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Reinhold Beckmann tritt mit seiner Band in Brockhagen auf – Interview mit dem WESTFALEN-BLATT

»Musik macht mich einfach glücklich«

Steinhagen (WB). Seine Mutter kommt aus Welligholzhausen. Und somit ist die Gegend des Teutoburger Waldes dem bekannten TV-Moderator Reinhold Beckmann vertraut. Und insofern ist das Gastspiel, das er als Musiker mit seiner Band im Rahmen der Kulturtage am Sonntag, 10. November, in der Brockhagener St. Georgskirche gibt, nicht nur ein »Freispiel« – so der Titel von Album und Konzert –, sondern auch ein Heimspiel. Vorab hat WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Annemarie Bluhm-Weinhold mit ihm über seine Musik gesprochen.

»Beckmann und Band« spielen am 10. November in der St. Georgskirche Brockhagen: Das sind neben reinhold beckmann (vorne) Jan-Peter Klöpfel (Keyboard, Trompete), Johannes Wennrich (Gitarre), Thomas Biller (Bass) und Robin McMinn (Schlagzeug). Foto: Brinkhoff-Moegenburg

Als Moderator und Sportkommentator kennt man Sie. Provozierend könnte man sagen: Jetzt singt er auch noch und spielt Gitarre. Wie kam es zur Musik und zur Gesangskarriere?

Reinhold Beckmann: Die Frage kann ich gut nachvollziehen. Als Journalist würde ich sie genauso stellen. Aber ich mache das ja schon seit einigen Jahren. Ich habe schon zwei CDs veröffentlicht und die dritte kommt im nächsten Jahr. Musik gemacht habe ich eigentlich immer. Schon mit 15, 16 ging es mit der ersten Band los. Es war gefühlt so was wie die erste Punkband, bevor es überhaupt Punk gab. Anders gesagt: Wir waren einfach laut und schlecht. Musik war immer ein Teil meines Lebens und ein großer Sehnsuchtsort. Ich habe damals nach dem Abi sogar mal kurz überlegt, dieses Fach zu studieren. Klassische Gitarre. Aber ich wusste auch, dass meine Musik eine andere ist, denn ich war total infiziert vom Sound der 70er Jahre. Was Woodstock damals für meine Generation ausgelöst hat, hat mich beeindruckt und stark beeinflusst.

Man hört die 70er-Jahre-Musik bei Ihnen ja deutlich heraus. Sie machen ein bisschen jazzig und lässig, rockig, Folk- und Country-Einflüsse und Soul.

Beckmann: Ein Vorbild für mich ist auch die klassische Liedermachergeneration aus den 70ern, weil sie ganz einfach Geschichten erzählt hat, die direkt ankommen. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass ich erst den Text schreibe und dann die Musik. Erst in letzter Zeit habe ich jetzt die Erfahrung gemacht, dass erst die Musik und dann den Text zu haben auch zu einem guten Ergebnis führen kann.

Ist es Ihnen wichtig, Geschichten zu erzählen? Auch gesellschaftlich-politische Themen anzusprechen, dann wieder die großen Gefühle. Ist Musik ein Medium, das Ihnen das gibt, was Sie als Journalist und Moderator nicht ausdrücken können, wenn man mit anderen Themen unterwegs ist?

Beckmann: Es macht mich einfach glücklich und ich empfinde einen Riesenspaß dabei. Beim Fernsehen kümmerst du dich um andere. Du schaust auf Biografien anderer Menschen und arbeitest dich in Themen ein. Wenn die Sendung vorbei ist, legst du dein Konzept zur Seite und konzentrierst dich in der nächsten Woche auf ein Neues. Da spiele ich als Person nur eine untergeordnete Rolle. Und das ist auch gut so. Bei der Musik auf der Bühne ist das anders. Die Leute erfahren dort viel mehr von mir. Ich habe einen Weg gefunden, nicht nur kleine poetische Gedanken einzubringen, sondern auch Stellung zu beziehen.

Konzert und Karten

Reinhold Beckmann und Band sind am Sonntag, 10. November, in der St. Georgskirche Brockhagen zu hören. Das Konzert »Freispiel« beginnt um 17 Uhr. Karten zum Preis von 19 Euro gibt es im Vorverkauf in der Bürgerberatung im Rathaus.

»Beckmann und Band«, das sind neben Beckmann (Gesang, Gitarre) selbst Jan-Peter Klöpfel (Keyboard, Trompete), Johannes Wennrich (Gitarre), Thomas Biller (Bass) und Robin McMinn (Schlagzeug).

Wird das in Brockhagen auch so sein?

Beckmann: Es gibt einen entsprechenden Block an diesem Abend, da wird zum Beispiel auch das Flüchtlingsthema aufgegriffen. Der Song heißt »Wohin in dieser Welt?« und an dieser Stelle werde ich auch ein wenig von der Integrationsarbeit sprechen, die wir in Hamburg seit 20 Jahren mit meinem Verein NestWerk e.V. leisten. Das Stück »Am Rand der Zeit« reflektiert so ein bisschen die Zerrissenheit in der aktuellen gesellschaftlichen Lage. Und auch die Stolpersteine des Lebens sind ein Thema: all die großen und kleinen Rückschläge, die jeder von uns kennt. Perfektes Leben gibt es nicht. Und dann folgt ein Teil Lebenspoesien, denen jeder von uns auf seine Weise begegnet. Zum Schluss wird es dann sehr humorvoll... Mal sehen, ob wir die Kirche auch zum Tanzen kriegen. Ich freue mich auf jeden Fall sehr auf das Konzert.

Mir scheint es ein bisschen so, dass nicht Sie zur Musik gekommen sind, sondern die Musik zu Ihnen. Ist da was dran?

Beckmann: Nun ja, sie hat mir zumindest immer wieder Impulse gegeben. Und irgendwann habe ich mich dann auch für diesen neuen Schwerpunkt entschieden. In früheren Fernsehtagen war die Musik für mich immer eine Möglichkeit der Flucht, wenn ich etwa zu viel gearbeitet habe. Dabei konnte ich wunderbar abschalten und entspannen. Aber den liebevollen Tritt haben mir letztendlich zwei Musiker der Band von »Inas Nacht« gegeben. Ich war zu Gast in Ina Müllers allererster Sendung und wir haben zusammen einen Bossanova gesungen Danach kamen die beiden zu mir und sagten: Mensch, Reinhold, lass uns doch mal zusammen Musik machen. Und daraus entstand dann schon recht bald das Projekt Reinhold Beckmann und Band. Jetzt spielen wir 40 bis 50 Konzerte im Jahr. Wir genießen die Nähe zum Publikum. Das kann Fernsehen nicht.

Ist das dann auch so ein bisschen titelgebend, symbolisch, dass Sie Ihr zweites Album »Freispiel« genannt haben?

Beckmann: Absolut. Ich habe ein paar Sachen abgeworfen und mich entschieden, mein Leben ziemlich zu verändern. Ich bin nicht mehr in dem Maße vor der Kamera wie früher, produziere aber mit meiner Firma noch politische Dokumentationen und Sendungen mit z.B. Ina Müller oder Olli Dittrich. Diese neue Form der Unabhängigkeit, mir die Zeit für das Schreiben von Texten und Songs zu nehmen, empfinde ich als Geschenk. Ebenso wie mit den Jungs auf Tour unterwegs zu sein. Schon donnerstags freue ich mich, wenn ich weiß, wir spielen am Wochenende wieder gemeinsam Konzerte.

Apropos Kapelle. Die Chemie muss ja auch stimmen. Wie kommt man da zusammen?

Beckmann: Es sind ja alles professionelle Musiker aus verschiedensten Genres. Wir kennen uns sehr lange aus Hamburg. Jan-Peter und Thomas sind schon von Beginn an dabei. Johannes, unser Gitarrist, war mein Gitarrenlehrer und kam dann später dazu. Wir ticken stilistisch einfach gleich, obwohl er 20 Jahre jünger ist als ich. Er liebt die Spielweise der 70er Jahre, wie ich. Und dann haben wir noch unseren jungen, echten Typen in der Band: Robin. Wir brauchen ja einen vorzeigbaren Kerl...

...und den setzen Sie hinters Schlagzeug?

Beckmann: Naja, er thront perfekt mittig – und da gehört er hin. Ganz modern hat er übrigens vor nicht allzu langer Zeit geheiratet und den Namen seiner Frau angenommen und heißt jetzt McMinn.

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