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Corona und gebrochener Fuß: Doch Dünya Kirbas will ihr Lokal durch die Krise bringen

Eine Wirtin kämpft sich durch

Steinhagen  (WB). Corona, das bedeutet gerade für die Gastronomie einen harten Kampf in diesem Jahr – „vor allem, wenn man nur ein kleines Lokal hat“. Das meint jedenfalls Dünya Kirbas. Die Gastwirtin betreibt am Steinhagener Marktplatz „Dünyas Brasserie“. Doch trotz aller Schwierigkeiten will sie nicht aufgeben. Obwohl sie die Corona-Zeit doppelt getroffen hat.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Die Kirschen köcheln im Topf, der Teig ist vorbereitet: Dünya Kirbas ist beim Kuchenbacken. Die Steinhagenerin backt nicht nur selbst, sondern bietet auch einen Mittagstisch an, vor allem deutsche Hausmannskost steht auf der Karte. Foto: Bluhm-Weinhold

Fast zeitgleich mit dem Lockdown im März hat sich die Steinhagenerin den Fuß gebrochen. „Ich war fast drei Monate weg. Ich konnte nicht lange stehen und deshalb auch kein Essen im Außer-Haus-Service anbieten“, sagt Dünya Kirbas.

Niemand hätte einspringen können: Ihre Familie arbeitet – auch Ehemann Atila. „Deshalb habe ich auch keine Soforthilfe beantragen können, denn mein Mann hat ja Geld verdient“, sagt die Wirtin. Indes laufen die Kosten für das Lokal weiter –auch wenn man selbst krank im bett liegt“. Miete, Strom, Nebenkosten, die Ausgaben für die Lebensmittel: Auf fast 10.000 Euro beziffert sie diese. „Man hat ganz schön zu kratzen“, sagt Dünya Kirbas. Und sie weiß: „Sollte es noch einen Lockdown geben, müsste ich den Laden für immer schließen.“

Weniger Plätze, keine Feiern mehr

Doch soweit ist es nicht, und Dünya Kirbas will für ihr Lokal weiterkämpfen – auch wenn sie jetzt wegen der Corona-Abstandsregelungen statt 30 nur 15 Plätze anbieten kann und Veranstaltungen wie der AWO-Seniorennachmittag ebenso wie Familienfeierlichkeiten abgesagt sind. Im Sommer kamen ihr die Plätze draußen vor der Tür auf dem Marktplatz noch zugute. Doch das Heidefest ist schon ausgefallen. Und eigentlich sind die Kirbas’ beim Weihnachtsmarkt immer mit einem eigenen Stand auf dem Fivizzanoplatz vertreten. Der Weihnachtsmarkt ist für dieses Jahr ebenfalls gestrichen – auch diese Einnahme fällt also weg.

„Großes Dankeschön an die Stammgäste“, sagt Dünya Kirbas. Denn sie halten das Lokal am Leben. Von 9 bis 16 Uhr, donnerstags, wenn Wochenmarkt ist, auch bis 18 Uhr hat Dünya Kirbas geöffnet, bietet Frühstück ebenso wie Kaffee und Kuchen und einen Mittagstisch mit wochenweise wechselnder Karte. Die Gastronomin, die gebürtig aus der Türkei stammt, hat sich der deutschen Hausmannskost verschrieben, bereitet Wirsingrouladen ebenso zu wie Königsberger Klopse.

Alle Einnahmequellen ausschöpfen

Viele ihrer Gäste, vor allem ältere, holen wegen Corona derzeit ihr Mittagessen nur im Lokal ab und essen zu Hause. Ihre Torten und Kuchen bietet Dünya Kirbas ebenfalls zum Außerhaus-Verkauf an. „Ich versuche, alle Einnahmequellen auszuschöpfen“, sagt sie.

Seit 17 Jahren ist sie mit ihrer Brasserie am Steinhagener Marktplatz zu Hause – und will es auch bleiben. Obwohl sie im Internet die Fühler nach einem Nachfolger ausgestreckt hat. Das hat, wie Dünya und Atila Kirbas schildern, aber eher eine unverbindliche und längerfristige Perspektive. Aber die Corona-Krise war nach Auskunft von Atila Kirbas schon ein Grund, den Blick auf eine mögliche Nachfolge zu legen. Zudem sind die Eltern von Dünya Kirbas, die in Bielefeld leben, betagt und pflegebedürftig. Auch das hat die Wirtin noch zu stemmen. „Falls wir mal schließen sollten, dann nicht von heute auf morgen. Schließlich sind wir unseren Stammgästen verpflichtet“, sagt Dünya Kirbas – und fasst zusammen: „Ich bin zwar nicht reich geworden, aber ich habe viele nette Gäste, und ich habe deutsche Küche gelernt.“

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