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211 zugewanderte Schüler kreisweit vertiefen in den Herbstferien Deutschkenntnisse

Viele Flaggen, eine Sprache

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Faulenzen in den Herbstferien? Für 211 Schüler im Alter von zehn bis 18 Jahren kommt das nicht in Frage. Sie nehmen freiwillig an den elf Sprachcamps an fünf Standorten im Kreisgebiet teil. Erstmals sind zwei Gruppen in Schloß Holte-Stukenbrock dabei. Betreut werden sie von der Volkshochschule Verl, Harsewinkel und Schloß Holte-Stukenbrock. Die bisherigen Sprachcamps fanden in Verl statt.

Monika Schönfeld

Eine Gruppe von Schülern, die in den Herbstferien am Gymnasium ihre Kenntnisse in Deutsch vertieft und ein Theaterstück vorbereitet, das zum Abschluss den Eltern vorgeführt wird. Die Flaggen symbolisieren die Herkunft der Schüler. Foto: Monika Schönfeld
Organisatoren und Kooperationspartner: (hinten von links) Erika Dahlkötter (Kommunales Integrationszentrum des Kreises), Alexandra Laszlo (Geschäftsführerin Intal Bildung und Beruf), Anke Priepke (Fachbereichsleiterin Deutsch VHS Verl, Harsewinkel und Schloß Holte-Stukenbrock), (vorn von links) Axel Hemminghaus (Fachbereichsleiter Deutsch VHS Reckenberg-Ems), Annetta Dimitsa-Deschner (Koordinatorin Intal Bildung und Beruf), Dr. Marielle Gronenthal (stellvertretende VHS-Leiterin Gütersloh) und Manuel Erdmeier (Leiter Kommunales Integrationszentrum). Foto: Monika Schönfeld

In Schloß Holte-Stukenbrock steht den Jugendlichen das Gymnasium zur Verfügung. Schüler mit Zuwanderergeschichte vertiefen in diesen zwei Wochen die deutsche Sprache, toben aber auch auf dem Schulhof. Sie sitzen nicht nur mit rauchenden Köpfen im Klassenzimmer, sondern werden auch kreativ. Am letzten Tag werden sie ihren Eltern ein kleines Theaterstück präsentieren, das sich mit Migration beschäftigt. Eine Gruppe hat bereits die Flaggen gefertigt, die ihre Herkunftsländer symbolisieren.

Erika Dahlkötter

„Zum ersten Mal ist das Sprachcamp in den Herbstferien. In den fünf Jahren zuvor haben wir es in den Sommerferien angeboten“, sagt der Leiter des Kommunalen Integrationszentrums des Kreises Gütersloh, Manuel Erdmeier. Die Schüler sind zu 43 Prozent weniger als ein Jahr in Deutschland. Einige sind aber schon mehrfach dabei. „Die Resonanz zeigt: 97 Prozent haben gerne teilgenommen, 95 Prozent gaben an, das Sprachcamp sei hilfreich gewesen.“ Kollegin Erika Dahlkötter sagt, dass der Kreis Gütersloh für den Haushalt 2019 die Finanzierung der Sprachcamps unbefristet genehmigt hat. „Damit können wir langfristig planen und Kooperationsvereinbarungen treffen.“ Die Schulen sind eingebunden. Durch den Kontakt über die internationalen Klassen, die multiprofessionellen Teams und die Schulsozialarbeiter werden die Schüler angesprochen. „Es ist eine Kombination aus spielerischem und klassischem Lernen. Von 9 bis 14 Uhr sind die Kinder hier und sorgen selbst dafür, dass die Ferien keine Lücke hinterlassen.“

Das Integrationszentrum arbeitet mit den Volkshochschulen Verl, Harsewinkel, Schloß Holte-Stukenbrock, der VHS Gütersloh, der VHS Reckenberg-Ems und der Intal Bildung und Beruf gGmbH zusammen.

Ein Stuhl als Platz in der Gesellschaft

Auf dem VHS-Campus Rheda finden drei Kurse statt. Zwei werden mit Kunstpädagogen und Deutschlehrern geleitet, ein Kurs ist für Berufschüler. Die künstlerische Gruppe gestaltet ausrangierte Stühle neu. Sie gelten als Symbol für den Platz eines Jeden in der Gesellschaft. In Gütersloh arbeiten vier Sprachgruppen und eine berufsbezogene. Hier sind die Schüler nach Alter eingeteilt, nicht nach Kenntnisstand. So können sie sich gegenseitig unterstützen.

Im Norden des Kreises engagiert sich das erste Mal die gemeinnützige GmbH Intal Bildung und Beruf im Sprachcamp. „Wir haben festgestellt, dass die Schüler gar nicht wissen, wie es in ihrem Umfeld aussieht. Deshalb gehen wir mit ihnen in die Natur. Im Wald schaffen sie Installationen. Sie machen Stop-Motion-Filme und erhalten einen QR-Code, so dass sie die Filme auch ihren Eltern zeigen können“, berichten Alexandra Laszlo und Annetta Dimitsa-Deschner. Intal betreut die Kinder in Halle und in Steinhagen.

Erika Dahlkötter

„Die Kinder legen großen Wert darauf, ihre Ergebnisse aus diesen zwei Wochen zu präsentieren“, sagt Erika Dahlkötter. 2019 gab es erstmals eine Abschlussveranstaltung im Foyer des Kreishauses in Gütersloh mit einer öffentlichen Ausstellung. „Wir hoffen, dass wir das wieder machen können – wenn auch unter den Bedingungen, die das Coronavirus diktiert. Wenn es klappt, stellen wir vom 10. Dezember bis Weihnachten die Ergebnisse aus“, sagt Dahlkötter. Dass alle Kurse dieses Sprachcamps trotz Corona ausgebucht sind, zeige, dass es den Schülern etwas bedeutet, den Anschluss nicht zu verlieren. Bei den Erstberatungsgesprächen werden die Schüler auf die Sprachcamps hingewiesen. „90 Prozent von ihnen machen mit.“

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