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Auftakt mit Natascha Wodin: Gemeindebibliothek Steinhagen und AK Asyl laden zur neuen Lesereihe ein

Drei Autoren, drei „Heimaten“

Steinhagen  (WB). Eigentlich hätte die bekannte und prominente Literatin das Finale bestreiten sollen. Doch in Zeiten von Corona hat sich auch die Lesereihe „Heimaten“ der Gemeindebibliothek Steinhagen und des Arbeitskreises Asyl verzögert – und somit bestreitet Natascha Wodin den Auftakt. Am Donnerstag, 3. September, 19 Uhr liest die Autorin aus ihrem Buch „Sie kam aus Mariupol“, das unter anderem mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden ist. Ob die Veranstaltung in der Gemeindebibliothek am Kirchplatz 26a oder in der Aula des Schulzentrums stattfindet, hängt vom Vorverkauf der Eintrittskarten und damit von der Zuhörerzahl ab. Der Ratssaal, ursprünglich geplant, steht nicht zur Verfügung.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Mit Natascha Wodin und dem Buch „Sie kam aus Mariupol“ machen Bibliotheksleiterin Manuela Heinig und AK-Asyl-Sprecher Wolfgang Groß den Auftakt zur neue Reihe. Foto:

Natascha Wodin erzählt in dem Werk die Geschichte ihrer Mutter, die als ukrainische Zwangsarbeiterin 1943 nach Deutschland verschleppt wurde. Gegenüber ihrer Tochter, 1945 in Fürth geboren, schwieg sie über das, was sie erlebt hatte, und brachte sich um: „Die Tochter hat sich auf Spurensuche begeben, um herauszufinden, was ihre Mutter ihr nicht erzählt hat“, sagt Manuela Heinig.

Ständig verfolgt

Drei Autoren beschäftigen sich in der Veranstaltungsreihe mit dem Thema Heimat und mit Fragen wie: Wo komme ich her? Was macht mich aus? Teil zwei ist am Donnerstag, 8. Oktober, 19.30 Uhr in der Gemeindebibliothek. Dogan Akhanli, 1957 in der Türkei geboren, seit 1992 als freier Autor in Köln ansässig. Aber dennoch wird er ständig verfolgt – zuletzt machte seine Verhaftung 2017 während eines Spanienurlaubs Schlagzeilen. Die Türkei forderte seine Auslieferung, die letztlich verweigert wurde. Er konnte nach Köln zurückkehren. „Seine Bücher werden in der Türkei veröffentlicht, und dennoch wird er verfolgt“, weist Wolfgang Groß, Sprecher des Arbeitskreises Asyl auf eine paradoxe Situation hin.

In Steinhagen wird Dogan Akhanli aus seinem Buch „Madonnas letzter Traum“ lesen. Er greift darin eine türkische Novelle auf, wie Groß erklärt, und schreibt sie anders fort. „Es ist ein verrücktes Buch, das insgesamt drei Erzählebenen hat“, so Groß. Die Thematik rankt sich um Exil und Vertreibung – und bietet eine interessante Perspektive auf die deutsche Geschichte.

Verdrängen und Verleumden selbst im Privaten

Dritte im Bunde ist Ines Geipel, 1960 geboren, ehemalige DDR-Leistungssportlerin und Geschädigte des organisierten Dopings, außerdem Tochter eines Stasi-Agenten. Die ehemalige Weltklasse-Sprinterin floh 1989 nach ihrem Germanistikstudium aus Jena nach Westdeutschland und studierte in Darmstadt Philosophie und Soziologie. Heute ist Ines Geipel Schriftstellerin und Professorin für Verssprache an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“. In der Gemeindebibliothek Steinhagen liest sie am Donnerstag, 28. Januar, 19.30 Uhr aus ihrem 2019 veröffentlichten Buch „Umkämpfte Zone: Mein Bruder, der Osten und der Hass“. Thema ist das Verdrängen und Verleugnen, das die Gesellschaft in der DDR bis ins Privateste prägte. So erfuhr Ines Geipel erst Ende der 1990er Jahre aus den Stasi-Akten von der verheimlichten Tätigkeit des Vaters als Terroragent. Der Großvater war NS-Funktionär in der SS.

Die Lesereihe „Heimaten“ wird mit Fördergeldern des NRW-Ministeriums für Heimat, Kommunales, Bauen und Gleichstellung unterstützt. Eintrittskarten für die Lesung mit Natascha Wodin sind in der Bibliothek erhältlich, für die anderen beiden Veranstaltungen kann man sich aber auch schon anmelden.

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