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Kantorin und früheres Küster-Ehepaar lesen in Steinhagen beim „Literarischen Adventskalender Online-Spezial“

Rathaus-Studio statt Dorfkirche

Steinhagen

Es ist wenigstens ein klein bisschen so wie sonst im Steinhagener Advent. Nur sitzen Zuhörer und Vorleser nicht gemeinsam in der Dorfkirche, sondern die einen vorm Tablet oder PC zu Hause, die anderen im Studio im Rathaus.

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Im „Literarischer Advent“-Studio: Kantorin Annette Petrick hat vorgelesen, Harfenistin Jana Pachel hat Weihnachtslieder gespielt. Foto: WB

Stimmungsvoll waren sie am Mittwochabend dennoch: die „Adventslichtergeschichten“, diesmal vorgetragen von Kantorin Annette Petrick, Küster i.R. Horst Bartelniewöhner und seiner Ehefrau Cornelia, mit musikalischer Begleitung von Jana Pachel an der Harfe.

Da konnte man es sich mit einem Tässchen Glühwein und Kerzenschein auch zu Hause gemütlich machen. Nach einem durch die Harfe sehr sanften „Gloria in excelsis Deo“, das dank der guten Mikrofon-Technik schön zu hören war, las Kantorin Annette Petrick den ersten Text – bedrückend einerseits, Mut machend andererseits. Es waren Auszüge aus einem Brief von Dietrich Bonhoeffer an seine Familie. Weihnachten 1943 saß der Theologe, Widerstandskämpfer gegen Hitler, bereits in Haft.

Er sei von allen Menschen getrennt, an denen er hänge, schrieb der Theologe. Zwar sei die Anwesenheit eines lieben Menschen durch nichts zu ersetzen. Doch gerade durch die Lücke, die trenne, bleibe man umso mehr verbunden.

Der Literarische Advent lebt vom Stimmungswechsel, von nachdenklich machenden, aber auch heiteren Geschichten. Und als Cornelia Bartelniewöhner vom Krippenspiel des Kindergartens vorlas, das wegen eines Wasserschadens ins Altenheim verlegt werden muss, da ging es auch um einen kindlichen – sprich: natürlichen – Umgang mit dem Thema Demenz.

Weihachten alleine? In der Geschichte von den Weihnachtsträumen, die Horst Bartelniewöhner vorlas, stiftet ein Küster spontan und auf außergewöhnliche Weise am Heiligen Abend Gemeinschaft.

Cornelia Bartelniewöhner ging in einer Geschichte, in der der Wirt jener Herberge in Bethlehem zu Wort kommt, der Maria und Josef abgewiesen hatte, mit Borniertheit, Diskriminierung und Rassismus ins Gericht.

Und fröhliches Weihnachtschaos verbreitete Annette Petrick, als sie zum Abschluss von dem tollpatschigen Vater las, dem am Heiligabend so gar nichts gelingen will.

Die vergangenen „Adventslichtergeschichten“ (Landfrauen und Kirchengemeinde) sind weiterhin abrufbar. Nächste Woche lesen am Dienstag, 15. Dezember, die Steinhagener Stadtführerinnen und Stadtführer. Der Live-Stream beginnt um 19 Uhr und ist über einen Link auf der Gemeinde-Homepage (steinhagen.de) oder der Gemeindebibliothek (bibliothek.de) zu erreichen.

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