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Steinhagens Bürgermeister tritt Anfeindungen gegen Skiurlauber entgegen

„Keiner hat von Corona etwas geahnt“

Steinhagen (WB). Dass eine Gruppe von Skiurlaubern aus dem österreichischen Ischgl das Coronavirus mit in die Gemeinde gebracht hat, haben sowohl der Kreis als auch Bürgermeister Klaus Besser benannt. Doch in den Sozialen Medien wurden die Brockhagener am Dienstag angegriffen, so dass sich sogar der Bürgermeister zu einem Machtwort genötigt sah.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Ein Ortsschild am Ende der Ortschaft Ischgl. Die Region Paznauntal mit dem Touristenort Ischgl steht wegen einer erhöhten Zahl von Coronavirus-Fällen unter Quarantäne. Foto: dpa

Besser sagte: „Schuld sind nicht die Jungs, die in Ischgl waren! Die konnten es nicht wissen. Wenn einer geschlafen hat, dann die österreichischen Behörden in Tirol und Ischgl, die eindeutigen Hinweisen aus Island erst viel zu spät nachgegangen sind. Also: Niemanden an den Pranger stellen.“

In Unkenntnis der Infektion auf einer Geburtstagsparty gewesen

„Keiner hat etwas von Corona geahnt, als wir zurückgefahren sind“, sagt einer der Skiurlauber und wehrt sich gegen den Vorwurf der Fahrlässigkeit. Er schildert dem WESTFALEN-BLATT den Ablauf der Ereignisse. Am Samstag, 7. März, seien die sechs nach einer Skiwoche in Tirol, in der Corona kein Thema gewesen sei, nach Brockhagen zurückgekehrt und am gleichen Abend zur Geburtstagsparty eines Freundes gegangen. Am Sonntag sei er mit seiner Familie noch in Bielefeld beim Handball gewesen. Sonntag­abend habe er ein Frösteln und Unwohlsein verspürt und sei Montag mit Krankheitssymptomen aufgewacht.

Test nicht im ersten Anlauf

Ischgl habe am Montag, 9. März, noch nicht als Krisenregion gegelten. Dennoch: „Ich habe mich richtig verhalten. Ich habe die Hotline des Kreises angerufen und bin an den Hausarzt verwiesen worden.“ Doch der habe ihn in Sachen Test vertröstet, zu dem es erst zwei Tage später gekommen sei, als ein anderer Hausarzt einen anderen Mitfahrer testen ließ. Am Mittwoch, 11. März, sei das Ergebnis gekommen: positiv.

„Wir hatten glücklicherweise die Kinder schon dienstags aus der Schule genommen, die auch bis heute negativ sind“, sagt er und übt Kritik an der Verfahrensweise: Ein Mitfahrer aus Hesseln sei bis heute nicht getestet worden, ebenso einige Partygäste – weil sie keine Symptome zeigten. Nicht nachvollziehbar angesichts von Infektionsketten, findet er.

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