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Seit 25 Jahren trifft man sich zum gemeinsamen Mittagessen in der Steinhagener Begegnungsstätte

Der Tag, an dem es nur Nachtisch gab

Steinhagen (WB). Der Grünkohl im Winter und die Marillenknödel im Sommer sind einfach Pflicht – zwei Klassiker, die beim gemeinsamen Mittagessen der Evangelischen Kirchengemeinde gern serviert werden. Und wenn es ausschließlich Nachtisch gibt? Dann kommen noch mehr Besucher... Doch der Reihe nach.

Volker Hagemann

Pfarrer i.R. Heinz-Jürgen Luckau und Renate Kampmann gehören zu den Ideengebern der ersten Stunde. Foto: Volker Hagemann

Seit mittlerweile 25 Jahren treffen sich in der Begegnungsstätte am Dietrich-Bonhoeffer-Haus Menschen, die Appetit auf leckeres Essen und geselligen Klön haben. An jedem dritten Donnerstag im Monat zieht verführerischer Duft durch die Räume, die Kochteams geben alles. „Klassiker sind genauso beliebt wie neue kreative Rezepte“, weiß Renate Kampmann.

Idee war einst, den ehemaligen Dorf-Kindergarten mit Leben zu füllen

Sie gehört zu den Initiatoren, die Anfang der 90er die neu eingerichtete Begegnungsstätte mit Leben füllen wollten. „Als die Räume des ehemaligen Dorf-Kindergartens umgestaltet wurden, hatten viele Ideen, wie man einsamen Menschen Geselligkeit und langfristig soziale Kontakte ermöglichen könnte“, erinnert sich Pfarrer i.R. Heinz-Jürgen Luckau. Er gehörte damals dem Konzeptionskreis mit Lieselotte Müller, Gerd Sowa, Erika Düfelsiek und Renate Kampmann an.

„Eine der ersten Ideen war ein gemeinsames Mittagessen“, erinnert sich Kampmann. „Richtig Schwung in die Sache kam mit der Interessenbörse, die vor allem Pfarrer Christhard Greiling voran trieb.“ Mit im Boot waren von Anfang an die Landfrauen, unter anderem Erika Düfelsiek, Ulla Diekmann und Frieda Meyer. Ende 1995 trafen sich Köche und Gäste erstmals zum Grünkohlessen in der Begegnungsstätte – und das gemeinsame Mittagessen wurde zur monatlichen Institution, zu der jeder nach Anmeldung herzlich willkommen ist. Aufgetischt wird jeweils ab 12 Uhr.

Österreicher bringen leckeres Rezept mit

Und die Marillenknödel? Besuch aus Österreich kreierte sie einst in Renate und Wilfried Kampmanns Küche. „Ich notierte mir das Rezept und brachte die Marillenknödel unter dem Motto ‚Urlaubserinnerungen‘ auf den Speisezettel unserer Runde. Diese Leckerei stieß bei Irma Rosenow auf solche Begeisterung, dass auch sie ins Kochteam einstieg“, erinnert sich Renate Kampmann. Interessant: „Vor allem zu diesem Gericht kommen viele Jüngere.“

Etwa 15 Ehrenamtliche stehen heute im Wechsel am Herd, 30 bis 40 Teilnehmer lassen sich alle vier Wochen donnerstags Gerichte wie Rouladen, Matjes, Lasagne und mehr schmecken. Sie zahlen einen Obolus von fünf bis sieben Euro. Die Karte stellt das Team im November für ein Jahr zusammen. „Weitere Mitstreiter sind willkommen; seit kurzem haben wir eine Elftklässlerin in unseren Reihen“, freut sich Kampmann über generationenübergreifende Resonanz.

Pfarrer i.R. Heinz-Jürgen Luckau

Heinz-Jürgen Luckau wurde eines Tages gefragt, welches Gericht er selbst sich denn wünsche. Der Pfarrer war ehrlich: „Am liebsten nur Nachtisch!“ Das nahmen die Köche wörtlich – und kredenzten am 14. Dezember 2001 ausschließlich Dessertvarianten. Das Resultat: „An jenem Tag war es so voll wie nie – und es kamen viel mehr Männer!“, erinnert sich Heinz-Jürgen Luckau. Er sagt aber auch: „Einfache Gerichte kommen gut an. Ich möchte mal eine Lanze für die Linsensuppe brechen.“

Wer sich für eine Mithilfe oder den Speiseplan 2020 interessiert, melde sich bei Pfarrer Christhard Greiling, Telefon 0 52 04/87 03 39.

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