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»Smartphone-Doc« Julian Wegmann bietet in Steinhagen einen Reparaturservice für Handy & Co. an

Dieser »Doktor« operiert ohne Maske

Steinhagen  (WB). Viren sind für seine »Patienten« weniger das Problem, hier geht es eher um ausgeleierte Akkus oder zerstörte Displays. Die meisten seiner Kunden können es sich nicht leisten, auf ihr fast schon zum Körperteil gewordenes Smartphone längere Zeit zu verzichten – vor allem wenn sie beruflich darauf angewiesen sind. Deswegen versucht Julian Wegmann, mit seinem Reparaturservice möglichst die 24-Stunden-Frist einzuhalten.

Johannes Gerhards

Der „Smartphone-Doc“ mobil: Einige Wochen lang, als sein Laden geschlossen war, hat Julian Wegmann seinen Kunden einen Hol- und Bringdienst angeboten. Dieser läuft nun langsam aus, das Laden an der Haller Straße ist wieder geöffnet.         Foto: Johannes Gerhards

»Ganz so einfach ist das im Moment nicht, weil viele Ersatzteile aus China kommen und aktuell schwer zu beschaffen sind«, sagt der »Smartphone-Doc«. Sein kleines Ladenlokal an der Haller Straße 59 ist jetzt nach einigen Wochen coronabedingter Schließung wieder geöffnet. Julian Wegmann und seine Frau Charlotte hatten unterdessen einen Hol- und Bringdienst angeboten. »Direkten Kundenkontakt konnten wir so vermeiden«, so Julian Wegmann.

Bargeldlose Zahlung und Kommunikation über Whats App, Telefon oder Messengerdienste gehören für ihn inzwischen zum Alltag. Als Start-Up-Unternehmer hat er in der Coronakrise wegen einschneidender Umsatzrückgänge die vom Staat angebotenen Soforthilfen in Anspruch genommen und seine beiden Mitarbeiter bis auf weiteres in Kurzarbeit geschickt. »Statt 35 Kunden pro Tag kamen nur noch drei bis vier, das war wirtschaftlich nicht tragbar.“

Und als ob die Krise nicht schon genug wäre: Bereits zum dritten Mal ist in der vergangenen Woche bei ihm eingebrochen worden. Einige wertvolle Neugeräte aus der Ausstellung wurden gestohlen – „keine Kundengeräte; die sind immer eingeschlossen“, so Wegmann. Doch die Einbrecher handelten mit Brachialgewalt. Und so beklagt Wegmann nun einen weiteren wirtschaftlichen Schaden.

Geschäfte laufen wieder an – Laufkundschaft fehlt noch

Nach dem Lockdown laufen die Geschäfte jetzt so langsam wieder an. Indes: Es fehlt noch die Laufkundschaft. „Die ist wichtig für uns, denn nur von der Reparatur könnten wir nicht leben. Wir brauchen auch den Verkauf von Geräten und Accessoires“, sagt er – und plädiert dafür, nicht bei den Internet-Riesen zu bestellen, sondern vor Ort zu kaufen: „Sonst gibt es die kleinen Läden bald nicht mehr.“

Die Kernkompetenz seines Dienstleistungsbetriebes liegt zu 80 Prozent bei der Reparatur von Smartphones. Meist handelt es sich um Akkuwechsel oder defekte Displays. »Inzwischen haben wir den geeigneten Maschinenpark mit Laserschneider und sind technologiemäßig soweit vorne dabei, dass wir auch nur das Glas ersetzen können« betont der Hardware-Spezialist. Diesen Service bietet er unter der Webadresse www.smado.eu bundesweit an.

„Reparieren statt Wegwerfen“ lautet die Devise

Seit 2016 ist Wegmanns Unternehmen Mitglied der Initiative »FairCommerce«. Er selbst sieht es als sozialen Auftrag an, nach der Devise »Reparieren statt Wegwerfen« zu handeln und kritisiert Menschen, die lieber 500 Euro für ein neues Gerät ausgeben, anstatt das ältere Modell für 300 Euro reparieren zu lassen. »Gerade ansonsten grün ausgerichtete Menschen blenden wohl die problematische Lage vieler Kinder in den Kobaltminen aus«, vermutet Julian Wegmann. Nach Möglichkeit erfüllt er auch ausgefallene Kundenwünsche, allerdings sei die Reparatur eines alten Nokia 3210 irgendwann auch nicht mehr wirtschaftlich.

Eine Pandemie elektronischer Viren schließt er zumindest für Apple-Produkte weitgehend aus. Höchstens bei illegalen »Jailbreaks« könne man sich solche Schadprogramme einfangen. Bei allen Reparaturmaßnahmen garantiert der Smartphone-Doc wie seine Kollegen den Schutz vor Datenverlust. Bilder, Kontakte, Videos und Apps bleiben, da wo sie sind. Das Gerät muss für die Reparatur nicht auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden, und Techniker haben keinen Zugriff auf die privaten Daten.

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