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Das WESTFALEN-BLATT stellt die Bürgermeister-Kandidaten vor: Meik Tischler (parteilos)

„Ich muss keinem zuträglich sein“

Steinhagen  (WB). Er tritt als parteiloser Bürgermeister-Kandidat an und hält das für einen großen Vorteil. Warum, das erklärt Meik Tischler im Interview mit Annemarie Bluhm-Weinhold.

Der parteilose Bürgermeister-Kandidat Meik Tischler auf der Kirchhofsmauer: Zwar wohnt er hinterm Berg, aber in seiner Heimatgemeinde ist er so gut wie täglich präsent. Das politische Geschehen verfolgt er über die Lokalzeitungen. Foto: Bluhm-Weinhold

Wie kommt es zu Ihrer Kandidatur?

Meik Tischler: Zunächst als fixe Idee gedacht durch Bekannte, die vor zwei, drei Jahren gesagt haben: Klaus Besser hat schon seine Zeit gemacht, vermutlich hört er auf. Ich bin zwar gerne Lehrer, würde den Job auch vermissen, aber Stillstand im Leben war nie meins. Dann habe ich mich reingearbeitet, Freunde und Bekannte gefragt, viele, die auch Gewerbe haben. Und ich habe mir gedacht: Warum eigentlich nicht? Ich habe das passende Alter. Der Gedanke ist gereift. Dadurch, dass ich aus der SPD ausgetreten bin, war klar, dass ich es als parteiloser Kandidat versuche.

Nun sind Sie in Bielefeld zu Hause. Wie haben Sie die Gemeinde im Blick? Wie verfolgen Sie das Geschehen und vor allem auch das kommunalpolitische Geschehen?

Tischler: Ich schlafe hinterm Berg, vor allem der Ruhe wegen. Ansonsten: Mein Hausarzt ist in Steinhagen, meine Bank, mein Schneider an der Bielefelder Straße, meine Vereine, meine Freunde, meine Familie. Mein Einkaufen, mein Hagebaumarkt, alles ist hier. Von meinen Schülern an der Gesamtschule Quelle kommen auch viele aus Steinhagen. Was soll man sagen?

Eigentlich sind Sie Steinhagener...

Tischler: Eigentlich bin ich Steinhagener. Mit der Stadt Bielefeld haben wir ganz wenig zu tun. Und zur Kommunalpolitik: Ich lese seit 15 Jahren die Lokalzeitungen. Wenn ich am Tag nicht die Zeitung lese, bin ich nicht gut zufrieden. Deswegen bin ich schon im Bilde, was so hier läuft.

Was liegt Ihnen am Herzen für Steinhagen? Was sind Ihre „Baustellen“, Ihre Anliegen?

Tischler: Es gibt immer Anliegen der Bürger. Politiker neigen dazu, sich in den Bereich, wo Sie wohnen, besonders reinzuhängen. Ich nenne das mal Lokallobbyismus. Nein, es gilt, das Gesamte im Blick haben. Man muss alle Bürger und alle Anliegen sehen. Deshalb kann man das gar nicht so sagen. Jede Woche sind andere „Baustellen“. Die man prioritär einstuft, die sollte man als schnellstmöglich je nach Dienstweg abarbeiten. Ich kenne das aus der Schule. Wir verwalten uns ja durch und durch. Ich kenne die Abläufe. Und diese Abläufe gilt es zu forcieren. Man ist ja Verwaltungsdirektor als Bürgermeister. Die Wege sollten kürzer werden, die Anliegen der Bürger sollten schnellstmöglich bearbeitet werden. Wichtig ist Transparenz: Die Bürger müssen verstehen, was man da macht. Da muss mal wieder Leben rein.

Ist das ein Vorteil, wenn man parteilos ist? Keiner Partei verpflichtet ist?

Tischler: Genau, ich muss gar keinem zuträglich sein. Ich kann unangenehme Entscheidungen treffen, die es mit Sicherheit geben wird. Die treffe ich jeden Tag in der Schule. 99 Prozent finden es super, aber das eine Prozent, das kann richtig auf die Pauke hauen. Ich kann sagen: Ich treffe die Entscheidungen im Sinne aller. Was die Parteien machen, das ist deren Ding. Ich kenne es doch aus der SPD: Jetzt müssen wir alle die Hand heben. Nein, man muss nicht die Hand heben.

Sie sehen das als Vorteil, keine Partei im Rücken zu haben. Ist das andererseits aber nicht auch ein Nachteil, weil man dann auch keine Wählerschaft schon mit dieser Partei hat?

Tischler: Natürlich kann man statistisch ausrechnen, wo ich liege. Natürlich gibt es Stammwähler. Aber wenn man die Politikverdrossenheit der Menschen sieht, kann es auch ein Vorteil sein. Das wird man am 13. September sehen. Man muss klar sagen, dass, wenn ich einen gewissen Stimmenanteil bekomme, auch die Leute dabei sind, die sagen: Ich habe keine Lust mehr auf diese oder jene Partei, da sind mir die Inhalte auch nicht so wichtig, ich wähle den Parteilosen, der ist unabhängig, der muss schon neutral sein, der muss niemandem zugehörig sein.

Welche Chancen rechnen Sie sich denn aus? Wo unter den Top Five wollen Sie landen?

Tischler: Es wird knapp. Viele fragen mich nach meiner Präsenz. Aber ich bin ja viel unterwegs und spreche mit den Menschen. Das ist wie Mundpropaganda. Ich habe so viel Zuspruch erhalten. Ich hätte das nicht angeleiert, wenn ich nicht davon ausgehen würde, und das ist ein realistisches Ziel, dass ich so um die 15 Prozent liege. Aber vielleicht sind es auch 20... Ich habe die Rückmeldung bekommen, dass viele Menschen sagen: Ich weiß nicht mehr, wen ich wählen soll, Einheitsbrei. Beispiel Klimaschutz: Das kann sich doch keiner mehr fest auf die Fahnen schreiben. Das ist doch ein Muss für alle Parteien. Nur eine hat es natürlich immer verfolgt, die dafür auch steht. Aber die anderen müssen dafür ebenso stehen. Also im Prinzip unterscheiden sich viele Parteien gar nicht mehr. Als Parteiloser hat man realistische Chance, wenn man sich Statistik in NRW ansieht, wie viele parteilose Bürgermeister es gibt.

Welche Qualifikationen bringen Sie mit? Ihre Verwaltungserfahrung haben Sie schon erwähnt...

Tischler: Ja, Verwaltungserfahrung aus der Schule. Wir haben viel mit Bauen zu tun, mit dem Sportamt, mit der Bezirksregierung in Detmold. Ich habe eine Koordinationsstelle, muss viel absegnen lassen und kann auch nicht immer so machen wie ich will. Auch wir Lehrer müssen uns um viel kümmern, das macht nicht immer die Schulleitung. Und ich bin zudem sehr bodenständig. Ich arbeite heute noch bei meinem Bruder im Malerbetrieb mit, habe den Taxischein und bin lange für meinen zweiten Bruder gefahren. Ich bin auch volksnah. Mit Klaus Besser kann man sich nicht vergleichen, aber ich bin auch schon so ein Typ.

Jetzt ist die Schule wieder angelaufen und der Lehrer Meik Tischler gefragt. Wie gestalten Sie Ihren Wahlkampf?

Tischler: Den gestalte ich in aller Ruhe. Ich lasse mich da auch nicht leiten, natürlich kriege ich Tipps. Zum Beispiel mehr Präsenz zu zeigen. Das Gute bei einem parteilosen Kandidaten ist: Ich entscheide wie und ich entscheide wann. Die, die mich wählen wollen, wählen mich unabhängig davon, ob ich ein Plakat mehr oder weniger aufhänge. Die kennen mich. Und mich kennen unheimlich viele in Steinhagen.

Dann vollenden Sie doch mal bitte den Satz „Als Bürgermeister möchte ich für Steinhagen...“

Tischler: ...gestalten und ein guter Bürgermeister sein.

Was ist ein guter Bürgermeister?

Tischler: Jemand der zuhören kann, der sich den Problemen wirklich auch stellt und der auch was aushalten kann. Und ich mache keine Versprechen, die ich nicht halten kann.

Zur Person

Meik Tischler ist 53 Jahre alt, verheiratet, und in Steinhagen aufgewachsen. In den örtlichen Vereinen ist er geschwommen, hat Tischtennis, Tennis und vor allem Fußball gespielt, war später Vertragsspieler in der zweiten und dritten Liga. Seit fünf Jahren trainiert er die erste Herrenmannschaft des TSV Amshausen.

Er hat eine Handwerksausbildung, ein Diplom als Sozialpädagoge und hat dann auf Lehramt studiert. Seit 2016 ist er Oberstudienrat an der Gesamtschule Quelle.

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