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Bürgermeisterin Sarah Süß spricht im Interview über ein anstrengendes Jahr 2020 und die Herausforderungen für 2021

„Es steht eine Menge an Projekten an “

Steinhagen

Ein Wahlkampf und eine Kommunalwahl in Corona-Zeiten: Steinhagens neue Bürgermeisterin Sarah Süß, mit 28 Jahren die jüngste in OWL, hat ihr Amt in besonderen Zeit angetreten. Im Interview mit WB-Redakteurin Annemarie Bluhm-Weinhold blickt sie aber auch voraus auf 2021: Es wird nicht einfach werden, aber die Gemeinde hat viel vor.

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Seit nunmehr acht Wochen sitzt Sarah Süß hier – am Schreibtisch im Bürgermeisterzimmer im Steinhagener Rathaus. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Hätten Sie Weihnachten 2019 oder zum Jahreswechsel gedacht, wo sie Ende des Jahres 2020 beruflich angekommen sind?

Sarah Süß: Noch nicht so richtig. Also es ist ja schon etwas ganz anderes. Daran hatte ich Weihnachten 2019 noch nicht gedacht.

Da hatte Sie Klaus Besser auch noch nicht angesprochen?

Süß: Also zu dem Zeitpunkt wurde ich darauf schon mal angesprochen, mehr scherzhaft aber. Nach dem Motto: „Wenn Klaus das irgendwann nicht mehr macht, könntest Du Dir das vorstellen?“ Aber damals sind ja alle noch davon ausgegangen, dass er es noch mal macht.

Wie waren die ersten acht Wochen im neue Amt?

Süß: Wahnsinn, dass es schon acht Wochen sind. Die Zeit ist unfassbar schnell vergangen. Ich fühle mich sehr wohl hier, bin gut aufgenommen worden und habe immer das Gefühl, dass ich bei den Kollegen alles fragen kann. Viele Hintergründe hat man nicht von Anfang an. Man muss ja echt dazulernen. Ich bin sehr willkommen aufgenommen worden und sehr dankbar, dass ich so ein tolles Team habe. So nach und nach lebt man sich ein.

Was waren die besonderen Herausforderungen? Haushalt?

Süß: Haushalt auf jeden Fall. Ich hatte damit nur zweimal aus Parteisicht als Sachkundige Bürgerin zu tun. Das ist nun natürlich ein ganz anderer Blick auf einen Haushalt. Ich war auch schon vor meinem Amtsantritt bei Besprechungen mit den Amtsleitungen dabei. Für mich war es eine große Herausforderung, die Haushaltsrede vorzubereiten. Das Verstehen des Haushalts ist das eine, es dann aber verständlich mit eigenen Worten rüberzubringen noch mal etwas ganz anderes. Vor allem, weil ich bei der Erstellung des Haushalts nur kurz dabei war, aber nicht mitgewirkt habe, wie das nächstes Jahr der Fall sein wird.

Hatten Sie die Chance, Punkte, die sie selbst schon im Wahlkampf zum Beispiel in Ihrem zehn-Punkte-Plan formuliert hatten, mit einfließen zu lassen?

Süß: Von der Verwaltung werden sicherlich noch ein paar Punkte kommen. Es ist ja erst nur der Entwurf. In der Haupt- und Finanzausschusssitzung hatten wir schon angedeutet, dass wir im Bereich IT und Digitalisierung personell noch mal nachsteuern wollen. Und ein ganz klassisches Beispiel aus meinem Zehn-Punkte-Plan ist auch der Betrag, der im Bereich Klimaschutz eingestellt ist für die Prüfung der Eignung gemeindlicher Gebäude für Photovoltaik. Auch in der Wirtschaftsförderung werde ich Akzente setzen, die sich im Haushalt widerspiegeln werden.

Was sind Ihre großen Projekte und Vorhaben für 2021?

Süß: Da steht eine Menge an. Der Neubau der Grundschule Brockhagen geht in die Planung. Das ist für die nächsten Jahre das Riesen-Projekt. Da haben die Vorstellungen im Ausschuss begonnen. Auch das Gewerbegebiet Detert wird uns länger beschäftigen. Da wollen wir in die konkrete Planung gehen. Die Bielefelder Straße wird saniert, zwar wohl erst 2022. Aber wir müssen 2021 zusehen, dass unsere Vorstellungen irgendwie durchgesetzt werden. Da hatten wir schon die Fahrraddemo, es steht die Verkehrszählung an.

Wie hat man sich da mit Straßen.NRW verständigt?

Süß: Es gibt von der Gemeinde aus einen 14-Punkte-Plan, was unsere Vorstellungen sind. Aber das waren nicht die von Straßen.NRW. Die Radwegeführung ist ein Punkt oder auch der Flüsterasphalt. Da ist Straßen.NRW nicht so unsere Linie gefahren. Es wird nicht einfach sein, unsere Vorstellungen durchzusetzen. Oder wir müssen das eine oder andere auf unsere Kosten machen. Straßen.NRW wird daran gelegen sein, die günstigste Alternative zu wählen. Was die Fahrradwege angeht, hat sich ja schon gezeigt, dass das nicht so praktikabel ist, was da geplant worden ist.

Stichwort: Detert. Bis der Regionalplan vorliegt, dauert noch eine Weile. Dennoch kann Steinhagen auf einem Abschnitt schon anfangen. Was sind die Maßgaben der Bürgermeisterin, die bei diesen ersten vier Hektar zu beachten sind, damit sie sich letztlich ins Gesamte einfügen?

Süß: Der Regionalplanentwurf liegt ja vor. Auch dazu müssen wir 2021 Stellung nehmen. Das wird auch eine große Sache. Aus Steinhagener Sicht ist der Entwurf ganz gelungen. Wir haben unsere Vorstellungen wiederfinden können. Bei Detert können wir aber auch jetzt schon einen Teil entwickeln, den anderen noch nicht. Aus meiner Sicht ist es jedoch wichtig, dass wir uns Gedanken über das komplette Gebiet machen, damit man nicht scheibchenweise am Ende eine Lösung etwa mit einer ungünstige Erschließung hat. Wir wollen ja, dass die Lkw auf kürzestem Wege auf die Autobahn abfließen können und nicht über die Bahnhofstraße in den Ort fahren. Wir müssen jetzt schon dafür sorgen, dass sich die nächsten Teile gut und logisch daran anschließen. Detert soll ja ein ökologische Gewerbegebiet werden. Deshalb müssen wir uns auch schon Gedanken machen, welche Maßgaben wir im Bebauungsplan festlegen können und was später in Kaufverträgen geregelt wird. Wir müssen einen Mittelweg finden, dass man zum einen hohe ökologische Standards hat, aber zum anderen auch attraktiv bleibt, so dass sich Unternehmen dort ansiedeln wollen.

Das große Thema des Jahres war Corona. Wie sieht Ihre Bilanz aus? Wie ist Steinhagen durchs Jahr gekommen mental und finanziell?

Süß: Wir haben jetzt den Bescheid erhalten, dass wir eine Gewerbesteuerkompensation erhalten. Persönlich bin ich nicht davon ausgegangen, dass es dieser hohe Betrag von etwas mehr als drei Millionen Euro sein wird. Das ist aber kein Geld, das on Top kommt oder geschenkt ist, sondern es ist die Kompensation der coronabedingten Ausfälle. Man muss bedenken, dass es dabei nicht bleibt. Denn auch in den Folgejahren werden viele Unternehmen noch darunter leiden. Aber es ist eine willkommene Entlastung, die sich auf das Jahresergebnis positiv auswirkt. Was das Mentale angeht: Das schwankt. Ich hatte immer das Gefühl, dass sich in Steinhagen die allermeisten Menschen gut und bereitwillig an die Regelungen halten. Mir ist persönlich noch nie jemand begegnet, der sich gegen die Maske gewehrt hat. Ich habe auch noch keine schlechten Erfahrungen im Supermarkt gemacht. Ich habe den Eindruck, das funktioniert wirklich gut. Aktuell zeigt sich dass auch daran, dass wir im Kreis Spitzenreiter oder Schlusslicht, je nach dem aus welcher Sicht man das betrachtet, sind: Die Zahlen sind in Steinhagen ganz gut. Heute Anm. d.Red. am 22. Dezember, als das Interview geführt worden ist haben wir 31 Fälle, wir waren vor kurzem aber auch schon mal bei 18. Das ist nichts, worauf man sich ausruhen darf. Man muss sich bewusst sein, dass sich das ganz schnell ändern kann. Da reicht eine größere Familie, die sich infiziert. Es bleibt spannend. Und die Stimmung? Im Herbst hatten wir Glück, dass das Wetter so toll war und die Leute viel in der Natur waren. In der Patthorst oder auf dem Bergweltenweg im Teuto war viel los. Die Leute haben das auch für sich entdeckt, dass man gar nicht so weit wegfahren muss, um etwas Tolles zu erleben. Jetzt ist das anders, und gerade zu Weihnachten drückt es schon die Stimmung zu wissen, dass man seine Familie nicht so treffen kann.

Was erwarten Sie für 2021? Wann werden wir in Steinhagen wieder ein halbwegs normales Leben führen können? Werden wir zum Beispiel im September das Heidefest feiern?

Süß: Jede Spekulation wäre unseriös. Ich weiß es nicht. Ich habe das Gefühl, dass der Impfbeginn etwas ist, an das man sich klammern kann. Man weiß, dass es ab jetzt besser wird, weil man nach und nach alle impfen kann. Das wird aber dauern. Ich sehe noch nicht, dass das Frühjahr so entspannt sein kann, wie wir uns das wünschen. Ich glaube, wir werden uns 2021 noch das ganze Jahr mit Corona beschäftigen.

Was sind Ihre persönlichen Wünsche, Vorstellungen und Vorhaben für 2021? Ihre Highlights?

Süß: In Steinhagen das sonst so stark vom ehrenamtlichen Engagement lebt, hat sich gezeigt, dass sich die Leute wahnsinnig viel haben einfallen lassen. Häufig Kleinigkeiten, die aber alles ein bisschen besser und schöner gemacht haben. Das sollte uns auch durchs nächste Jahr tragen. Für 2021 kann man wenig planen. Es ist so viel abhängig von Corona. Ich wünsche mir natürlich, dass wir wieder tolle Feste haben. In meinem Zehn-Punkte-Plan hatte ich auch kommunikative Aspekte. Zum Beispiel, mich mit Vereinen zusammenzusetzen, mit der Elterninitiative und mit den Einzelhändlern. Ich möchte auch den Einzelhändlerstammtisch fortführen. Ich kann aber nicht 40 Leute an einen Tisch holen. Ich habe aber das persönliche Ziel, mir da kreative Lösungen einfallen zu lassen, sich digital oder in kleinen Kreisen themenbezogen zu treffen. Ich bin überzeugt, dass wir in Steinhagen gut durch die Pandemie kommen und viele Projekte vorantreiben werden.

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