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Teilnehmer des Waldrundgangs in Steinhagen-Amshausen erfahren überraschende Erkenntnisse

Käferplage und Klimawandel

Steinhagen (WB). »Früher wurden Bäume gepflanzt als Aussteuer für die Enkel oder als Spardose für den Bauern«, sagt Waldbesitzer Ernst Niedermeyer. Im Teutoburger Wald wird nach Ansicht von Gerhard Heitkämper zu wenig Holz entnommen. »Die richtige Pflege ist hier wichtiger als einfach alles wachsen zu lassen«, sagt er.

Johannes Gerhards

Im Schatten einer Eiche am Südhang des Jakobsberges beginnt der Rundgang durch den Wald. Die Teilnehmer der von Dr. Birgit Lutzer organisierten Tour erfahren viele Hintergründe. Foto: Johannes Gerhards

Die beiden Praktiker nehmen als Experten an einem Waldrundgang teil, zu dem Dr. Birgit Lutzer aus Amshausen eingeladen hat. »Das Thema Natur ist mir wichtig und liegt mir sehr am Herzen«, sagt die Initiatorin zu ihren Beweggründen. Über 30 interessierte Bürger, darunter Ratsvertreter und Mitglieder des Heimatvereins, lassen sich von den beiden Fachleuten einen ganz persönlichen »Waldzustandsbericht« geben. Das Thema Borkenkäfer hat viele aufgeschreckt, die Auswirkungen des Klimawandels werden spürbar, und die Frage nach individuellen Handlungsoptionen beschäftigt die Bürger zunehmend.

Robuster Mammutbaum aus Nordamerika

»Pro Grad Erderwärmung verschiebt sich die Vegetationsgrenze um 750 km nach Norden«, erklärt Ernst Niedermeyer. Das gebe Anlass zu Überlegungen, ob es inzwischen angebracht sei, sich mehr für Pflanzen aus südlichen Ländern zu interessieren. Ein von seinem Vater vor 50 Jahren angepflanzter Küstenmammutbaum aus Nordamerika habe sich in der Nähe seines Hofes relativ gut entwickelt. Andere Privatleute reagieren bereits mit der Anzucht von aus dem Italienurlaub mitgebrachten Piniensamen auf den sich abzeichnenden Klimawechsel.

Im Gegensatz dazu stehe die Strategie, Ausgleichsflächen vornehmlich mit heimischen Baumarten zu bepflanzen, sagt Niedermeyer und verweist auf ein eingezäuntes Areal am Südhang des Jakobsberges. Hier hat Straßen.NRW ehemaliges Ackerland am Waldrand mit unterschiedlichen Gehölzen und Sträuchern bestückt. Die vorhandenen Vegetationslücken sind nach Ansicht der Landschaftsentwicklerin Svenja Heitkämper offenbar geplant. »Der Waldsaum soll stufenförmig aufgebaut werden, um den Stürmen weniger Angriffsfläche zu bieten«, so lautet ihre Erklärung.

Verkettung ungünstiger Ereignisse führte zum Verfall des Fichtenbestandes

Denn letztlich ist nicht der Borkenkäfer allein der Übeltäter. Vielmehr führte eine Verkettung ungünstiger Ereignisse zum Verfall des Fichtenbestandes. Sturmtief Friederike – im Rückblick wesentlich schlimmer als Orkan Kyrill im Jahre 2007 – und der vergangene trockene Sommer haben die Harzbildung unterdrückt, mit dem sich die Bäume normalerweise zur Wehr setzen. »Es gibt kein Mittel gegen die Käfer«, betont Ernst Niedermeyer. Trotz chemischer Behandlung und schnellem Abtransport erreiche das Holz im Handel nur die niedrigste Qualitätsstufe D.

Die Kosten der Holzernte übersteigen inzwischen die Erlöse. Dabei nimmt die Fläche des Waldes Jahr für Jahr zu. »Bei normalem Einschlag stehen 3,5 Millionen Festmeter Entnahme einem Zuwachs von 4,5 Millionen Festmeter gegenüber«, rechnet Niedermeyer vor. Allerdings sorge die Fichte als »Brotbaum« bei 26 Prozent Anteil an den Baumarten für 90 Prozent der Einnahmen. Jetzt liege aber das Holz aus zwei Jahren ungenutzt herum und lasse sich nicht vermarkten. Der Ruf der Waldbauern nach staatlicher Entschädigung wird immer lauter.

Wald spielt wichtige Rolle für das Klima

Zur Waldbesitzerstruktur gibt es erhellendes Zahlenmaterial vom Landesbetrieb Wald und Holz. Von den ca. 915.000 Hektar Wald in Nordrhein Westfalen werden 67 Prozent von privaten Eigentümern bewirtschaftet. Mehr als 120.000 davon haben weniger als zwei Hektar zur Verfügung, 2355 besitzen mehr als 30 Hektar Wald. Diese Zusammenhänge sind mitverantwortlich dafür, dass eine einheitliche Strategie zur Pflege des Waldes nahezu unmöglich umzusetzen ist.

Der Wald ist weit mehr als Erholungsgebiet für die einen und Wirtschaftsstandort für die anderen. Durch Verstoffwechseln von 6 bis 13 Prozent der CO2-Emissionen spielt er gerade für das Klima eine nicht zu unterschätzende Rolle. Das und viele weitere Informationen erfahren die Teilnehmer an vier verschiedenen Stationen des Waldrundgangs.

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