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Realschüler schaffen Installation für die Gedenkstätte Wewelsburg

Entmenschlichung und Freiheitsdrang zeigen

Steinhagen (WB/anb). 20 Holzfiguren symbolisieren die Häftlinge, hunderte Kraniche ihre Sehnsucht nach Freiheit: 15 Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse der Realschule Steinhagen fertigen derzeit eine Installation für den Gedenktag in Wewelsburg. Am 2. April soll, wie in jedem Jahr, an die Befreiung des dortigen Konzentrationslagers erinnert werden. Und den Steinhagener Realschülern kommt dabei eine wichtige Rolle zu.

Eine Installation entsteht: Mit Mika Springwald (vorne Mitte) haben die Realschüler und ihre Lehrer Holzfiguren als Graffiti geschaffen und Kraniche gefaltet. Foto: Bluhm-Weinhold

Seit Jahren veranstalten Lehrer Christoph Kolbe und seine Kollegin Christina Nowak mit Freiwilligen aus dem Abschlussjahrgang das »Projekt Wewelsburg«. Außerhalb der normalen Unterrichtszeit treffen sie sich dazu. Zwei Projekttage zum geschichtlichen Hintergrund sind vor Ort im Museum und der Gedenkstätte im Ort Wewelsburg, wo von 1939 bis 1945 ein KZ war. Dessen Häftlinge waren bis zu 3900 Zwangsarbeiter aus Osteuropa, politisch Verfolgte und Zeugen Jehovas. Sie sollten die Wewelsburg zur SS-Burg ausbauen. Viele von ihnen starben.

Künstlerisch aktiv

In weiteren Projekttagen beschäftigen sich die Jugendlichen in der Schule mit dem Rechtsextremismus heute und Formen des Rassismus’ im Alltag. Zudem werden sie immer künstlerisch aktiv. Dazu ist Mika Springwald, Sozialarbeiter und Graffiti-Künstler an die Schule gekommen. Bereits zweimal hat er mit Steinhagener Realschülern gearbeitet. Diesmal wartet ein besonderes Projekt, das von der Gedenkstätte beauftragt ist: eine Installation für die Gedenkfeier schaffen. Mit den Schülern hat er die Entwürfe gemacht. Nun wurden 20 Figuren aus Holzplatten ausgesägt und in der Stencil-Technik (Schablonen-Technik) mit Farbe besprüht – alle einheitlich, um die Entmenschlichung des Individuums durch die Nazis zu zeigen. Die Figuren werden an einem Drahtgeflecht, das ihr Gefängnis symbolisiert, befestigt. In dieses werden hunderte aus Papier gefaltete Kraniche gehängt – als ob sie herausflögen.

Das Symbol der Kraniche hat Mika Springwald von seinem Freund Peter Steudtner entlehnt. Der Politologe und Menschenrechtler saß 2017 monatelang in der Türkei in Haft, kam frei und ist wieder in Deutschland, der Prozess gegen ihn ist aber noch nicht beendet. »Sein einziges Medium in der Haft war Papier. Daraus hat er Kraniche, den Vogel der Freiheit, gefertigt.« Springwald will so zeigen: »Es gibt auch heute noch politische Gefangene.«

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