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Realschüler aus Steinhagen berühren das Publikum mit ihrer Aufführung

Die »Welle« rollt unaufhaltsam

Steinhagen (WB). Es ist das fehlende weiße T-Shirt, das die beliebte Schülerin Karo von einem Tag auf den anderen zur Außenseiterin werden lässt. Tim hingegen scheint zum ersten Mal von seinen Mitschülern beachtet zu werden – und all das nur wegen der »Welle«, die durch die Aula des Schulzentrums schwappte.

Sara Mattana

An zwei Abenden hat die Theatergruppe der Realschule das Stück »Die Welle« aufgeführt und gezeigt, wie schnell eine gefährliche Massenbewegung entstehen kann. Das Ende ist beklemmend, zumal zusätzliche Dramatik eingebaut wurde. Foto: Sara Mattana

Als harmloses Experiment im Rahmen der Projektwoche nimmt die Bewegung ihren Lauf und spitzt sich zusehens zu. Doch eine Diktatur ist doch heute gar nicht mehr möglich, oder? Um diese Frage dreht sich die diesjährige Aufführung der Theatergruppe der Realschule. Statt sich jedoch an die klassische Buchvorlage zu halten, bringen die Zehntklässler unter der Leitung von Lehrer Marc Beckamp ihre eigene Version auf der Grundlage des 2008 erschienenen Films auf die Bühne.

Aus dem Ruder gelaufen

So schlüpft anstelle von Jürgen Vogel Juline Gehring in die Rolle des ambitionierten Lehrers Reiner Wenger und setzt die »Welle« in Bewegung. Rasend schnell entwickelt sie sich jedoch zum Selbstläufer und spätestens, als die Mitglieder anderen Kindern den Zutritt zur Schule verwehren, scheint das Experiment aus dem Ruder gelaufen zu sein.

Die von Ricarda Simon verkörperte Karo bekommt dies am eigenen Leib zu spüren: Sie weigert sich, ein weißes Hemd zu tragen und verliert dadurch nicht nur die Hauptrolle beim Schultheaterstück, sondern auch ihren Freund Marco (Luis Mateus Roque).

Alles ist gut?

Ist eine Diktatur heute also wirklich nicht mehr möglich? Für die Mitglieder der Welle besteht kein Zweifel: Durch die »Welle« hat sich ihr Leben zum Positiven verändert – dass sie sich durch das Besprühen der Stadt mit dem Welle-Logo strafbar machen und eine Massenschlägerei in der Schwimmhalle auslösen, scheinen sie zunächst zu vergessen.

Und vor allem Außenseiter Tim (Tatii Hess) kann nicht glauben, dass mit der Projektwoche auch die »Welle« enden soll. Schließlich hat die Bewegung sein Leben völlig auf den Kopf gestellt: Er wird von den beliebten Schülern verteidigt und wird endlich zu den großen Partys eingeladen.

Dramatik zum Schluss

»Wir haben das Ende etwas dramatischer gestaltet«, hat Lehrer Marc Beckamp bereits im Vorfeld angekündigt. Und so ist es am Ende der laute Schuss aus Tims eigener Pistole, der sein Leben beendet und das Publikum in der voll besetzten Aula zusammenzucken lässt.

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