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Im Kontakt-Café berichtet Birgit Pape über Armut in Steinhagen

Hilfe tatsächlich nutzen

Steinhagen  (WB). Gibt es auch in Steinhagen Armut? Was bedeutet Armut überhaupt im Alltag, und wie gehen wir damit um? Fragen, die am Donnerstag, 7. März, im Kontakt-Café der Evangelischen Kirchengemeinde erörtert werden sollen. Zu Gast ist dann Sozialamtsleiterin Birgit Pape.

Volker Hagemann

Auch wenn in Deutschland niemand hungern muss – Armut gibt es, auch und gerade unter Senioren. Und das Bild von Menschen, die öffentliche Mülleimer durchforsten, ist auch in einem reichen Land wie Deutschland gar nicht so selten. Foto: dpa

Zieht man den Armutsbericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes und anderer Institutionen hinzu, wird oft von Einkommensarmut gesprochen: Als arm gilt, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesellschaft auskommen muss. Demnach gilt in Deutschland als arm, wer als Single unter 917 Euro netto verdient. Bei Alleinerziehenden mit einem Kind unter sechs Jahren liegt die Grenze bei 1192 Euro netto, bei einer vierköpfigen Familie je nach Alter der Kinder zwischen 1978 und 2355 Euro netto.

Armut im Vergleich sehen

»Man muss immer auch den Vergleich betrachten«, betont Birgit Pape, Leiterin des Amtes für Generationen, Arbeit, Soziales und Integration. »Stichwort Teilhabe: Selbst wenn in Steinhagen wohl niemand unter Hunger oder Obdachlosigkeit leiden muss – was sich der Durchschnittsbürger leisten kann, ist für manchen schon zu teuer. Beispielsweise eine besondere Klassenfahrt, zu der Eltern etwas zuzahlen müssen«, weiß Birgit Pape. Und deshalb möchte sie auch die Besucher am 7. März im Dietrich-Bonhoeffer-Haus (Beginn 15 Uhr, Eintritt frei) an die vielfältigen Hilfs- und Unterstützungsangebote erinnern. Pfarrer Christhard Greiling hat sie für diesen Nachmittag als Referentin eingeladen.

Ansprechpartner

Mehr als 1800 der etwa 20.600 Steinhagener erhalten Transferleistungen wie Grundsicherung, Sozialhilfe oder Wohngeld. Birgit Pape und ihre Kollegen in der Verwaltung appellieren an die Betroffenen, auch weitere Unterstützung zu nutzen – und sichern Anonymität zu. Die Wohn- und Pflegeberatung ist unter 0 52 04/997-108 erreichbar, das Generationenbüro unter 0 52 04/997-207.

»Grundsicherung und Sozialhilfe sind eins. Aber es gibt ja auch die Wohnberatung durch Wolfgang Weinreich im Rathaus, die Vermittlung von sozialgeförderten Wohnungen oder die Pflegeberatung durch Stefan Hellweg«, nennt Birgit Pape Beispiele. Zwar gebe es in Steinhagen bei den Wohngeldempfängern sinkende Zahlen, die Sozialamtsleiterin warnt aber vor wachsender Altersarmut in den nächsten Jahren. »Allein deswegen, weil viele wegen ihres begrenzten Einkommens nicht genügend finanzielle Vorsorge zusätzlich zur Rente betreiben können.«

Zu den Unterstützungsmaßnahmen in Steinhagen zählen auch die Angebote der Tafeln, das Projekt »Jedem Kind ein Hobby«, Ermäßigungen für das Anruf-Sammel-Taxi oder die Wunschbaum-Aktion zu Weihnachten. Allerdings berichtet Birgit Pape bei alldem von zwei Hürden: »Viele Bürger kennen längst nicht alle Angebote, und viele möchten sich gar nicht erst als arm zu erkennen geben, verzichten lieber auf die Inanspruchnahme von Hilfen. Diese Scheu möchte ich auch den Gästen im Kontakt-Café nehmen – es hilft auch schon, wenn die Gäste ›nur‹ Multiplikatoren für andere sind.«

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