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Friedensgebet in Steinhagen am 8. November: Kirchen wollen deutliches Zeichen gegen Hass setzen

»Jetzt muss Protest folgen«

Steinhagen (WB). Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke am 2. Juni aus fremdenfeindlichen Motiven und das Attentat auf die Synagoge in Halle/Saale mit zwei Toten am 9. Oktober: zwei der traurigen Ereignisse, die die Evangelische und Katholische Kirchengemeinde dazu veranlassen, ein groß angelegtes Friedensgebet am 8. November auf die Beine zu stellen.

Volker Hagemann

Klaus Besser, Kirsten Schumann und Simon Wolter (von links) rufen zu Frieden und wehrhafter Demokratie auf und laden für Freitag, 8. November, in die Dorfkirche ein. Dazu passt auch die Jahreslosung »Suche Frieden und jage ihm nach«. Foto: Volker Hagemann

Immer mehr Anlässe bereiteten Grund zu größter Sorge, betonen Pfarrerin Kirsten Schumann von der Evangelischen Kirchengemeinde und Simon Wolter von der katholischen St.-Hedwigs-Gemeinde: »Hinzu kommt der geplante Aufmarsch der rechtsextremen Partei ›Die Rechte‹ am 9. November in Bielefeld, die gegen die Inhaftierung von Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck demonstrieren will. Haverbeck hat obendrein am 8. November Geburtstag.« Das Verwaltungsgericht Minden hatte ein Verbot des Aufzugs durch die Polizei abgeschmettert. Der 9. November gilt auch als Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus.

In tiefer Sorge angesichts von so viel Hass in einer demokratischen Gesellschaft

Kirsten Schumann und Simon Wolter laden daher für Freitag, 8. November, zum ökumenischen Friedensgebet in die Steinhagener Dorfkirche ein. »All diese Anlässe zeigen: Viel zu viele Alarmzeichen sind überhört worden«, so Schumann. Zwar gebe es viel Betroffenheit, »doch auf Betroffenheit muss jetzt Protest folgen. Wir wollen ein deutliches Zeichen gegen Fremdenhass und Antisemitismus setzen.« Das betont auch Gemeindereferent Simon Wolter: »Wir haben eine klare Haltung, die wollen wir zeigen.« Als Christen sei man in tiefer Sorge angesichts der Worte und Taten voller Hass in einer demokratischen Gesellschaft. Pfarrerin Kirsten Schumann zitiert Bertold Brecht: »Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!«

Gemeinde unterstützt die Initiative

Das Friedensgebet wird von der Gemeinde Steinhagen unterstützt. Leider gebe es immer wieder fremdenfeindliche und antisemitische Äußerungen und Taten, »doch wir alle sind mehr, und das wollen wir deutlich machen«, betont auch Bürgermeister Klaus Besser. Erschreckendes hat er von Amtskollegen aus anderen Bundesländern gehört: »Mehrfach sind Bürgermeister und Ratsmitglieder von Rechtsextremen bedroht worden. Anzeigen wurden von der Polizei oftmals schon gar nicht mehr verfolgt«, berichtet er.

Das ökumenische Friedensgebet am Freitag, 8. November, beginnt um 18 Uhr in der Dorfkirche, unterstützt vom Posaunenchor. Dazu werden kurze Filmsequenzen eingespielt, etwa mit Konstantin Weckers Stück »Sage nein« und mit Worten von Holocaust-Überlebenden nach dem Lübcke-Attentat. Kirsten Schumann hofft: »Die Kirche darf gerne so voll werden wie an Heiligabend!«

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