1. www.westfalen-blatt.de
  2. >
  3. Owl
  4. >
  5. Steinhagen
  6. >
  7. Frankreich in Zeiten des Terrors

  8. >

Krimiautor Alexander Oetker kommt dennoch gut an beim Steinhagener Publikum

Frankreich in Zeiten des Terrors

Steinhagen  (WB). Bis dato waren es vorwiegend »Wohlfühl-Krimis«, mit denen der Berliner RTL-Korrespondent und Autor Alexander Oetker für Aufsehen sorgte. Die mittlerweile dreiteilige Reihe um Ermittler Luc Verlain aus Bordeaux spielt dabei mit den üblichen Klischees, denn Verlain ist ein echter französischer Lebemann, der Frauen, Essen und vor allem dem Wein nicht abgeneigt ist.

Malte Krammenschneider

Alexander Oetker und seine Bücher kamen gut an beim Steinhagener Publikum. Dabei zeichnet er in seinem neuesten Buch nicht das Frankreich zum Wohlfühlen nach, sondern malt ein düsteres Bild: Das Nachbarland im Fokus des Terrors. Foto: Malte Krammenschneider

Bei der Lesung in der Steinhagener Gemeindebibliothek am Donnerstagabend zeichnete er ein anderes Bild. Denn in Oetkers neuestem Werk, dem Thriller »Zara und Zoe: Rache in Marseille« stehen Frankreichs Schattenseiten im Mittelpunkt.

Mit diesem Buch wolle er einen realistischeren Blick auf das große Nachbarland werfen, denn Korruption, die französische Mafia und Islamisten sowie die Folgen der Wirtschaftskrise stellten dort ein großes Problem dar: »In nahezu jeder großen Stadt gibt es inzwischen sogenannte ›Banlieus‹, die Vorstädte in denen Drogen und Gewalt den Alltag dominieren«, erklärte er zu Beginn seiner Lesung. Sogar Polizisten würden sich inzwischen nicht mehr in manche Viertel wagen, berichtete Oetker, der von 2008 bis 2012 als Korrespondent in Frankreich weilte und neben viel schönen, auch einige negative Erfahrungen machte.

Bandenkriminalität und Bestechung

Letztere sind nun in seinen ersten Thriller eingeflossen, der von zwei vollkommen gegensätzlichen Schwestern handelt. Zum einen ist da die Gangster-Braut Zoe, die mit der korsischen Mafia gefährliche Drogentransporte durchführt, und zum anderen Zara von Hardenberg, die ihrerseits eine von Europols besten Profilerinnen ist. Als sie die Leiche eines jungen Mädchens findet, entwickelt sich ein dramatischer Fall, bei dem die Ermittlerin letztendlich auf die Hilfe ihrer hochkriminellen Schwester angewiesen ist. »Es geht um Bandenkriminalität und Bestechung – sozusagen um das andere, das finstere Frankreich. Daher habe ich auch eine düstere Sprache verwendet«, sagte Alexander Oetker.

Das Land habe sich durch die Serie von islamistischen Terroranschlägen verändert: »In den Pariser Cafés schauen viele nach einem stabilen Tisch und dem nächsten Fluchtweg«, so Oetker, der lächeln muss, wenn man in Deutschland von »No Go Areas« spricht: »Dann gehen sie mal in die Pariser Vorstädte.«

Humorvolle Art und Markanter Schreibstil kommen an

Wie der Journalist und Autor trotz aller Entwicklungen deutlich macht, habe Frankreich dennoch viele schöne Seiten, die es zu entdecken gelte. Zudem betonte er, besonders gerne vor ostwestfälischem Publikum aufzutreten. »Die Menschen hier mögen mich scheinbar«, sagte Oetker, der vermutet, dass womöglich sein Nachname etwas damit zu tun habe.

Bei den etwa 50 Zuhörern kam seine humorvolle Art und sein markanter Schreibstil an diesem Abend in jedem Fall sehr gut an. Der Autor verriet auch, dass sich seine Leser auf einen zweiten Thriller freuen können. Ein neuer Fall von Luc Verlain steht bereits in den Startlöchern und nächsten Sommer soll darüber hinaus sein erster Roman vorgestellt werden.

Startseite