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Hegering Steinhagen freut sich über Sponsoren für eine lebensrettende Arbeit im Feld

Mit Tempo und Technik Rehkitze retten

Steinhagen-Brockhagen (WB). „Die Kitze laufen einfach nicht weg“, sagt Hegering-Vorsitzender Frank Meise und erklärt damit auch den Sponsoren, warum die Anschaffung einer Drohne so wichtig war. Denn sie erkennt viel mehr als menschliche Augen und kann die Helfer auf diese Weise in die richtige Richtung schicken, um ein kleines unschuldiges Leben zu retten.

Eische Loose

Erfolgreich in die Luft gegangen (von links): Theda Meise, KSK-Vorstandsmitglied Henning Bauer, Marco Diekmann, Frank Meise, Harald Brune, Bürgermeister Klaus Besser und Mechthild Frentrup schauten auf die erfolgreiche Rettung von rund 150 Kitzen zurück. Foto: Eische Loose

Acht Wochen lang haben die Heger Steinhagens das junge Leben im Auge. Denn von Ende April an verstecken die Rehe ihre Kitze in den Feldern und lassen sie dort allein, um selbst Futter zu suchen oder abseits zu schlafen. Im Normalfall sind die Jungtiere dabei durch ihre Fellfarbe – sie erinnern am eine Margaritenwiese, braun mit weißen Flecken – geschützt und durch ihr Verhalten. Denn sie rollen sich zusammen und halten völlig still.

Drohne kann die im Feld liegenden Tiere rechtzeitig vor dem Mähdrescher entdecken

„Dabei bleiben sie liegen, selbst wenn man sie berührt, ein Hund an ihnen schnuppert oder eben die große Mähmaschine kommt“, erklärt Frank Meise. Zwar gab es schon verschiedene Versuche, sie zu retten. Doch die haben allesamt nur wenig gefruchtet. Jetzt ziehen die Heger selbst los. Mit vielen Freiwilligen bilden sie eine lange Reihe wie bei der Treibjagd. Über ihnen fliegt dabei in 60 Metern Höhe eine Drohne, die eine Kamera trägt. Sie sieht auch aus dieser großen Entfernung Kitze, Hasenkinder und Gelege genau.

Zeigt einer der Piloten, meist Maschinist und Schriftführer Marco Diekmann, dies an, spurtet der nächste Läufer los. Mit Händen voll Gras, um den Geruch nicht zu verfälschen, nimmt er das Kitz auf und schickt es in Richtung Mutter oder Waldrand, wo es sicher ist. „Wir sind dabei immer im Wettstreit mit den Maschinen, die gleich hinter uns fahren. Denn wenn wir zu lange warten, liegen die Kitze wieder dort“, erzählt Marco Diekmann und lässt zur Demonstration die Drohne fliegen.

Bereits 147 Kitze auf 560 Hektar Acker gerettet

„Wir konnten in diesem Jahr jeden Morgen 35 bis 40 Hektar abfliegen – insgesamt 560 Hektar – und dabei 147 Kitze retten. Das haben wir selber nicht geglaubt“, meint Frank Meise. Er bedankte sich daher bei seinem Maschinisten und dem Koordinator Günter Cyriaci, vor allem jedoch bei den vielen vor allem jugendlichen Helfern. Zudem war der Hegering auf die Mithilfe von insgesamt 45 Sponsoren angewiesen. Die höchsten Summen spendete die Gemeinde mit 6000 Euro. „Da gab es auch keinen Widerspruch im Rat“, meinte Bürgermeister Klaus Besser. Und die Kreissparkasse förderte die Maßnahme mit 2000 Euro aus ihrer Stiftung, erzählte Vorstandsmitglied Henning Bauer. Eine private Spende von 1000 Euro und 960 Euro der AGS für spezielle Jacken machten das dicke Paket komplett.

Hunde während der Setz- und Brutsaison unbedingt anleinen

Allerdings lauert für die Wildtiere noch an anderer Stelle Gefahr, verdeutlichte der zweite Vorsitzende Harald Brune. Anhand einer Geschichte seines eigenen Hundes rief er alle Hundebesitzer auf, ihre Tiere während der Setz- und Brutsaison strikt anzuleinen. Denn selbst ein gut ausgebildeter Jagdhund kann seinem Jagdtrieb nicht widerstehen.

Frank Meise kündigte darüber hinaus an, dass es nach den Corona-Beschränkungen noch ein ausführliches Dankeschön für alle Helfer geben wird.

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