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Viele Jahre hat die Pfauendame Anwohner in der Siedlung am Esch genervt

Krönchen ist weg

Steinhagen  (WB). Über mehr als ein Jahrzehnt hat die Pfauendame Krönchen zur Siedlung am Esch gehört. Jahrelang hat sie die Anlieger mit ihrem Lärm und vor allem ihrem Dreck genervt – und sich allen Einfangversuchen entzogen. Nun aber ist sie weg.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Pfauendame Krönchen ist mehr als zehn Jahre lang durch die Wohnsiedlung am Steinhagener Esch stolziert. Foto: WB

Krönchen wurde sie wegen der kronenartigen Federn auf ihrem Kopf genannt. »Ist sie verstorben? Oder hat sie doch noch jemand gefangen? Hat sie sich vielleicht einen neuen Lebensraum gesucht?«, fragt sich Margret Köhre.

In ihrem Garten hat sie Pfauendame seit vielen Jahren die Nächte auf der Pergola verbracht. Abends kam sie bei einem bestimmten Sonnenstand, morgens verließ sie den Garten und streifte in der Siedlung und der Umgebung herum. Abends war sie wieder da. Dann vollzog sie nach Schilderung von Margret Köhre immer das gleiche Ritual: Sie schritt den Garten ab, dann setzte sie sich ein Stück weit von der Pergola entfernt auf den Rasen, fixierte die Pergola, sammelte Kraft und sprang dann mit einem großen Satz auf das zwei Meter hohe Holzgestell, wo sie sich für die Nacht einrichtete.

Viel hinter Krönchen hinterhergeputzt

Doch seit Anfang des vergangenen Monats ist der Pfau nicht mehr gesehen worden. Weder von Margret Köhre noch ihren Nachbarn.

Das Bedauern über Krönchens Fernbleiben hält sich bei Margret Köhre sehr in Grenzen – um nicht zu sagen: Sie ist erleichtert. » Krönchen, wo bist Du? Wir vermissen Dich nicht!“, schreibt sie an diesem Samstag auch in einer Anzeige im WESTFALEN-BLATT.

Denn die Pfauendame hat ihre Geduld über Jahre strapaziert. Nicht nur, weil sie laut krähte: »Vor allem wegen der Haufen, die sie überall hinterlassen hat«, sagt die Steinhagenerin. Morgen für Morgen hat Krönchen ihr Geschäft in einer Ecke des Köhreschen Hauseingangs erledigt. Und die Hausfrau musste jeden Tag alles wegputzen. Mitunter ist der Vogel sogar in der Nachbarschaft durch die offene Terrassentür in Wohnstuben eingedrungen und hat dort große Haufen auf dem Teppich hinterlassen.

Zurück bleibt nur eine einzelne Feder

Margret Köhre spricht von Terror: »Wir haben alles mögliche versucht, um den Pfau los zu werden, nichts hat geholfen«, so Margret Köhre. So blieb nur, ihn zu ertragen. Sie rechnet nicht damit, den großen Vogel wiederzusehen. Möglicherweise habe sich die Pfauenhenne, die vor zwölf Jahren oder mehr in das Wohngebiet eingedrungen ist, zum Sterben irgendwohin zurückgezogen, mutmaßt sie. Eines hat ihr Krönchen noch hinterlassen: eine einzelne Feder.

Und das ist fast romantisch, so wie die Legende, die sich um Krönchens Herkunft rankt. Einst sollen zwei Pfauen auf dem Ströhen einem Brautpaar geschenkt worden sein. Doch die beiden Vögel brannten durch und lebten fortan am Rande des Wohngebiets Esch. Zweischenzeitlich sollen es sogar drei Vögel gewesen sein, die durch die Gärten streiften und sich gerne an den Blumenbeeten in der Umgebung bedienten. Übrig blieb aber nur Krönchen. Und auch sie scheint nun der Vergangenheit anzugehören.

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