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Kirchengemeinden in Steinhagen sehen sich nicht im Lockdown

In der Distanz eine große Nähe entdeckt

Steinhagen

Weihnachten ohne Nähe in der Gemeinde, ohne Gottesdienst in der Kirche – emotional ein Tiefpunkt im schwierigen Corona-Jahr 2020. Und so sehr alle in den evangelischen und der katholischen Gemeinde in Steinhagen die Absage aller Präsenzveranstaltungen bedauern – Pfarrerin und Presbyteriumsvorsitzende Dagmar Schröder ist da klar in ihrer Haltung: „Es ist ein Zeichen der Solidarität, wenn auch wir auf das verzichten, was uns gefällt“, sagt sie mit Blick auf geschlossene Theater und Restaurants. Sicherheit geht vor. „Und wir haben ja Alternativen“, erinnert sie an die Online-Gottesdienste, die geöffneten Kirchen und viele weitere Aktionen. So ist Weihnachten zwar auf ganz neue Weise aber ebenso stimmungsvoll erlebbar.

Annemarie

Stimmungsvolle Lichtinstallation, Weihnachtsbaum und Krippe Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

„Wir entdecken jetzt, was uns wertvoll ist“, so Dagmar Schröder. Etwa das „O du fröhliche“ – „immer der intensivste Moment im Gottesdienst.“ Es fehlt nun. „Fürchtet euch nicht“ zieht sich als Weihnachtsbotschaft durch alle Angebote.

Dass die coronadiktierte Distanz indes sogar mehr Nähe schaffen kann, das ist aufs ganze Jahr gesehen eine Erkenntnis, die in allen Kirchengemeinden gemacht worden ist: Die Gespräche seien intensiver. „Die Gemeinde entwickelt Stärke in dem, was wesentlich für die evangelische Kirche ist: Wir alle sind Kirche und Gemeinde“, sagt Dagmar Schröder: „Man gibt untereinander aufeinander Acht.“

„Natürlich vermisse ich schmerzlich die Präsenz. Mit vielen haben sich Kontakte aber intensiviert, vieles ist durch gemeinsame Projektarbeit fester geworden“, sagt Simon Wolter, Gemeindereferent in St. Hedwig. Junge Leute erreicht er über die Sozialen Medien und Videokonferenzen, ältere Gemeindemitglieder über das Telefon: „Daraus entwickeln sich intensive Gespräche, während es auf dem Kirchplatz ja meist beim Smalltalk bleibt.“

„Ich habe zeitweise eine sehr intensive Nähe wahrgenommen“, sagt auch Pfarrerin Kirsten Schumann – überwältigend die Resonanz auf die Online-Gottesdienste: „Wir haben Menschen erreicht, die wir noch nicht kannten.“ Viele hätten sich bedankt: „Schön, dass ihr immer da seid.“ Das Internet, die Sozialen Medien, vermeintlich doch so oberflächlich – indes: „Die Videos machen vielen Menschen Mut“, sagt Kirsten Schumann. In Steinhagen seien die Kirchengemeinden trotz aller Beschränkungen nie im Lockdown gewesen. Kirsten Schumann entdeckt sogar eine andere Intensität in der Seelsorge. Die Nöte seien schon bedrückender durch die Pandemie – bis ins Existenzielle: „Ich habe vielfach erlebt, dass es Todesfälle gab, wo ein persönlicher Abschied nicht mehr möglich war. Daran tragen die Menschen schwer.“

Auch der Brockhagener Pfarrer Dr. André Heinrich stellt fest, dass viele Menschen gerade mehr unter Druck stehen. „Sie wollen mit jemandem sprechen, sich Frust und Wut von der Seele reden.“ Und das sei eben auch Seelsorge: Halt geben und trösten im Glauben. Meist sind es Menschen, die etwas mit dem Glauben verbinden, selbst wenn sie sich erst jetzt (wieder) an die Kirche wenden. Heinrichs Wunsch für 2021: „Dass wir mit Gottvertrauen daran gehen. Dass wir unsere Sehnsüchte nicht an den Impfstoff hängen, sondern feststellen, dass das Eigentliche zwischen den Menschen passiert.“ Corona sei ein Augenöffner: „Man sieht die Bedürftigkeit anderer.“

Die Aktivitäten in den Kirchengemeinden zusammengefasst.

Die Online-Gottesdienste, die die Ev. und Kath. Kirchengemeinden Steinhagen, die Kirchengemeinde Brockhagen, die Ev. Freikirche und die Landeskirchliche Gemeinschaft erstellt haben, sind über ihre jeweiligen Websites erreichbar.

Die St. Hedwigskircheist tagsüber geöffnet. Dort kann der Krippengang besucht, am Tannenbaum ein Wunsch auf einen Stern formuliert und das „Friedenslicht von Bethlehem mitgenommen werden.

Die Dorfkirche ist für Stille und Gebet geöffnet: Heiligabend von 14 bis 18 und ab 22 Uhr; 1. Weihnachtsfeiertag 14 bis Uhr; 2. Weihnachtsfeiertag 14 bis 18 Uhr; Sonntag, 27. Dezember, 14 bis 17 Uhr. Im Johannes-Busch-Haus sind die Krippe, Fensterbilder und Fürbittengebete ins Fenster gestellt und gehängt worden.

Um 17 Uhr läuten Heilabend alle Glocken der Kirchen und Gemeindehäuser. Alle Steinhagener werden gebeten, draußen „O du fröhliche“ zu singen. Die Dorfkirche läutet auch um 15 und 23 Uhr.

Fürbitten können formuliert und an Pfarrerin Kirsten Schumann gemailt (schumann@kirche-steinhagen.de) oder am Busch-Haus abgegeben werden.

In Brockhagen sind Kerzen an ältere Gemeindeglieder verteilt worden, in St. Hedwig CDs mit selbsteingespielten Weihnachtsliedern.

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