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An der Bahnhofstraße liegen alle wichtigen Verbindungen – keine doppelte Sicherung

Die Nabelschnur Steinhagens getroffen

Steinhagen (WB). Wie konnte das eigentlich passieren? Bei Gesteinsbohrungen war, wie berichtet, am Freitagnachmittag ein Glasfaserkabel der Telekom getroffen und so stark beschädigt worden, dass in weiten Teilen der Gemeinde Internet und Telefonie lahm gelegt waren. Die Auswirkungen, die die Zerstörung haarfeiner Leitungen hat, sind immens – und lebensgefährlich, wenn man sie bis in die letzte Konsequenz weiterdenkt.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Man muss schon sehr genau hinsehen: Jede einzelne von gerade einmal 84 Glasfasern im beschädigten Kabel ist hauchdünn – und dabei auf diesem Foto sogar noch schützend ummantelt. Trotzdem hängt sehr viel Kommunikation daran. Foto: Margit Brand

Eigentlich müssen alle, die in einer Kommune unter die Erde gehen wollen – und sei es mit einer Sonde wie bei Probebohrungen – eine so genannte Aufbruchanzeige im Rathaus stellen, wie Bürgermeister Klaus Besser erläutert. Etwa 20 Aufbruchanzeigen gehen jede Woche ein. Dabei müssen alle einen Blick in die entsprechenden Baupläne werfen – um nämlich genau das zu vermeiden, was passiert ist: eine Leitung zu zerstören. Denn Gas, Strom, Wasser und eben Telekommunikation liegen unter den Bürgersteigen.

„Und insbesondere an der Bahnhofstraße. Sie ist die Nabelschnur von Steinhagen“, sagt Klaus Besser wegen der Dichte der Leitungen dort. Was ihn gewundert habe, wie er sagt, sei, dass es keine Umleitungsmöglichkeiten gab. „Wenn bei Erdarbeiten eine Starkstrom- oder eine Gasleitung getroffen würde, dann würde man die Strecke abbinden und umleiten. Aber hier fehlte der Backbone.“

Bürgermeister Klaus Besser

Dass die Bürger nun auf Surfen im Internet für zwei Tage verzichten mussten, hält er nicht für das Schlimmste: „Aber wie teuer wird es, wenn Internet-Geschäfte von Firmen über zwei Tage nicht laufen können? Und wie lebensgefährlich kann es sein, wenn Notrufsysteme von Pflegebedürftigen oder von Patienten, die per Telemedizin überwacht werden, nicht mehr funktionieren?“

Teuer ist der Ausfall der ans Internet gekoppelten EC-Kartenzahlung in jedem Fall für den Markant-Markt geworden. Inhaber Thomas Uhlemeyer spricht von Umsatzeinbußen von 20 bis 25 Prozent, vor allem am Samstag. Zudem hätten verärgerte Kunden, die zu spät auf den EC-Zahlungs-Ausfall aufmerksam wurden, vollgeladene Einkaufswagen einfach stehen lassen. Lotto war nicht betroffen – „solange man bar bezahlen konnte“, so Uhlemeyer.

Wieder mehr in bar bezahlt

Der Aldi hatte laut einer Sprecherin keine Probleme. Im Edeka fiel zwar eine Kasse aus, an den anderen war mit Verzögerungen oder Umwandlungen in EC-Lastschriftverkehr auch bargeldloses Bezahlen möglich, wie Marktleiterin Monika Jäger sagte. Indes waren die Kunden dort offenbar auch gut informiert und präpariert. „Viel mehr Kunden als üblich haben bar bezahlt.“ Der Defekt an der Telekomleitung machte sich auch im Büro des Edeka bemerkbar, wo sich der E-Mail-Verkehr für Lieferungen und Bestellungen erheblich verzögerte.

Und auch die Landwirtschaft war zwei Tage lang offline. Auf dem Hof Düfelsiek laufen die Alarmfunktionen für Biogasanlage und Schweinestall über Internet. Der Stall weist zusätzlich ein akustisches und optisches Notfallsignal auf. „Dann geht man mal eine Kontrollrunde extra und steuert die relevanten Funktionen der Biogasanlage per Hand“, nahm Jörg Düfelsiek den Ausfall gelassen. Er sagt aber auch: „Ich hoffe, dass nach diesem Erlebnis eine Redundanz aufgebaut wird. Für den Notfall.“

Aber so eine zusätzliche Einheit, in diesem Fall eine zweite Leitung, ist laut Telekom nicht üblich. „Es wird immer geprüft, ob Ersatzschaltemaßnahmen möglich sind. Aber hier musste man in die Erde hinein und ein neues Kabel verlegen“, so eine Sprecherin. Dass Telekomkabel bei Erdarbeiten beschädigt werden, kommt ihren Angaben zufolge öfter vor.

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