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Hubert und Christine Kietsch übergeben Fleischerei an Nachfolger

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Steinhagen  (WB). Der Schriftzug »Fleischerei Kietsch« wird nach mittlerweile 64 Jahren demnächst nicht mehr über dem Eingang leuchten. Die Inhaber Hubert und Christine Kietsch übergeben das Steinhagener Traditionsgeschäft vor­aussichtlich im April einem Nachfolger.

Volker Hagemann

Im Jahr 2015 feierten Christine und Hubert Kietsch (von links im Bild mit Mitarbeiterin Manuela Pöppel) das 60-jährige Bestehen ihrer Fleischerei in Steinhagen. Auch wenn ein Nachfolger gefunden ist – eine Ära endet. Foto: Volker Hagemann

Hubert Kietsch ist fast so alt wie die Fleischerei, die er in dritter Generation führt. Der Inhaber und seine Ehefrau Christine möchten es nun geruhsamer angehen lassen. Aus gesundheitlichen Gründen geben sie den gut laufenden Betrieb zum Frühjahr in andere Hände.

Gleich vorweg stellt Hubert Kietsch klar: Es sind keinesfalls wirtschaftliche Gründe, die ihn zu dieser Entscheidung gebracht haben. »Vielmehr ist es unserer Gesundheit geschuldet«, sagt der 61-jährige Fleischermeister. »Ich werde bald 62 Jahre alt, und es gibt durchaus Wochen, in denen man bis zu 90 Stunden arbeitet. Das schütteln meine Frau und ich inzwischen nicht mehr ganz so locker aus dem Ärmel.«

Nachfolger führt Betrieb weiter

Für die Fleischerei Kietsch gibt es bereits einen Nachfolger, der den Betrieb in ähnlicher, leicht modernisierter Form weiterführen will, wie Hubert Kietsch sagt. Den Namen will er derzeit noch nicht nennen. »Doch bei diesem Interessenten passt einfach alles. Der Vertrag ist inzwischen unterschrieben. Ich muss gestehen, dass mir der Füller dabei schon etwas zittrig in der Hand lag. Schließlich ist das eine große Entscheidung, und wir haben unseren Beruf gerne ausgeübt«, betont der Steinhagener.

Die Fleisch- und Wurstspezialitäten des Traditionsbetriebs sind bei Generationen von Kunden aus Steinhagen und Umgebung beliebt. Bratwurst, Koteletts, Frikadellen, Hähnchen, Spieße und zahlreiche weitere Leckereien werden hier seit Jahrzehnten frisch hergestellt. Hubert Kietsch senior übernahm am 10. Oktober 1955 die schon 1927 eröffnete Fleischerei von Heinrich Holste an der Bahnhofstraße. Holste war schwer erkrankt, und Kietsch – damals noch Geselle – übernahm den Laden zunächst als Pachtbetrieb. Eine Filiale eröffnete er 1959 in Obersteinhagen, tatkräftig unterstützt von Ehefrau Käthe.

Viele Auszeichnungen erhalten

Auf dem 1964 erworbenen Grundstück am Eickhof eröffnete die Familie am 9. September 1965 das heutige Geschäft. Hubert Kietsch junior, der heutige Inhaber, legte 1978 seine Meisterprüfung ab, 1982 trat seine Ehefrau Christine ins Geschäft ein. Eine weitere Filiale betrieben die Kietschs von 1986 bis 1995 in der ehemaligen Fleischerei Cronsholl am Markt.

Hubert Kietsch liebt seinen Beruf durch und durch; das merkt man ihm allein schon dann an, wenn er beispielsweise von neuen Kreationen berichtet. Seine Mettwurst etwa stellt er auch mit besonderen Gewürzmischungen her, erhielt dafür mehrfach Gold- und andere Medaillen. In seiner Tätigkeit bei der Handwerkskammer als Obermeister der Fleischer-Innung hat er zahlreiche junge Leute auf ihrem Weg ins Berufsleben unterstützt. Mit dem schlesischen Schlachtfest im »Quellental« hat er außerdem eine Tradition seines dort, in Tannhausen, geborenen Vaters fortgeführt.

Angst vor demnächst ungewohnt viel Freizeit hat Hubert Kietsch keinesfalls; »ich habe mehr Zeit für die Familie«, freut er sich. Und auch neuen Hobbys könnte er vielleicht künftig nachgehen: »Imkerei könnte ich mir gut vorstellen«, überlegt er.

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