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WESTFALEN-BLATT-Serie zu Steinhagens Mitte: Bürgermeisterin Sarah Süß

„Die vorhandenen Läden fördern“

Steinhagen

Wie geht es weiter im Steinhagener Ortskern? Der Einzelhandel schwindet, sagen viele Experten, die Rede ist von mehr Wohnflächen im Zentrum, von Vielfalt mit Gastronomie, Kultur und Arbeiten. Das WESTFALEN-BLATT beleuchtet das Thema derzeit in Form einer Serie. In dieser Folge antwortet Bürgermeisterin Sarah Süß auf die Frage: Was braucht Steinhagen?

Annemarie

„Eine gesunde Mischung“, sagt sie. „Fußgängerzonen mit ausschließlich Einzelhandel wird es nicht mehr geben. Aber den Einzelhandel, den wir haben, sollten wir erhalten und fördern“, sagt sie. Dabei verweist sie auch auf Betriebe mit Alleinstellungsmerkmalen wie die Goldschmiede und die Kaffeerösterei, letztere nicht im Ortskern angesiedelt. Aber anhand dieser Beispiele geht es Sarah Süß um das Prinzip: „Dort bekomme ich etwas Besonderes und habe einen guten persönlichen Kontakt. Das macht den Ortskern lebenswert.“ Da kann man auch noch weitere Läden aufzählen.

Am Beispiel des jüngst geschlossenen Spielzeug- und Haushaltswarengeschäfts Sieker – „das war ein Schlag“, so Süß – stellt sich für sie zudem die Frage nach Unterstützung auch durch die Kommune bei der Suche nach Nachfolgern. Dafür müsse ein Netzwerk aufgebaut werden.

Und auch bei der Ausrichtung von Festen sieht die Bürgermeisterin die Verwaltung noch stärker in der Verantwortung. Zumal mit dem Weggang von Peter Krebs aus dem „Graf Bernhard“ auch der bisherige Hauptorganisator vom Köchemarkt und Weinfest nicht mehr vor Ort ist. Irgendwann nach der Pandemie wird es wieder Feste geben im Steinhagener Ortskern. „Auch wenn man im Moment einfach nicht weiß, ab wann man wieder seriös planen kann“, so Süß.

Und das betrifft auch ein Projekt, für das die Gemeinde in den kommenden Jahren 211.000 Euro an Fördermitteln vom Land erhält. Die „Dritten Orte“, die Stärkung des Ortskerns als ein Zentrum des Wohlfühlens, Genießens und Kulturerlebens, bezeichnet die Bürgermeisterin als „Riesenchance“. Die Kombination der Akteure – namentlich die Verwaltung, die Perus-Immobiliengesellschaft als Verwalterin der Räume im Schlichte-Carree und die Ehrenamtlichen des neuen Vereins „Kultur vor Ort“ – ist das eine. Die Einrichtung einer auf drei Jahre befristeten Projektstelle, die für die Vernetzung aller Akteure und Veranstaltungen zuständig ist, das ist das andere, das an dieser Stelle der Gemeinde Möglichkeiten der strukturelle Ortskernentwicklung gibt.

Immer wieder geht es um Vernetzung: „Ziel in Steinhagen ist es, dass sich die Akteure, die es gibt, wieder organisieren. Das muss aber einer in die Hand nehmen“, sagt Sarah Süß und sieht in dieser Rolle die Verwaltung. Viel stärker als das bisher der Fall war – auch mit Blick auf die Geschäftswelt. Seit 2012 gibt es keine Interessen- und Werbegemeinschaft mehr. Könnte es also wieder eine geben ?

Und auch mit den Eigentümern der Immobilien im Ortskern will die Bürgermeisterin in Kontakt in puncto Investitionen treten. „Ich möchte noch mal alle an einen Tisch holen und gemeinsam überlegen, welche Möglichkeiten es gibt.“ Es gehe um Ortskernvernetzung, betont sie.

„Wir können nicht beeinflussen, dass sich Einzelhandel ansiedelt“, sagt die Bürgermeisterin. „Aber wir können viel ermöglichen, wenn es jemand möchte.“ Leerstände vermeiden, das ist das wohl wichtigste Anliegen – und dafür ist der Bürgermeisterin das Zusammenspiel von einem kulturellen Angebot für alle Generationen, Einzelhandel, der etwas Besonderes bietet, und Gastronomie wichtig. „Wir brauchen Menschen, die im Ortskern leben und arbeiten.“

Vom Wandel zum Online-Handel ist allenthalben die Rede. Doch die Bürgermeisterin betont auch „einen Wandel zur Wertschätzung der Akteure vor Ort“. Dabei spiele die Online-Sichtbarkeit eine große Rolle. Da müssten nach Ansicht von Sarah Süß kommunale Stellen Hilfe leisten. So verweist die Bürgermeisterin etwa auf die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Gütersloh ProWi: „Dort gibt es gute Angebote. Mein Ziel ist es, dass diese auch bei den Leuten vor Ort ankommen.“

Und es gibt zudem die von der CDU angestoßene Debatte über die Digitalisierung und eine App für Steinhagen, die alle Angebote und Informationen bündeln soll. „Ein spannendes Thema“, sagt die Bürgermeisterin: „Ich finde auch, dass es eine Plattform geben muss. Bisher aber gibt es kaum Produkte, die erfolgreich laufen. Wir wollen uns damit eingehender beschäftigen, und deshalb laden wir einen Fachmann in den Ausschuss ein.“

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