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Rechtsstreit um Abmahnungen und Kündigung erledigt: Arbeitsverhältnis wird gegen Abfindung beendet

Kirche und Küster schließen Vergleich

Volker Hagemann

Auch das Dietrich-Bonhoeffer-Haus an der Brockhagener Straße hat der Küster mit betreut. Foto: Volker Hagemann

Steinhagen (WB). In den Streit zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Steinhagen und ihrem Küster kehrt zumindest rein rechtlich Ruhe ein. Vor dem Bielefelder Arbeitsgericht einigte man sich am Dienstag auf einen Vergleich: Das Dienstverhältnis wird gegen Zahlung einer Abfindung beendet.

Wegen mehrerer Vorwürfe hat die Kirche dem am 1. Juli 2015 eingestellten Küster eine Reihe an Abmahnungen erteilt. Mal ging es um angeblich falsche Erklärungen zu nächtlichem Glockengeläut, mal um das angeblich kostenfreie Zur-Verfügung-Stellen von Räumen des Dietrich-Bonhoeffer-Hauses für eine Trauung. Auch Reinigungsarbeiten und nicht rechtzeitig geöffnete Kirchentüren waren Streitthemen. Im Oktober 2017 schließlich wollte die Kirche ihrem Küster zum 31. Dezember 2017 kündigen.

Der widersprach seiner verhaltensbedingten Kündigung. Seine Anwältin Irini Mavreli erklärte beim Gütetermin im November, ihrem Mandanten seien lediglich Abmahn-Entwürfe zugegangen, außerdem habe der Nachweis der notwendigen Anhörung der Mitarbeitervertretung gefehlt. In der Kündigungsschutzklage formulierte sie, das Arbeitsverhältnis sei eben nicht rechtswirksam aufgelöst worden. Vor Gericht betonte der Küster am Dienstag noch einmal, er wolle seine Tätigkeit gern fortsetzen, mit den Menschen in der Gemeinde habe er gut zusammengearbeitet.

Richterin Annedore Witschen zu den Vorwürfen in den Abmahnungen der Kirchengemeinde

Ob die Vorwürfe in den Abmahnungen begründet seien, lasse sich nicht so einfach klären, gab Richterin Annedore Witschen zu bedenken: »Man müsste einige Aufklärungsarbeit leisten und viele Zeugen hören.« Ihre Vorschläge: Auflösung des Arbeitsverhältnisses gegen Zahlung einer Abfindung oder Weiterbeschäftigung in einem anderen Bezirk. Letzteres lehnte die Kirche ab: »Der Befund ist klar: Die können nicht mehr miteinander. Solche Parteien müssen auseinander«, stellte deren Anwalt Dr. Hans-Jürgen Hiekel klar. »An der Höhe der Abfindung soll’s nicht scheitern. «

Mehrere als Zeugen geladene Kirchenmitarbeiter mussten nicht vernommen werden

Am Ende einigten sich Kirche und Küster auf das Ende des Arbeitsverhältnisses zum 31. Dezember 2017 gegen Zahlung von 10.000 Euro Abfindung und Ausstellung eines »wohlwollenden qualifizierten Arbeitszeugnisses«. Mehrere am Dienstag als Zeugen geladene Kirchenmitarbeiter mussten dann doch nicht mehr vernommen werden.

Der Küster nach Ende des Prozesses

Laut Kirche werden derzeit Vertretungsdienste organisiert; jetzt sei »der Weg geebnet für die Suche nach einer Nachfolge.« Der Küster betonte: »Mir fällt es schwer, all die ehrenamtlich aktiven Menschen zurückzulassen, mit denen ich zusammengearbeitet habe. Sie sind mir ans Herz gewachsen.«

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