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Bei Corona-Kontrollen in Steinhagen wird Behörden-Fahrzeug von Holzstumpf getroffen

Jugendliche greifen Ordnungsamt an

Steinhagen

Ein solcher Vorfall ist bisher beispiellos im Kreis Gütersloh: Unbekannte Jugendliche haben am vergangenen Mittwochabend ein Fahrzeug des Steinhagener Ordnungsamtes angegriffen. Das Auto wurde beschädigt, die beiden Mitarbeiter blieben unverletzt. Die sechs Jugendlichen flüchteten. „Einen feigen Angriff aus dem Hinterhalt“, nennt Steinhagens Bürgermeisterin Sarah Süß den Vorfall.

Annemarie

Der Tatort: Am Kreisel Laukshof/Himmelreich stand die Gruppe Jugendlicher, als das Ordnungsamt kontrollieren wollte. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Gegen 20.10 Uhr waren am Mittwoch nach Angaben der Polizei eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes auf der Straße Laukshof unterwegs, als sie in Höhe des Kreisverkehrs zur Straße Himmelreich eine Gruppe Jugendlicher bemerkten. Sie wendete und wollten zu der Gruppe zurückfahren, um eine Personenkontrolle vorzunehmen, weil sie einen Verstoß gegen die Corona-Auflagen vermuteten.

Ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge waren es sechs Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahre, die am Kreisel zusammenstanden. Einer aus der Gruppe warf einen Holzstumpf, den Polizeisprecher Mark Kohnert als massiven Ast bezeichnete, auf das als Behördenfahrzeug erkennbare Auto und zerstörte die rechte hintere Seitenscheibe auf der Beifahrerseite. Danach flüchteten die Jugendliche in unbekannte Richtung. Die beiden Mitarbeiter des Ordnungsamtes wurden nicht verletzt.

Die herbeigerufenen Polizeibeamten sahen, wie Mark Kohnert auf Nachfrage des WESTFALEN-BLATTes sagte, zwar einen Angriff auf Personen nicht gegeben. Denn das Ziel der Attacke sei das Fahrzeug gewesen. Dennoch ist es gleich eine Reihe von Tatbeständen, die gegen die Jugendlichen vorliegen: Sachbeschädigung am Pkw, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, weil sich das Fahrzeug in Bewegung befand. Zudem wird den Jugendlichen auch Nötigung vorgeworfen, weil versucht worden sei, die Maßnahme des Ordnungsamtes abzuwehren, so Kohnert. Bisher ist es im Kreis Gütersloh seiner Auskunft nach bei Corona-Kontrollen noch nie zu Angriffen auf Fahrzeuge oder Personen der Behörden gekommen.

Die Polizei Gütersloh sucht Zeugen und fragt: Wer hat im angegebenen Tatzeitraum am Tatort oder in der Umgebung verdächtige Beobachtungen gemacht? Wer kann Angaben zu der Gruppe der sechs Jugendlichen machen, die sich am Kreisverkehr Laukshof/ Himmelreich aufgehalten haben? Hinweise nimmt die Polizei Gütersloh unter der Telefonnummer 05241/8690 entgegen.

„Es ist ungeheuerlich, dass Menschen, die sich für unsere Sicherheit und Ordnung einsetzen, angegriffen werden. Die Mitarbeiter wollen nichts Böses, sondern sind für den Schutz der Bevölkerung da“, sagte Bürgermeisterin Sarah Süß am Freitag dem WESTFALEN-BLATT. Dabei bezog sie sich auch auf die allgemein zunehmende Zahl von Angriffen auch auf Rettungssanitätern und Rettungskräften. Der Außendienst des Ordnungsamtes sei stets in einer schwierigen Situation, sagte sie. Schließlich geht es meist um Fehlverhalten. „Deshalb sind die Mitarbeiter auch gehalten, deeskalierend zu wirken“, so Süß. Komme es zu Aggressionen, dann riefen sie ohnehin die Polizei dazu.

„Ich bin froh, dass keiner der beiden Mitarbeiter verletzt worden ist“, sagte die Bürgermeisterin. Aber natürlich habe das Auswirkungen auch auf deren Arbeit. „Ich möchte nicht, dass jemand Angst bei seiner Arbeit haben muss.“

Noch nie habe es tätliche Angriffe auf Mitarbeiter des Steinhagener Ordnungsamtes gegeben. Es seien zwar schon einmal Eier auf ein Fahrzeug der Behörde geworfen worden, aber der Vorfall von Mittwoch habe eine ganz andere Qualität: „Ich weiß, dass es gerade sehr bescheidene Zeiten für Jugendliche sind. Und ich kann mir auch vorstellen, dass man Blödsinn macht. Aber das hier ist kein Blödsinn, kein Quatsch mehr.“

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