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Kfd-Karneval: Von Moorhühnern, Flugenten und geschrumpften Tänzerinnen

Wenn’s dem Herrgott gefällt...

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Was kann es Schöneres geben, als wenn schon der Bühnenumbau selbst so unterhaltsam ist, wie die Auftritte dazwischen? Die Frauen der Holter Kfd-Spielschar haben das am Dienstag im Pfarrer-Rüsing-Haus geschafft, wenn auch nicht ganz freiwillig.

Matthias Kleemann

Maria Potthoff ist »Cordula Grün«. Simone Geiping, Claudia Pollmeier-Schaumann und Susanne Niebiossa (von links) geben den Background-Chor – aber was ist mit ihren Beinen passiert? Die Kfd-Truppe war in bester Spiellaune und steckte damit auch das Publikum an. Foto: Matthias Kleemann

Aber das ist eben live: Ein Klohäuschen wird für die nächste Nummer benötigt, es wird aus vorgefertigten Einzelteilen zusammengesetzt, also wie bei IKEA. Da passiert es schnell, dass man das eine Links mit dem anderen Links vertauscht – und dann passen die Türen nicht mehr. Noch mal alles abbauen und neu zusammensetzen, das Ganze dauert fast länger als die Nummer danach. Aber alle haben Spaß, und der Applaus ist riesig.

»Es muss sich lohnen, in Schloß Holte zu wohnen«, Gisela Sykoras Heimatlied trifft die Stimmung im ausverkauften Saal. Da ist diesmal sogar die Königin der Druffeler St.-Johannes-Schützen samt Throndamen angereist, weil Kfd-Spielerin Kerstin Steinkröger diesem Thron angehört. Und sie haben Spaß, wie alle anderen. Kaum spielt die Musik, wird geschunkelt, geklatscht und gerockt.

Süße Früchte

Und es wird noch besser, wenn die Kfd-Truppe den Ton angibt, am liebsten zu den aktuellen oder beliebten Stimmungshits. Als »Süße Früchte« eröffnen sie den Abend – Kommentar von Gisela Sykora: »Da möchte man gleich einen Obsttag einlegen.«

Kölner Karnevalslieder erklingen, dazu hüpfen sechs Akteurinnen, die seltsam geschrumpft wirken, über einen Bühnenaufbau. Wenn dann Maria Potthoff dazu noch die »Cordula Grün« gibt – ganz in Grün – kennt die Begeisterung keine Grenzen.

Auch die Schlussnummer reitet auf dieser Welle: Da feiern Tony Marschall, Chris Roberts, Heino, Bata Illic und Vicky Leandros fröhliche Urständ mit ihren Hits von damals, in Rüschenhemd, Schlaghosen, Plateauschuhen und Blümchenkleid, denn die ZDF-Hitparade wäre heuer 50 geworden.

Dazwischen gibt’s viel zu lachen. Nicht nur die Klo-Nummer, die natürlich deswegen so komisch ist, weil Stephanie Erichlandwehr und Claudia Pollmeier-Schaumann das so toll spielen. Nicht minder komisch sind die beiden als Moorhühner, wo sie noch Unterstützung von Kerstin Steinkröger und Susanne Lillmanns­töns bekommen.

Dorfgetratsche: Blick aufs Jahr

Susanne Niebiossa und Jana Praga schaffen es gleich zu Beginn, das Eis zu brechen. Hoch über dem Holter Schloss kreisen sie als Flugenten, die eine erfahren , die andere neu. »Schau nach unten, du musst dich daran gewöhnen.« »Und was ist, wenn ich einen Krampf bekomme?« Das Ende vom Lied: Die Neue steigert sich so hinein, dass der Erfahrenen schlecht wird.

Bernadette Lange und Simone Geiping führen vor, wie man eine Polizeikontrolle erfolgreich übersteht, letztere brilliert erneut mit einer Solonummer als Rosel.

Eine der Altvorderen, Roswitha Galus, hat einen Gastauftritt: Beim Dorfgetratsche unterstützt sie, gemeinsam mit Sylvia Kroll, Gisela Sykora, die ein weiteres Mal das abgelaufene Jahr in Reime gepackt hat: Denkmaltag und Bäckerei-Jubiläum, Tierschützer-Protest auf Pollhans und die Bundesjungschützentage, der Protest gegen Wahl & Co oder Bob der Flaschenträger, Gisela ruft alles in Erinnerung und hat auch ein lobendes Wort für die Stukenbrocker, die ihren Kinderkarneval gerettet haben. Und dass es im Turm der St.-Ursula-Kirche manchmal pfeift, das kann eigentlich nur der Herrgott persönlich sein, dem die Kirche jetzt so gut gefällt – vielleicht auch der Frauenkarneval?

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