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Gutachten des LKA zu vergifteten Pausenbroten liegt vor: Ermittler untersuchen 21 weitere Fälle – Exhumierungen geplant - mit Video

Vergiftete Pausenbrote: Noch viel mehr Opfer vermutet

Schloß Holte-Stukenbrock/Bielefeld (WB/dpa). Im Fall der mit Gift versetzten Pausenbrote in der Armaturenfabrik Ari in Schloß Holte-Stukenbrock liegt ein Gutachten des Landeskriminalamtes vor.  Demnach wollen die Ermittler 21 Fälle, in denen Mitarbeiter vor Eintritt in den Ruhestand verstorben sind, betrachten. Das teilten die Polizei und Staatsanwaltschaft in Bielefeld am Mittwoch mit.

Die Firma in Schloß Holte-Stukenbrock. Foto: Wolfgang Wotke

Laut Gutachten befand sich auf den sichergestellten Pausenbroten ein toxisches Bleiacetat. In solchen Mengen, die mitunter schwere Organschäden herbeiführen können.

Die vorläufige Auswertung der weiteren im Haus des beschuldigten  Klaus O. (56) aus Bielefeld-Senne sichergestellten Substanzen hat laut Polizei den Verdacht ergeben, dass dieser seit längerem versucht hat, toxische Substanzen, unter anderem Schwermetallverbindungen, herzustellen. Es wurde bei den Durchsuchungen unter anderem Quecksilber, Blei und Cadmium gefunden und sichergestellt.

Als »auffällig unauffällig« beschreibt das Unternehmen den Mitarbeiter, der mindestens drei seiner Kollegen mit Bleipulver vergiftet haben soll. Nach Angaben von Personalchef Tilo Blechinger war der Mann 38 Jahre lang im Unternehmen.

Verdacht einer Schwermetallvergiftung

In Bezug auf zwei weitere Krankheitsfälle der vergangenen Jahre in der Firma hat sich laut Ermittlern der Verdacht einer Schwermetallvergiftung ergeben.

Die Ermittlungen der 15-köpfigen Mordkommission Mergel konzentrieren sich nunmehr insbesondere auf die Aufklärung aller Todesfälle in der Firma seit dem Jahr 2000. Dabei werden 21 Fälle, in denen Mitarbeiter vor Eintritt in den Ruhestand verstorben sind, betrachtet. Bei den Todesfällen gab es aus Sicht der Ermittlungsbehörden eine auffallend hohe Anzahl von Herzinfarkten und Krebserkrankungen. Ursächlich für solche Erkrankungen kann nach Angaben der Sachverständigen eine Schwermetallvergiftung sein.

Aufgeflogen war der Fall, nachdem ein Kollege auffälliges Pulver auf seinen Stullen entdeckt hatte. »Dann haben wir uns auch dank des guten Verhältnisses zum Betriebsrat schnell darauf geneigt, das Ganze zu überprüfen«, sagt Blechinger. Eine Kamera zeichnete auf, wie der 56-Jährige die Brotdose öffnete und etwas auf das Brot tat. Zuerst sei man von einem schlechten Scherz unter Kollegen ausgegangen, nicht von einem Mordversuch.

Exhumierungen sollen stattfinden

Neben der Befragung von Angehörigen und ehemaligen behandelnden Ärzten werden zunächst die Krankenakten zur Aufklärung herangezogen. Auch sollen Exhumierungen stattfinden.

 Der Beschuldigte schweigt weiterhin zu den Vorwürfen, so dass das Motiv unklar bleibt.

Für die Überprüfung erhält die Mordkommission Mergel Unterstützung von Behörden aus Gütersloh, Paderborn und Lippe.

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