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Steinhagener Kindern aus bedürftigen Familien entgeht durch die Schulschließung die Gemeinschaftsverpflegung der OGS

AWO hilft mit Lebensmittel-Tüten

Steinhagen

Welche Einschränkungen die wochenlange Schulschließung in der Corona-Pandemie für Kinder und ihre Familien auch haben kann, das wird an einer Hilfsaktion der AWO deutlich: In Kooperation mit dem Jobcenter, der Gemeinde Steinhagen und sieben weiteren Kommunen im Kreis Gütersloh sowie der Arbeitslosenselbsthilfe (Ash) versucht die Arbeiterwohlfahrt als Trägerin der OGS das entgangene Mittagessen in der Schule durch Lebensmittel-Tüten auszugleichen. Von der Steinhagener Grundschule Laukshof aus werden jetzt 64 Kinder aus Hartz IV-Familien Familien allein in der Gemeinde Steinhagen versorgt.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Foto:

Insgesamt sind 1000 Tüten gepackt worden – eine Tüte pro Kind für den Monat Januar. 35 Offene Ganztagsgrundschulen betreibt die AWO im Kreis Gütersloh. Und deshalb war es laut Kreisgeschäftsführerin Ulrike Boden auch ein vordringliches Interesse, Familien, die Anspruch auf Leistungen aus dem „Bildungs- und Teilhabe-Gesetz“ (BuT) haben, auch und gerade in Zeiten zu unterstützen, in denen die Gemeinschaftsversorgung der Kinder in der Schule ausfällt – für viele bedürftige Familien oder Alleinerziehende ein nicht unerheblicher Kostenfaktor, wenn die Kinder mehr zu Hause verpflegt werden müssen. „Nur wenige dieser Eltern waren berechtigt, ihre Kinder in die Notbetreuung zu schicken“, weiß Ulrike Boden.

Das Jobcenter, zuständig für BuT-Leistungen hat sich bereit erklärt, auch in Zeiten ohne OGS und Mittagsversorgung die Kosten zu übernehmen: „Obwohl der Pandemieerlass nur eine Kann-Regelung beim Recht auf Ersatz formuliert“, sagt Ulrike Boden. Die Gemeinde leitete das Geld weiter und gleicht einen möglichen Fehlbetrag durch Mittel aus der Kinder- und Jugendstiftung aus, wie Schulamtsmitarbeiterin Kirsten Reker erklärte.

Somit finanziell abgesichert hat die AWO eingekauft: Susanne Brückner-Wentzlaff hat im Großhandel Grundnahrungsmittel wie Reis und Nudeln, Soßen, Müsli, Würstchen, (gelatinefreie) Gummibärchen und Schokolade bestellt. Mitarbeiter der Arbeitslosenselbsthilfe in Gütersloh haben die 1000 Tüten mit je acht Kilo Gewicht und einem Warenwert von 50 Euro gepackt. „Das war auch gut so. Dafür braucht man Platz, den die Ash in ihren Räumen in einer alten Fabrik auch hat. Vor allem aber hat sie Rampen, an die die Lkw direkt heranfahren konnten“, so Ulrike Boden.

Man sei schon erstaunt gewesen über die Masse an Lebensmitteln, die zusammenkamen, gibt sie zu. Auch zahlreiche freiwillige Helfer der AWO waren eingebunden. „Einen solchen Kraftakt hätten wir nicht noch einmal stemmen können“, so Boden. Und deshalb erfolgt der Ausgleich für die drei Wochen der Schulschließung im Februar dann doch über einen Gutschein, der in den nächsten 14 Tagen verteilt wird. Denn die Ash geht wieder an ihre eigentliche Arbeit. Doch Gutscheine auszugeben, ist nicht so einfach – zum einen, weil aus Gründen des Wettbewerbs unterschiedliche Anbieter zu beteiligen sind, zum anderen, weil die Gutscheine eigentlich nur für Lebensmittel zu nutzen sind.

Außerdem liegt ein Brief in den Tüten mit Infos und Kontaktdaten von Einrichtungen, die bei Problemen weiterhelfen. „Wir haben Rückmeldungen aus den Beratungseinrichtungen, dass Kinder zum Beispiel depressiver sind, dass es aber auch zu mehr Fällen von Kindeswohlgefährdung kommt und dass Jugendliche derzeit kaum berufliche Perspektiven sehen. Viele Kinder leiden auch, weil Eltern arbeitslos werden oder in Kurzarbeit sind“, zählt Ulrike Boden auf.

449 Kinder besuchen in Steinhagen eine OGS. Wie viele von ihnen aus den BuT-berechtigten Familien kommen, weiß die AWO nicht – aber 64 Kinder sind ihr gemeldet worden, die nicht in der Notbeteuung waren: 26 von der Grundschule Laukshof, 19 von der Grundschule Steinhagen, 14 in Amshausen und fünf in Brockhagen.

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