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Andrea Feirros aus Mexiko ist FSJlerin im Steinhagener Haus der Jugend

Neue Kulturen kennen lernen

Steinhagen  (WB). Sie kommt aus einer kargen Landschaft: In Hermosillo im Nordwesten Mexikos ist Wüste. Vielleicht mag Andrea Feirros deshalb so gerne die Natur in Deutschland, den Wald. Auch das Essen liebt sie – und die Menschen haben sie herzlich aufgenommen. „Ich habe mich gleich wie zu Hause gefühlt“, sagt Andrea Feirros. Die 22-Jährige ist seit dem 1. September im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) im Steinhagener Haus der Jugend Checkpoint. „Die einzige von uns mit einer Vollzeitstelle von 39 Stunden“, sagt Checkpoint-Leiterin Carmen Höfing. „Andrea ist eine echte Bereicherung“, findet sie.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Kinder und Jugendliche liegen ihr am Herzen: Andrea Feirros aus Mexiko ist für zwölf Monate FSJlerin im Steinhagener Haus der Jugend. Danach möchte sie Kunstgeschichte studieren – vielleicht sogar in Bielefeld. Foto: Bluhm-Weinhold

In Deutschland ist die Mexikanerin schon länger. Zuvor war sie seit August 2019 als Aupair bei einer Familie in Brockhagen und ist mit ihren Schützlingen immer beim Spielmobil gewesen, wenn das mittwochs im Ortsteil Halt machte. Dort lernte sie Spielmobil-Leiterin Susanne Sonder kennen: „Susanne hat sehr von Andrea und ihrem Umgang mit Kindern geschwärmt“, sagt Carmen Höfing.

Heimat eröffnet viele Gespräche

Und als Andrea Feirros im April entschied, länger in Deutschland bleiben zu wollen, setzte sich Susanne Sonder bei der AWO im Kreis Gütersloh, Trägerin des Hauses der Jugend, dafür ein, dass eine Stelle geschaffen wurde. Die gab es vorher nämlich nicht. Nun läuft sie über den AWO-Bezirksverband Bielefeld, der für die FSJler auch Seminare anbietet. „Wir haben dieses Jahr auch niemanden im Anerkennungsjahr. Insofern passte das einfach gut“, so die Checkpoint-Leiterin. Zwölf Monate umfasst ein FSJ mindestens, 18 Monate maximal.

Im Haus der Jugend ist Andrea Feirros bei allen Programmpunkten dabei, bei Projektarbeit wie in dieser Woche beim Weihnachtsbasteln ebenso wie beim Spielmobil oder bei den offenen Treffs. Dabei kommt sie über ihre Heimat mit ganz vielen Jugendlichen ins Gespräch. „Sie fragen mich, woher ich komme. Und dann erzähle ich von Mexiko und von meiner Geschichte, und die Jugendlichen erzählen von sich“, sagt sie. „Andrea bringt uns tolle Impulse für unsere Arbeit“, sagt Carmen Höfing.

In erster Linie will Andrea Feirros durch ihr FSJ-Jahr ihr Deutsch verbessern. „Es hat Spaß gemacht, mit einem dreijährigen Jungen Deutsch zu lernen“, sagt Andrea Feirros. Ansonsten hat sie mit den Kindern ihrer Aupair-Familie viel Englisch gesprochen.

Studium der Kunstgeschichte

2018 war sie bereits für drei Monate als Aupair in Italien, kehrte zunächst zwar nach Mexiko zurück, fasste aber den Wunsch, wieder nach Europa, diesmal nach Deutschland zu gehen. Deutsche Wurzeln hat sie nicht, eine Cousine ihres Vaters lebt zwar in Lemgo, aber: „Die Nähe ist Zufall“, sagt die 22-Jährige. Wie ist sie auf Deutschland gekommen? In Italien ist doch das Wetter besser. „Und die Sprache leichter zu lernen. Aber ich mag es, neue Kulturen kennen zu lernen“, schildert sie ihre Motivation.

Obwohl ihr die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen Spaß macht, will sie das später nicht beruflich machen. Eingeschrieben ist sie zum Fernstudium im Studiengang Cultural Management an der Uni von Guadalajara in Mexiko. Gerne würde sie aber in Deutschland bleiben und an einer Präsenzuni Kunstgeschichte studieren. In Bielefeld gibt es einen passenden Bachelorstudiengang. Vielleicht eine Überlegung wert? Dann könnte sie in Amshausen wohnen bleiben und im Haus der Jugend jobben wie das andere Studentinnen auch tun – aber das ist Zukunftsmusik. Zunächst heißt es: weiter Deutsch lernen und die Kunstpädagogik im Haus der Jugend weiter voranbringen. Daheim in Mexiko ist sie noch nicht wieder gewesen. Ein Flug war gebucht, aber dann kam Corona...

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