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Steinhagens Verwaltung und Politik sind weiterhin in Gesprächen – CDU schlägt Entgegenkommen bei Mietkosten vor

Immer noch kein neuer Kinderarzt in Sicht

Steinhagen

Schon lange bangen viele Eltern um die künftige kinder- und jugendärztliche Versorgung in Steinhagen – erst recht, seit vergangene Woche die bisherige Praxis von Dr. Maria Rita Bredenbröker wie angekündigt ihre Türen schloss.

Volker Hagemann

Ob für Vorsorge-Untersuchungen, Impfungen oder im Falle von Krankheiten: Momentan müssen Steinhagener dafür mit ihren Kindern in eine der Nachbarkommunen fahren. Foto: dpa

Neben Vermieter Rainer Scharmann von der Annette-Schlichte-Steinhäger-Stiftung als Eigentümerin der Räume und Apotheker Lutz Heitland suchen auch Politik und Gemeindeverwaltung seit Monaten nach einer Nachfolge. So hatte die Gemeinde im Frühjahr 2020 im Westfälischen und im Deutschen Ärzteblatt für eine Praxis-Nachfolge geworben. Stipendien oder andere Anreize sollten Medizinstudenten locken, sich zu bewerben – ohne Erfolg.

Zusätzlich Dampf will die CDU machen; sie trug am Montagabend im Sozialausschuss ihren Antrag vor, der Rat möge Bürgermeisterin und Verwaltung auffordern, das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) zu suchen und den Sitz für einen Kinderarzt in Steinhagen dauerhaft abzusichern. Parallel solle „aktiv eine Nachfolgelösung gesucht werden“. Dem Antrag wurde mehrheitlich zugestimmt, lediglich die Grünen enthielten sich; sie wünschen sich „ein ganzes Maßnahmenpaket mit System“, wie es Manfred Wulfmeier-Böhm formulierte.

Dabei ist die Gemeindeverwaltung schon bemüht: Bürgermeisterin Sarah Süß berichtete, mit der bisherigen Kinderärztin, mit der KV und mit Sozialamtsleiterin Birgit Pape nach Lösungen zu suchen. Auch wolle man mit anderen Kinderärzten in der Region sprechen, ob Interesse an einer „Filiale“ bestehe. „Denn in einer Gemeinde der Größenordnung wie Steinhagen gehört ein Kinderarzt zur fachärztlichen Versorgung“, betonte Sarah Süß.

Das findet auch die CDU: „Eine Familiengemeinde ohne eigene ärztliche Betreuung für die Kleinsten wäre ein untragbarer Zustand.“ CDU-Vorstandsmitglied Lars Steinmeier drängte daher auf weitere Anstrengungen: „Man sollte in sozialen Medien inserieren, vielleicht könnte die Gemeinde einem Nachfolger auch einen Mietzuschuss gewähren?“ Die Sorge der CDU: Fände sich niemand, könne der Kinderarzt-Sitz laut KV-Bestimmungen nach sechs Monaten entfallen.

Die KV will sich auf WB-Anfrage aus Datenschutzgründen zum Steinhagener Fall nicht äußern. Generell sei das Verfahren nach Praxisschließung wie folgt: „Grundsätzlich ist der Vertragsarzt für die Nachfolger-Suche zuständig“, sagt Jana Elbert von der KV. „Die Nachbesetzungsfrist eines Arztsitzes beträgt sechs Monate, kann aber verlängert werden. Das Nachbesetzungsverfahren erfolgt über den Zulassungsausschuss des Regierungsbezirks, bestehend aus aus Vertretern der Ärzte und Krankenkassen. Sie entscheiden über Zulassung oder Anstellung eines Arztes.“

Der kinderärztliche Versorgungsgrad im Kreis Gütersloh beträgt laut Elbert derzeit 111,9 Prozent. „Wenn ein Arzt hier, beispielsweise aus Altersgründen, seine Praxis abgeben möchte, muss diese für einen bestimmten Zeitraum ausgeschrieben werden. Findet sich in Regionen mit über 110 Prozent Versorgung kein Nachfolger für einen Arztsitz, entfällt dieser Sitz wegen Überversorgung.“

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