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Plasmatreat bezieht neues Technologiezentrum – repräsentativer Rahmen für Kunden

Der Forschung Raum geben

Steinhagen  (WB). Anderthalb Jahre hat der Bau gedauert – nun bricht für die Steinhagener Firma Plasmatreat ein neues Zeitalter an: Das Technologiezentrum am Firmensitz an der Queller Straße wird in diesen Tagen bezogen. Und damit hat das High-Tech-Unternehmen angemessene Räume für die Forschung, für Kunden und für Schulungen.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Hier legt der Chef selbst Hand an: Plasmatreat-Geschäftsführer Christian Buske setzt einen der Automaten zur Vorbereitung von Oberflächen für Beschichtungen in Bewegung. In den neuen Laboren findet die Forschung nun optimale Bedingungen. Foto: Bluhm-Weinhold

4,5 Millionen Euro hat Plasmatreat, Weltmarktführer in der Open-Air-Plasmatechnologie und gerade von der Universität St. Gallen erneut zertifiziert, in den Neubau investiert. Dieser beherbergt auf einer Gesamtfläche von 1400 Quadratmetern die Abteilungen Forschung, Entwicklung und Anwendungstechnik. Dort werden in Zukunft die neuen Einsatzmöglichkeiten für den umweltfreundlichen High-Tech-Stoff Plasma, den vierten Aggregatzustand nach fest, flüssig und gasförmig, entwickelt. Oberflächenoptimierung für Klebstoffhaftung oder Digitaldruck wäre zu nennen.

Vor allem aber können Kunden sehen, wo die Technik entsteht, die sie auch in ihren Produktionslinien einsetzen (sollen): »In den neuen Räumen haben wir schon ein anderes Auftreten, denn nun sind wir mit den Kunden auf Augenhöhe«, sagt Geschäftsführer Christian Buske. Besucher hätte man niemals durch die alten Labore, zum Teil in Kellerräumen untergebracht, führen können. Plasmatreat ist eben kein Start-Up mehr, sondern ein Weltunternehmen mit 15 Niederlassungen, der jüngsten in Südkorea, 135 Mitarbeitern in Steinhagen und 250 weltweit und einem Jahresumsatz 2018 von 45 Millionen Euro.

Enge verbindung von Forschung und Lehre

Im neuen Technologiezentrum finden aber nicht nur die Kunden den Raum, der nötig ist für den vertrauensvollen und diskreten Austausch auch hochsensibler Unternehmens- und Produktionsdaten. Das zweigeschossige Gebäude ermöglicht auch die enge Verbindung von Schulung und Entwicklung. Drei Räume im Obergeschoss, die auch zu einem großen mit Platz für knapp 200 Personen zusammengeschlossen werden können, sind nicht nur für Kundengespräche, sondern auch für Konferenzen und Seminare gedacht – schneller Wechsel zwischen theoretischem und praktischem Teil: kein Problem.

Doch vor allem müssen hier die Technologien der Zukunft entwickelt werden. Auch das eigentlich breit aufgestellte High-Tech-Unternehmen spürt die Krise. Die klassischen Anwendungsbereiche der Autoindustrie beispielsweise, wo Plasma für Scheinwerfer und Türdichtungen eingesetzt wird, stagnieren. Nun gilt es, die Tür zur automobilen Neuausrichtung aufzustoßen – sprich: der E-Mobilität und der Sensortechnik. Dank Plasma, so erläutert Christian Buske, könnten etwa die Batterien haltbarer gemacht werden. Die Isolation zwischen den Zellen werde verbessert. BMW setzt ebenso wie weitere namhafte Autohersteller Plasmadüsen made in Steinhagen ein, und auch der chinesische Markt wird beliefert.

Die Elektronikbranche darf noch stärker auf Plasma anspringen

»Atmosphärisches Plasma hat sich in der Elektronikbranche noch nicht so verbreitet wie es wünschenswert wäre«, so Buske, der das Fachblatt »Productronic« nennt, das über Plasmatreat titelt: »Hidden in Steinhagen« – versteckt in Steinhagen. Plasmatreat, ein »Hidden Champion« eben.

Derweil werden im mikrobiologischen Prüflabor Bakterienkulturen angelegt. Im Auftrag eines Herstellers sind Plasmadüsen zu entwickeln, die innerhalb von Sekunden die Getränkeverpackungen schon bei ihrer Herstellung desinfiziert – umweltschonend, ohne Wasserstoffperoxid.

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