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Frank-Walter Steinmeier zeichnet Roberto Oligeri aus Fivizzano mit dem Bundesverdienstkreuz aus

Höchste Ehrung für einen Mann des Dialogs

Steinhagen/Fivizzano  (WB/anb). Hohe Auszeichnung für einen Mann, der sich in einem besonderen Maß um die deutsch-italienische Freundschaft und die Völkerverständigung verdient gemacht hat: Roberto Oligeri aus Steinhagens Partnerstadt Fivizzano erhält das Bundesverdienstkreuz, die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht.

Ein Mann, der Brücken baut: Roberto Oligeri (vorne rechts), gemeinsam mit Bürgermeister Klaus Besser und Steinhagener Besuchern in San Terenzo unterwegs zur Gedenkstätte. Foto: Bluhm-Weinhold

Das teilte Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser am Montag mit. Er hat ihm bereits per Whatsapp gratuliert. 2001 hat er Oligeri als Leiter des Museums der Gedenkstätte von San Terenzo, wo an die Opfer der Massaker von 1944 erinnert wird, kennengelernt und pflegt seitdem auch freundschaftliche Kontakte.

Sicherlich hat die Ehrung Oligeris mit dem Besuch von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im August 2019 in Fivizzano zu tun, wo er, wie berichtet, gemeinsam mit seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella an der nationalen Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der von SS-Schergen begangenen Morde an der Zivilbevölkerung in Fivizzano teilnahm – Roberto Oligeri war bei der Feierstunde als Mitglied des Coro Lunigiana dabei. „Ich hatte bereits im Vorfeld des Besuchs den deutschen Botschafter in Italien, Viktor Elbling, darauf hingewiesen, dass ich eine Ehrung Roberto Oligeris für angemessen hielte“, sagte Klaus Besser.

Engagement für die Aussöhnung der Völker

Schließlich hat sich Roberto Oligeri in so vielen Belangen für die Aussöhnung der Völker und speziell für die Partnerschaft mit Steinhagen eingesetzt. Oligeri sei stets „l’uomo del dialogo tra Fivizzano e il comune di Steinhagen“ gewesen, war Sonntag in der italienischen Presse zu lesen – ein Mann des Dialogs zwischen Fivizzano und der Gemeinde Steinhagen. Mit dem Coro La Montanara, später Coro Lunigiana, leistete Roberto Oligeri einen großen Beitrag zur Begründung und Stärkung der Städtepartnerschaft.

Als langjähriger Leiter des Museums in San Terenzo hat er dafür gesorgt, dass die unfassbaren Ereignisse des Sommers 1944, als mehr als 400 Zivilisten in den Dörfern Fivizzanos den brutalen Vergeltungsschlägen der deutschen SS-Truppen zum Opfer fielen, nicht in Vergessenheit geraten – als Mahnung, als Zeugnis des Respekts vor den Hinterbliebenen, aber auch als Basis für ein gemeinsames, friedliches, freundschaftliches Europa. Keine Ressentiments gegenüber Deutschen, sondern Dankbarkeit für das Interesse an der Geschichte – so gehen die Menschen in Fivizzano mit der Vergangenheit um. Allen voran Roberto Oligeri, der auch die freundschaftlichen Kontakte zum Ort Engelsbrand in Baden-Württemberg und zu Udo Sürer vom Bodensee, Sohn eines der Täter von damals und inzwischen Ehrenbürger Fivizzanos, unterstützte. Klaus Besser zählt zudem Oligeris Engagement bei den Bürgerfahrten und beim Jugendaustausch mit Steinhagen auf.

Feierstunde folgt später

Dass das Bundesverdienstkreuz nicht nur in-, sondern auch ausländische Bürgerinnen und Bürgern für politische, wirtschaftlich-soziale und geistige Leistungen verliehen wird, ist ausdrücklich erwähnt in den auf der Homepage des Bundespräsidenten nachzulesenden Regularien. In Zeiten von Corona ist auch eine feierliche Verleihung schwierig. So ist Roberto Oligeri nun zunächst informiert worden und hat die Urkunde erhalten. Der Verdienstorden selbst wird ihm zu einem späteren Zeitpunkt in der deutschen Botschaft in Italien verliehen. Und die Tageszeitung in Fivizzano schließt mit dem Satz: „Bravo Roberto, esempio per tutti“ – Bravo Roberto, ein Beispiel für alle.

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