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Eeco Rijken Rapp und David Herzel alias »Boogielicious« im Kulturforum

Zum Tanzen fehlt der Platz

Schloß Holte-Stukenbrock (WB). Gerade noch am Bodensee, jetzt in Liemke. So unterschiedlich diese Regionen auch sind, eins haben sie gemeinsam: Boogie Woogie, Blues und Jazz sorgen für ausverkaufte Hallen.

Alexandra Wittke

Ein rundum gelungener Abend mit (von links) Eeco Rijken Rapp und David Herzel alias »Boogielicious«. Foto: Alexandra Wittke

Nicht ganz ohne Stolz kündigt Friedrich Dransfeld am Sonntagabend das Duo »Boogielicious« im Kulturforum am Altenkamp an. »Ich freue mich sehr, dass es uns gelungen ist, Eeco Rijken Rapp und David Herzel zum Abschluss ihrer Duo-Tour für unser schönes Schloß Holte-Stukenbrock zu gewinnen.«

Bescheidenheit war definitiv fehl am Platz. Denn das, was die beiden musikalischen Kreativköpfe mit ihrem gut anderthalbstündigen Programm gezeigt haben, war deutlich größeren Veranstaltungsräumen würdig. 85 Fans, das Konzert war damit ausverkauft, ließen sich nur zu gerne mitnehmen auf eine musikalische Reise zurück in die goldenen Zeiten Anfang bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Zeiten, in denen die Menschen nach Spaß und Musik gierten, Nachtclubs und Pianobars Tag für Tag Menschenmassen verschluckten und sie im Morgengrauen erschöpft aber glücklich wieder ausspuckten.

Erfrischend kreativ

In Liemke geht es etwas gesetzter zu. Die Musik aber schafft es spielend, das Lebensgefühl auferstehen zu lassen. Beeindruckend harmonisch und doch äußerst individuell spielen »Boogielicious« klassischen Boogie Woogie, erdigen Blues und Old Time Jazz in einer fein abgestimmten Folge. Eeco Rijken Rapp am Klavier überzeugt nicht nur mit seiner Fingerfertigkeit, auch seine warme Singstimme geht mühelos ins Ohr und macht Platz für Experimente am Schlagzeug. Für die ist David Herzel zuständig. Erfrischend kreativ in der Wahl der Sticks, spielt er temporeiche und gefühlvolle Stücke souverän und taktangebend. Seine Einlage, die Sticks auch an einer Säule oder den Zuschauern auszuprobieren, überrascht bei so viel Kreativität nicht. Im Gegenteil, eigentlich möchte das Publikum aufstehen, grooven und swingen. Einzig der Platz dafür fehlt, es bleibt bei wippenden Füßen und wackelnden Köpfen zu »Honky Tonk Train«, »Bradshaw Boogie« und »Down the Road a Piece«.

Erst zum Schluss holen Rapp und Herzel ihr Publikum fulminant und temporeich zurück ins Heute. Entlassen werden die beiden aber erst nach zwei weiteren Stücken. Auch das kein Unterschied zu den großen Hallen in Paris, London oder Wien. Einzig der kleine Parkplatz erinnert beim Hinausgehen daran, dass man sich eigentlich in Liemke und nicht in der Großstadt befindet.

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