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Aktionen bei Schaeffler auch in Steinhagen: Betriebsrat appelliert, Standorte zu erhalten

„Lasst das Licht an!“

Steinhagen

„Wir würden gern streiken, aber das ist coronabedingt nicht möglich“, sagt Jörg Schütze, Schaeffler-Betriebsratsvorsitzender am Standort Steinhagen. Doch der Appell auch der Steinhagener Belegschaft, des Betriebsrates und der IG Metall ist dennoch eindringlich: „Lasst das Licht an!“ hatten sie am Freitag aus zahlreichen Teelichten formuliert. 162 der noch 400 Stellen im Steinhagener Werk seien von Kündigung bedroht, sagt Schütze. Betriebsrat und IG Metall fordern, das Werk an der Gottlieb-Daimler-Straße zukunftsfähig zu machen.

Volker Hagemann

Blick auf das Steinhagener Schaeffler-Werk an der Gottlieb-Daimler-Straße. Foto: Volker Hagemann

Die angespannte Lage bei Autoherstellern und -zulieferern ist durch die Corona-Pandemie verschärft worden. Zwar entstehen bei Schaeffler in Steinhagen Gelenklager und Synchronisationselemente nicht nur für die Autoindustrie, sondern auch für Kunden aus dem Stahlwasserbau, dem Gebäudebau, der Windkraft- und Schwermaschinenindustrie. Doch wegen rückläufiger Gewinne hält die Geschäftsführung im fränkischen Herzogenaurach an Sparmaßnahmen fest, zu denen erheblicher Personalabbau zählt. In den vergangenen Jahren gab es Kurzarbeit auch im Steinhagener Werk. Im September 2020 kündigte Schaeffler weitreichende Abbaupläne für Deutschland im Rahmen des Programms „SPACE“ an. Laut Betriebsrat sind 4400 Arbeitsplätze gefährdet.

Zur Erstellung von Gegenkonzepten beauftragte der Betriebsrat die arbeitnehmernahen Berater des Info-Institutes Saarbrücken. Am Freitag hatten die örtlichen Betriebsräte und die IG Metall bundesweit einen Aktionstag organisiert, um ihre Forderung zu unterstreichen, in den Verhandlungen zum Restrukturierungsprogramm „SPACE“ alle Standorte zu erhalten und auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. „Auch in Steinhagen führten wir Corona-konforme Aktionen durch, informierten die Belegschaft in Kleingruppen“, berichtet Jörg Schütze. Symbolisch initiierte man außerdem die beschriebene Teelicht-Aktion.

„Sinnvoller wäre es, das Geld für technologische Kreativität in die Hand zu nehmen“

„Statt der Stellenstreichungen fordern wir, uns in Steinhagen mit neuen Produktionsanlagen und Produkten zukunftsfähig aufzustellen. Auch gekündigte Mitarbeiter kosten Geld. Sinnvoller wäre es, das Geld für technologische Kreativität in die Hand zu nehmen“, erklärt Schütze im WB-Gespräch. „Wir fordern das Unternehmen nachdrücklich auf, die betriebswirtschaftlich tragfähigen Gegenvorschläge der Betriebsräte aufzunehmen. Das Unternehmen ist jetzt in der Pflicht, die Ursprungspläne zu überdenken und den Betriebsräten, den Beschäftigten und für die Standorte Alternativen aufzuzeigen“, betont der Steinhagener Betriebsratsvorsitzende. Immerhin habe man am Donnerstag in Steinhagen „ernsthafte Verhandlungen mit der aus Herzogenaurach angereisten Führungsebene gehabt, um den Standort zukunftsfähig zu halten. Am 24. Februar wird weiter verhandelt.“

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