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Trotz Fördermitteln: Kosten für die vierte Reinigungsstufe der Kläranlage zahlen die Bürger mit

Abwassergebühren steigen

Steinhagen (WB/anb). Aus Gründen des Umweltschutzes gilt sie als unverzichtbar – aber schon jetzt ist klar: Wenn an der Steinhagener Kläranlage die vierte Reinigungsstufe voraussichtlich 2022 in Betrieb geht, werden in Steinhagen die Abwassergebühren steigen. Bauamtsleiter Stephan Walter rechnet mit einer Erhöhung von mindestens 16 Prozent. Beispiel: Ein Haushalt, der pro Jahr 400 Euro für Abwasser bezahlt, muss mit 64 Euro mehr rechnen.

Heute noch Weide: Auf dieser Fläche hinter der Kläranlage soll die vierte Reinigungsstufe gebaut werden. Foto: Bluhm-Weinhold

Mit der vierten Klärstufe sind nicht nur Investitionskosten von etwa zehn Millionen Euro, sondern auch Jahreskosten von etwa einer Million Euro verbunden. Antibiotika, Kontrastmittel oder Östrogene – diese und weitere Mikroschadstoffe schaffen die bisherigen drei Klärstufen nicht. Sie fließen ungefiltert in den Abrooksbach und damit weiter in die Ems.

Deshalb ist eine weitere Reinigungsstufe nötig: Einstimmig haben sich die Mitglieder des Betriebsausschusses jetzt für ein Verfahren entschieden, das Spurenstoffe mittels Aktivkohle in Pulverform aus dem Abwasser eliminiert. Dazu hatten die Fachingenieure Dr. Jan Mauriz Kaub und Norbert Biebersdorf (Fachbüro Tuttahs&Meyer, Bochum) geraten. Nach einer Machbarkeitsstudie hatten sie konkrete Planungen ausgearbeitet.

Pulveraktivkohle scheint am geeignetsten

Grundsätzlich sind zwei unterschiedliche Verfahren mit Aktivkohle, die als Filter fungiert, und einem ebenso komplexen Verfahren mit Ozon, das die Schadstoffe aufspaltet und fähig macht für den biologischen Abbau, denkbar. Für die Gegebenheiten in Steinhagen erscheint den Planern das Pulveraktivkohleverfahren am geeignetsten – trotz etwas höherer Investitionskosten.

Aber die Betriebskosten seien sicherer kalkulierbar, zudem könne die Zugabemenge der Aktivkohle aktiv beeinflusst werden. Das sei wichtig für die vollständige Entfernung der Schadstoffe, sagten die Fachleute. Und: Steinhagen hat einen relativ hohen Phosphor-Anteil im Abwasser, für dessen Elimination das Pulververfahren ebenfalls geeignet sei. Die Aktivkohle wird dem Abwasser zugeführt. Die Mikroschadstoffe bleiben in den Filtern zurück. Etwa eine Lkw-Ladung des Pulvers werde für ein Jahr gebraucht und in einem Silo gelagert. Das verbrauchte Pulver wird mit dem Klärschlamm entsorgt und verbrannt.

Land fördert die Baukosten bis zu 70 Prozent

Diese Art der Filtration habe die umfangreichsten Referenzen und wird in Süddeutschland und in der Schweiz bereits vielfach in Kläranlagen eingesetzt. »Es ist am einfachsten zu bewerkstelligen«, machte Jan Mauriz Kaub deutlich. Denn die Mitarbeiter der Kläranlage können die vierte Reinigungsstufe selbst steuern. Bei der Ozonierung dagegen müssten Fachleute kommen.

Die Gemeinde bereitet nun den Förderantrag vor. Denn bis zum Jahresende übernimmt das Land bis zu 70 Prozent der Baukosten – sprich: die Gemeinde hätte noch etwa drei Millionen Euro selbst zu bezahlen. Bisher gibt es nach Auskunft von Stephan Walter auch keine Anhaltspunkte, dass die Förderung geringen ausfallen könnte.

Gebaut würde auf einer Fläche der Gemeinde an der Friedhofstraße direkt im Anschluss an die Kläranlage. Wenn die Landesmittel bewilligt werden, könnte das Projekt 2020 ausgeschrieben und im nächsten Jahr sowie 2021 umgesetzt werden.

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