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Wie funktioniert Lernen auf Distanz? Die Steinhagener Familie Frentrup schildert ihre Erfahrungen

Gute Noten für den digitalen Unterricht

Steinhagen

Wie klappt‘s denn mit dem Homeschooling? „Ganz gut“, sagt Arne Frentrup (14). Das mag erstaunen, man hört doch so viel Negatives. Ist das in Steinhagen anders? Besser? Wie das Lernen auf Distanz ganz konkret aussieht, das durfte sich das WESTFALEN-BLATT – mit Abstand und FFP2-Maske – bei Familie Frentrup auf dem Ströhen ansehen.

Annemarie

Nur fürs Foto teilen sie den Schreibtisch: Auch im digitalen Unterricht sitzen Hella und Arne Frentrup in getrennten „Klassenzimmern“. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Arne, der Älteste, besucht die achte Klasse, seine Schwester Hella (11) die sechste Klasse des Steinhagener Gymnasiums. Der Jüngste, Drittklässler Till (8), geht in die Grundschule Brockhagen und ist dort auch derzeit, wie etwa 20 Kinder, in der Notbetreuung angemeldet. „Dafür bin ich sehr dankbar, denn so können die beiden Großen hier zu Hause ungestört arbeiten“, sagt die Mutter, Dr. Mechthild Frentrup. Als Agrar-Unternehmensberaterin arbeitet sie ebenfalls im Homeoffice und ist durch Hauptberuf und ehrenamtliche Tätigkeit als CDU-Fraktionsvorsitzende im Gemeinderat voll ausgelastet. Ihr Ehemann Carsten Frentrup führt den Milchviehbetrieb auf dem Ströhen.

Die Eltern freuen sich, dass Struktur im Alltag der Kinder ist. Denn auch der digitale Schulbesuch erfolgt nach Stundenplan. Und so packt Hella morgens die benötigten Bücher in ihren Tornister und geht – ins Elternschlafzimmer, ihr Klassenzimmer auf Zeit: Denn dort steht ihr Schreibtisch, weil dort weniger Ablenkung als im eigenen Zimmer zu erwarten ist. Pünktlich um 7.50 Uhr loggt sie sich zur ersten Stunde auf die Kommunikationsplattform IServ ein. Eine Zimmertür weiter sitzt ihr Bruder und meldet sich ebenfalls in seiner Klasse an.

Am Montag vor einer Woche, am ersten Schultag nach den Ferien, als landesweit auf einen Schlag alle Schulen im Distanzunterricht waren, da hat das System dabei ganz schön „geruckelt“. „Als wir uns anmelden sollten, ist alles zusammengebrochen“, schildert Arne. Mit der Überlastung sei ja zu rechnen gewesen, sagt die Mutter: „Die Schule und der IT-Experte der Gemeinde haben aber sofort nachgerüstet.“ Und die Schule hat einen anderen Weg gefunden: Nun melden sich die Schülerinnen und Schüler nicht mehr über den Messenger, sondern über ihr Aufgabentool an – also dort, wo im Unterricht ohnehin die Aufgaben abrufbar sind, gibt es zu Beginn jeder Schulstunde auch den Link, um sich in den digitalen Klassenraum einzuwählen.

Ein Teil des Unterrichts ist zunächst im digitalen Plenum. Zur Entlastung des Systems läuft das aber derzeit – außer für die Arbeit in Kleingruppen – nicht als Video-, sondern als Audiokonferenz. Lehrer und Schüler sehen sich also nicht, hören sich aber. Zunächst wird der Unterrichtsstoff erklärt, und wer etwas fragen möchte oder zu sagen hat, der meldet sich über einen entsprechenden Klick in seinem Online-Status. Die Konferenzen funktionierten ganz gut, sagt Arne. Und manchmal nimmt der Lehrer auch Schüler dran – dann zeigt sich, wer aufgepasst hat. Wie im „echten“ Klassenraum auch.

„Die Aufgaben werden erklärt, und es gibt Links zu weiteren Informationen“, erklärt Hella. Die gestellten Aufgaben bearbeitet dann jeder für sich. Entweder direkt am Bildschirm, oder die Kinder machen handschriftliche Notizen. In jedem Fall muss alles eingereicht werden, denn die Aufgaben werden benotet.

Auch das ist ganz anders als im Frühjahr. Ebenso wie der Unterricht nach Stundenplan. „Es ist angenehmer auch für die Familien, dass die Kinder jetzt verbindlich anwesend sein müssen“, sagt Carsten Frentrup. „Sie können sich auch besser strukturieren als wenn sonntagabends ein Berg an Aufgaben kommt für die ganze Woche, wie das im Frühjahr war“, sagt Mechthild Frentrup. Schulamt und Schule haben die Zeit offenbar gut genutzt, um digitalen Unterricht technisch zu ermöglichen und inhaltlich auszugestalten. „Es ist eine steile Aufwärtskurve“, sagt Mechthild Frentrup.

Indes: Anstrengend ist er, der Distanzunterricht. Arne hatte in den ersten Tagen von der langen Zeit vor dem Bildschirm Kopfschmerzen. Obwohl die Pausen eingehalten werden: „Unser Lehrer sagt auch, dass wir rausgehen sollen in den Pausen“, sagt Hella. Und es gibt sogar Sportunterricht – als Sporttagebuch. Das heißt, es werden Übungen vorgeschlagen, die die Kinder zu absolvieren haben. Oder sie bewegen sich 30 Minuten wie sie das möchten.

Überraschungen bietet der digitale Schultag indes auch. So musste sich die Familie auf versetzte Mittagessenzeiten einstellen. Denn um die Mensa des Schulzentrums coronagerecht zu entlasten, sind die Essenszeiten der Jahrgänge zeitlich gestaffelt worden. Und das ist fürs Homeschooling nicht geändert worden. Hella hat schon um 11.30 Uhr Mittagspause – und auch Hunger. Ihr großer Bruder erst um 12.30 Uhr. Da sitzt die Schwester schon wieder im Mathe-Unterricht...

Der einzige, der neben Vater Carsten jeden Morgen das Haus verlässt, ist Drittklässler Till. In der Grundschule arbeiten die Kinder nach Wochenplan ihre Aufgaben in Kleingruppen ab – wie auch ihre Mitschüler zu Hause. Präsenzunterricht findet nicht statt. Nur Betreuung. Um 10 Uhr schalten sich alle zu einer Videokonferenz zusammen. Dafür nutzen die Kinder der Notbetreuung die Schul-iPads. Auf einer digitalen Pinnwand fordert die Klassenlehrerin zudem zu kreativen Übungen oder zum Rechnen um die Wette auf. Dass sie die digitale Technik zu nutzen lernen, findet Mechthild Frentrup wichtig. Dass das von einigen Grundschuleltern auch kritisch gesehen wird, wenn die relativ kleinen Kinder so viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen (müssen), kann sie nachvollziehen. „Aber gerade in Steinhagen sind die Lehrer sehr ambitioniert“, sagt sie.

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