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Mehrfamilienhäuser oder Flüchtlingsunterkunft in Liemke

Wohnungen fehlen: Stadt muss Zuwanderer aufnehmen

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Erst im Ältestenrat, dann im Rat hat Bürgermeister Hubert Erichlandwehr darüber informiert, dass die Stadt ab Mai das Problem hat, 50 bis 70 Zuwanderer beherbergen zu müssen, deren Asylantrag bewilligt ist und die der Stadt mit Wohnsitzauflage zugewiesen werden.

Monika Schönfeld

Die Stadt will das Haus (links) am Bachweg abreißen lassen und Platz für zwei Mehrfamilienhäuser oder ein Flüchtlingswohnheim schaffen. Foto: Monika Schönfeld

»Seit Ende Oktober kommen fünf bis zehn Menschen pro Woche«, berichtet der Bürgermeister. Zurzeit beherberge die Stadt 58 Menschen, die noch im Asylverfahren stecken, und 38 anerkannte Zuwanderer mit Wohnsitzauflage. das gehe bis Ende März so weiter, dazu kommen noch einmal 40 bis 50 Menschen. Danach seit bis Mai Pause. »Dann kommen weitere 50 bis 70 Personen. Spätestens ab Mai haben wir ein Problem.«

Alle Stadtteile gleich behandeln

Die Stadt hatte Flüchtlingswohnheime in Sende, Stukenbrock und Schloß Holte bauen lassen, das Gasthaus Buschkrug gekauft. In Stukenbrock-Senne gibt es das Wohnheim am Emsweg. Auch die Zuwanderer mit Wohnsitzauflage seien zurzeit in den Wohnheimen untergebracht, obwohl sie eigentlich in Wohnungen leben sollten, um sich ihre Zukunft in Deutschland zu gestalten. Allerdings gibt es zu wenige preiswerte Wohnungen. »Im Juni müssten wir ein weitere Wohnheim errichten«, sagt Erichlandwehr. In Reserve hat die Stadt das Gelände am Bachweg in Liemke, der einzige Stadtteil, der bisher kein Wohnheim hat. »Der richtige Weg könnte sein, hier Mehrfamilienhäuser zu errichten und keine Flüchtlingsunterkunft. Wir könnten das Gelände an einen Investor verkaufen und uns Belegungsrechte sichern. Allerdings ist das in drei Monaten nicht zu schaffen.« Es könne aber auch richtig sein, so der Bürgermeister, am Bachweg noch ein Flüchtlingsheim zu bauen.

Theoretisch muss die Stadt 230 Flüchtlinge aufnehmen, das wären 100 Prozent Quote. Zurzeit erfüllt sie nur 29 Prozent, angestrebt sind 40 bis 60 Prozent.

Was zu tun ist, wollen Verwaltung und Politik erst mal beraten und dann am 19. März entscheiden. Die für dieses Datum geplante Hauptausschusssitzung wird zur Ratssitzung. »Fakt ist, dass wir akuten Bedarf haben, aber nicht in einer halben Stunde entscheiden können«, beantragte Klaus Dirks (CDU), das Thema zur Beratung in die Fraktionen zu verweisen. Thorsten Baumgart (FDP) stimmte zu und bezeichnete die Situation als komplex und schwierig. Die anerkannten Zuwanderer gehörten nicht in eine Flüchtlingsunterkunft.

Einig sind sich alle Parteien, dass es möglichst eine Lösung geben soll, die von allen Parteien getragen wird und dass nicht unnötig Zeit verloren werden dürfe. L

Vor zwei Jahren Sturm gelaufen

Liemker Bürger waren schon vor zwei Jahren alarmiert, als im Gespräch war, am Bachweg bei Bedarf ein Flüchtlingswohnheim zu bauen. Während der Ratssitzung haben Bürger zur Einwohnerfragestunde auch eine Menge Fragen zum ursprünglichen Tagesordnungspunkt gestellt, dort kein Wohnheim, sondern zwei Acht-Familienhäuser mit Belegungsrecht zu genehmigen. Den Hinweis, der Platz von 800 Quadratmetern sei für Mehrfamilienhäuser zu klein, konterte der Bürgermeister, die Fläche könne vergrößert werden, das komplette Gelände gehöre der Stadt. Hier hatte sie geplant, parallel zum Forellenweg ein Gebiet für Einfamilienhäuser auszuweisen.

Ein Kommentar von Monika Schönfeld

Einige Jahre lang hat das ganz gut geklappt. Die Stadt hat drei neue Wohnheime bauen lassen. Die Liemker Reserve musste nicht angefasst werden. Nur hier sind die Anlieger Sturm gegen ein mögliches Wohnheim gelaufen, in allen anderen Stadtteilen sind die Flüchtlinge fast unbemerkt geblieben. Liemke wird jetzt gebraucht. Es hilft nicht zu fragen, ob nicht die Polizeischule wieder Menschen aufnehmen kann oder sich die Stadt bei Nachbarn Kapazitäten kauft. Die Zeit war ausreichend, sich für weitere Zuweisungen zu rüsten.

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