nicht möglich gewesen wäre.

Am späten Nachmittag legte der Klabautermann im Finow-Kanal an und der Bus brachte die Gruppe das kurze Stück zum Hotel in Wandlitz. Nein, es war nicht die Wohnanlage der ehemaligen Partei- und Staatsführung der DDR, aber entsprechende Berichte und Reportagen kamen doch aus der Erinnerung hoch.

Der letzte Tag war wieder geprägt von Vergangenheit und Zukunft. Die letzte Etappe, der Oder-Havel-Kanal, wurde bereits 1914 fertiggestellt und zum Hohenzollernkanal umbenannt. Bereits damals lang er schon höher als die umgebende Landschaft, und durchaus spannend, mit dem Schiff über Eisenbahnstrecken zu fahren, erlebt man auch nicht alle Tage. Heute wird der Kanal für die großen Schubverbände verbreitert und vertieft. Der massive Eingriff in die Umwelt ist unübersehbar.

Technisches Meisterwerk

Zum Abschluss der Reise noch ein technisches Meisterwerk: Das Schiffshebewerk Niederfinow, ältestes noch arbeitendes Hebewerk Deutschlands und Industriedenkmal. Es ersetzt seit 1934 die ehemalige Schleusentreppe von vier Kammern, überwindet einen Höhenunterschied von 36 Meter und verkürzt die Fahrtzeit zur Oder und damit zur Ostsee um ein Vielfaches. Der Neubau für die über 100 Meter langen Schubverbände steht seit Jahren daneben, Inbetriebnahme vielleicht 2025? Wir sind halt im Land Brandenburg sagt man hier, und fügt schmunzelnd hinzu: Auch hier müssen wohl Ingenieure und Verantwortliche vom Berliner Flughafen BER mitgewirkt haben.

Als Fazit der Reise sei festzuhalten: Alle Befürchtungen einzelner Teilnehmer aufgrund der aktuellen Gefährdungslage durch das Coronavirus konnten zerstreut werden. Sowohl der Bus als auch der Klabautermann standen der Gruppe allein zur Verfügung. Somit konnte die Einhaltung der Gesundheitsrichtlinien strikt erfolgen. Auch die Hotels waren unter diesem Gesichtspunkt gut vorbereitet. So konnten alle diese Reise entspannt genießen und drei herrliche Tage erleben.

Am Schluss der Reise waren sich alle einig: eine tolle und erlebnisreiche Fahrt, maximale Entschleunigung und eine ausgezeichnete Empfehlung für Urlaub in Deutschland.

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