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Das Matthias-Claudius-Haus wird 40: Interview mit Leiterin Sabine Weitzel

»Die Vernetzung weiter ausbauen«

Steinhagen (WB). Die immer älter werdende Gesellschaft, ständig steigende gesetzliche Vorgaben, Diskussionen um Pflegekosten – die Herausforderungen an eine stationäre Einrichtung wie das Steinhagener Matthias-Claudius-Haus sind immens. Doch Leiterin Sabine Weitzel sieht die Einrichtung, die jetzt ihr 40-jähriges Bestehen feiert, gut aufgestellt. »Das Haus ist als innovative Einrichtung gebaut worden, und diese Tradition wollen wir fortsetzen«, sagt sie im Interview mit WB-Redakteurin Annemarie Bluhm-Weinhold.

40 Jahre Matthias-Claudius-Haus: Leiterin Sabine Weitzel will die Tradition der Innovation fortsetzen. Foto: Bluhm-Weinhold

40 Jahre Matthias-Claudius-Haus, seit vier Jahren leiten Sie diese Einrichtung. Was haben Sie in dieser Zeit erreicht? Welche Maßnahmen sind abgeschlossen worden?

Sabine Weitzel: Wir haben zum Beispiel im vergangenen Jahr umgebaut, Wohnbereiche umgestaltet, vor allem, um Orientierung für Demenzkranke zu schaffen. So haben wir prägnante Bilder aufgehängt und Farben für die Flure gewählt, die auffallen. Wir haben nach einigen Wechseln jetzt ein kontinuierliches Wohnbereichsleitungsteam und eine kontinuierliche Pflegeleitung. Durch ein gemeinsames Team ist Ruhe eingekehrt. Wir haben auch die Einzelzimmerquote vorbereitet.

Die Einzelzimmerquote ist ja eine gesetzliche Vorgabe...

Weitzel: Sie ist zum 1. August 2018 umzusetzen. Wir sind startbereit. Wir reduzieren die Plätze von 115 auf 101. Bisher hatten wir 31 Doppel- und 53 Einzelzimmer, demnächst sind es 17 Doppel- und 67 Einzelzimmer.

Aber der Umbau des Matthias-Claudius-Hauses geht ja noch weiter...

Weitzel: Das Johanneswerk nimmt viel Geld aus der eigenen Tasche und bekommt Zuschüsse vom Kreis und Landschaftsverband für Umbauten wie ebenerdige Badezimmer, den Ausbau der Gemeinschaftsräume in den Wohnbereichen zur Stärkung der Hausgemeinschaften. Wir bekommen neue Fußböden, neue Elektrik – sprich: Das Haus wird auf den Stand der Zeit gebracht.

In Sachen Demenz ist das Matthias-Claudius-Haus jüngst häufiger in Erscheinung getreten durch die Lokale Allianz. Wie ist da Stand der Dinge?

Weitzel: Das Projekt mit Fördermitteln des Bundes endet im August. Aber wir haben mit den Partnern noch weitere Veranstaltungen geplant. Das Thema wird uns weiter begleiten.

In der Lokalen Allianz treffen sich Schulen, Kitas, die Spvg. und die Senioren

Wer gehört zu dem Netzwerk dazu?

Weitzel: Das sind zum Beispiel die Gemeinde, die Kindergärten, Diakonie, der Verein Daheim, das Gymnasium, die Freikirche, die Sportvereinigung, die Georg-Müller-Schule...

Sie haben immer betont, dass mit dem Projekt das Lebensumfeld von Demenzkranken und ihren Angehörigen dauerhaft verbessert werden soll. Ist das Projekt gelungen?

Weitzel: Auf jeden Fall. Wir konnten viele erreichen, die mit dem Thema Demenz wenig Berührung hatten, und sie sensibilisieren. Wir haben viele zusammengebracht. Ein Beispiel ist Jan-Henning Foh, der mit dem Waldbad-Kindergarten und unseren Bewohnern Chorarbeit macht.

Das Festprogramm

40 Jahre Matthias-Claudius-Haus werden an diesem Samstag von 15 Uhr an beim Sommerfest gefeiert. Da gibt es viel Programm mit der Kita Waldbad und Musiker Jan-Henning Foh, Auftritten der Tanzschule Tina Dröge, des Männerchores Amshausen, der Tanzgruppen von Helga Fischer – und der Irish-Folk-Band Broken Bread. Es gibt Spielstände, eine Ausstellung und viel zu essen.

Wie geht es weiter mit dem Projekt?

Weitzel: Jetzt kommt der nächste Strang: Wir sind das Pilotprojekt für die Region Bielefeld-Gütersloh im Johanneswerk für die Quartiersentwicklung. Das Johanneswerk ist Mitglied im Netzwerk SONG (Soziales neu gestalten). Das Netzwerk hat sich mit dem Thema quartiersnaher pflegerischer Versorgung beschäftigt und dazu Konzepte entwickelt.

Vernetzt sein in die Nachbarschaft

Was heißt das konkret?

Weitzel: Elemente der quartiersnahen Versorgung sind Angebote der Pflege und Betreuung vom ambulanten Angebot bis zur vollstationären Versorgung. Wir bieten vollstationäre Pflege mit teilweise Schwerpunkt Demenz, Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Wir haben eine ambulante Wohngruppe mit drei Plätzen für jüngere Männer aufgebaut, einen Betreuungsgruppe mit zwölf Plätzen und einen Gesprächskreis für pflegende Angehörige ins Leben gerufen. Angegliedert sind die Altenwohnungen und den Treffpunkt, den Julia Brenko leitet. Sie wird ausgebildet zum Quartiersmanager und wird sich um den Schwerpunkt der Bündelung von Nachbarschaftsinteressen kümmern, also Ansprechpartner für die Hilfe zur Selbsthilfe sein, die Unterstützung von Nachbarschaftsinitiativen etwa durch eine Internetplattform oder einen kleinen Laden für die täglichen Bedürfnisse.

Da schließt sich ja der Kreis. Das Mattias-Claudius-Haus ist vor 40 Jahren angetreten mit dem Gedanken, sich in der Gemeinde zu vernetzen...

Weitzel: Das Haus ist als innovative Einrichtung gebaut worden und diese Tradition wollen wir mit der geplanten Entwicklung fortsetzen. Die Grundstrukturen zur Vernetzung sind damals schon mit dem Bau des Treffpunktes mitgeschaffen worden. Diese Strukturen wollen wir jetzt gemeinsam weiter ausbauen. Unsere Lokale Allianz heißt: Gemeinsam mit anderen Akteuren von Pflegeangeboten schaffen wir ein Umfeld in Steinhagen in dem die Menschen in der Gemeinde individuell alt werden können, egal mit welchen Einschränkungen.

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