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Anwohner-Idee zur Lärmminderung in Steinhagen

»Die Wand weiterziehen bis zum Wald«

Steinhagen (WB). 170 Meter wohnen Prof. Burkhard Egelkamp und seine Ehefrau Carla von der A33 entfernt. Den Anwohnern am Jückemühlenweg fallen vor allem die Lärmspitzen auf. Deshalb schlägt der promovierte Ingenieur vor: die Lärmschutzwand auch jenseits des Upheider Weges in Richtung Künsebeck weiterbauen.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Messen Schall und Feinstaub der Autobahn: Carla und Burkhard Egelkamp. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Denn dort, wo am Hilterweg Felder und Wald sind, gibt es bisher nur einen drei bis vier Meter hohen Wall – und den auch nur, weil ihn die Gemeinde finanziert hat. Ausgerechnet von dort breitet sich aber bei nordöstlicher Windrichtung der Autobahnlärm noch stärker über das Wohngebiet nördlich der Patthorster Straße aus.

Das dauerhafte Grundrauschen ist das eine: »Richtig störend sind aber bestimmte Frequenzen, verursacht durch einzelne, extrem laute Motorräder und durch laute Lkw«, sagt der Steinhagener. Von seinen Kollegen im Fachbereich Akustik an der Hochschule in Osnabrück hat sich Burkhard Egelkamp ein Messgerät ausgeliehen, das ihm im Garten häufig Werte im Grenzbereich von 59 dBA und vor der Haustür auch mitunter über 70 dBA anzeigt.

Ständiges Klackern durch Dehnungsfuge

Neben den extremen Fahrgeräuschen der Motorräder und Lkw ist es vor allem das Klackern der Dehnungsfuge, wenn die Fahrzeuge über die Jückemühlenbachtalbrücke fahren. Die Dehnungsfuge sei zu groß, so Egelkamp: »Mit Füllmaterial oder in einer anderen Ausführung wäre das besser.«

Burkhard Egelkamp war vor seiner Berufung an die Hochschule mehr als 20 Jahre Geschäftsführer eines Autozulieferers: »Schon deshalb würde ich nie gegen die Autobahn klagen, aber sie nervt schon gewaltig.« Für ihn ist die A33 eine Fehlplanung: »Der Skandal für Steinhagen sind die Trasse und die Auffahrt mitten im Ort.« Clara Egelkamp hat 2004 bei der Offenlegung der Pläne eine Einwendung gegen Lärmschutz und Trassenführung gemacht.

Tempolimit keine Lösung

»Wir wussten ja, worauf wir uns einlassen, als wir hier gebaut haben. Aber dass der Lärm so heftig würde, hätten wir nicht erwartet«, so Egelkamp. Ein Tempolimit wäre für ihn keine Lösung: »Sicherlich würde es etwas bringen, wenn Lkw 60 und Pkw 100 führen. Aber wir haben die Autobahnen, um schnell von A nach B zu kommen.«

Noch ist die Autobahn nicht durchgebaut. »Der Verkehr ist noch harmlos.« Und ebenso wie die Lärmwerte behalten die Egelkamps die Schadstoffe im Blick. Sie haben die »Sensebox« im Garten installiert – ein System eines Münsteraner Geoinformatikers, das auf Streulichtbasis auch Feinstaub misst. »Die Werte liegen derzeit weit unterhalb der Grenzwerte von 40 Mikrogramm«, so Egelkamp. Das mag sich ändern, wenn der Verkehr mehr wird. Einen heftigen Ausschlag hat er schon registriert: Als überall die Osterfeuer brannten, schnellte die Kurve auf über 200 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft hoch.

Gutachter in den Ausschuss einladen

Der Bauausschuss hat beschlossen (WB vom 5. Mai) selbst noch einmal Gutachter mit der Ermittlung von Lärmdaten zu beauftragen. Doch erst einmal soll ein Fachmann in den Ausschuss eingeladen werden, damit weiter fundiert beraten werden könne, sagte Bürgermeister Klaus Besser dem WESTFALEN-BLATT. Denn ein Vorgespräch sei ernüchtern gewesen.

Etwa wegen der Gesetzeslage. Das Bundesimmissionsschutzgesetz geht nicht von Lärmspitzen, sondern von Mittelwerten, über einen Zeitraum gerechnet, aus: »Dabei spricht viel dafür, dass die Grenzwerte unterschritten werden, zumal im Moment noch nicht die volle Verkehrsbelastung vorhanden ist«, so Besser. Es sieht auch nicht die Bildung von Summenpegeln vor, es wird also so getan als gebe es keine anderen Geräusche. »Im Ergebnis würden bei Messungen 20.000 bis 30.000 Euro ausgegeben, ohne etwas erreichen zu können«, so Besser. Daher also erst weitere Beratung. Der Gutachter könnte aber auch Tipps geben, wie Bürger ihre persönliche Situation verbessern können, so Besser.

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