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Bürgerkomitee und Ford Hagemeier bauen neue Schule in Benin

Professor ist ein Sparfuchs

Steinhagen/Halle  (WB). Dass Kinder sich so auf die Schule freuen können: Im Dorf Sahé im westafrikanischen Benin haben die Schüler gejubelt, als sie in ihr neues Schulgebäude eingezogen sind. Zu verdanken haben sie es dem Haller Autohaus Hagemeier und dem Steinhagener Gemeinde-Bürgerkomitee.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Die Kinder sind eingezogen in das vom Haller Autohaus Hagemeier finanzierte Schulgebäude und freuen sich über die neuen Räume. Drei Klassenzimmer, das Lehrerzimmer und ein Materialraum sind entstanden. Foto: Tokponto

Das Bürgerkomitee hatte die Kontakte, das Autohaus das Geld: Wie berichtet, haben die sozial engagierten Inhaber André und Oliver Quakernack anlässlich des Neubaus ihres Autohauses ein weiteres Haus gebaut: das Schulhaus in Sahé. Dessen Vorgänger war im Frühjahr 2016 von einem Sturm zerstört worden, so dass 420 Schüler in der Ruine und unter freiem Himmel unterrichtet werden mussten.

Zu den geladenen Gästen zählte gestern Abend bei der Eröffnung des Autohauses in Künsebeck auch Prof. Dr. Mensah Wekenon Tokponto. Er ist gewissermaßen der Bauherr der Schule. Der Germanistikprofessor setzt sich seit Studienzeiten für die Bildung der Kinder in seiner Heimat mit dem von ihm mitgegründeten Stuttgarter Verein »Sonafa« ein.

1554 Euro eingespart

92 Klassenräume hat der Verein in den vergangenen 13 Jahren in Benin gebaut, und der Professor ist offenbar gut im Verhandeln und in der Bauaufsicht: »Die Schule in Sahé ist pünktlich fertig geworden und zudem kostengünstiger als geplant.« 1554 Euro hat Tokponto von den insgesamt veranschlagten 16 000 Euro eingespart.

»Ich bin auch selbst schon einmal übers Ohr gehauen worden. Deshalb gebe ich nicht nur das Geld, sondern gehe mit dem Baumeister selbst die Materialien kaufen und verhandle die Preise. So ist das bei uns üblich«, sagt er. Beispielsweise wurden 39 Tonnen Zement für die Herstellung der Ziegel gebraucht – 18 Euro pro Tonne hat der Professor am Ende weniger zahlen müssen. Und auch den Ausverkauf in einem Baumarkt in Benins Hauptstadt Cotonou nutzte Tokponto, um ordentlich Rabatt beim Einkauf der Farben herauszuschlagen.

Bevölkerung erbringt Eigenleistung

Was sich ebenfalls auf die Baupreise auswirkt, aber natürlich auch förderlich für den Bezug der Bevölkerung zu ihrer Schule ist: Die Bürger von Sahé waren vertraglich verpflichtet, Eigenleistungen zu erbringen etwa beim Ausheben der Baugrube oder beim Ebnen der Böden. »Wir machen auch mit allen Bürgermeistern der Orte, wo wir Schulen bauen, einen Vertrag, der sie zu Renovierungen verpflichtet. Wir wollen nicht, dass die Gebäude wieder verfallen«, so Tokponto.

Dass die Schule nicht nur gebaut, sondern auch mit Schulbänken ausgestattet ist, dafür haben das Bürgerkomitee und die Familie Quakernack ebenfalls gesorgt. Sie haben Stifter für 62 Schulbänke gefunden. Es waren sogar einige Bänke mehr als benötigt, die der Verein nun auf andere Schule im Land verteilen kann.

Das Bürgerkomitee hat mehrfach mit »Sonafa« kooperiert. Gerade sind wieder zwei Latrinen an Schulen finanziert worden, die wichtig sind, um die Typhus-Gefahr einzudämmen. Wie notwendig weiteres Engagement durch »Sonafa« ist, hat Tokponto jüngst im abseits gelegenen Dorf Mamouda gesehen: »Dort steht ein Schulgebäude, das keine Wände und nur ein Dach aus Palmwedeln hat. Der Schulhof ist Wiese.«

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