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Interview mit Andreas Wessels, Vorsitzender der Spvg. Steinhagen, zum Bau des Hörmann-Sportzentrums

„Respekt vor der Aufgabe und dem Projekt“

Steinhagen (WB)

Aus dem Boden wächst es noch nicht. Doch das Riesen-Projekt der Sportvereinigung Steinhagen, das Hörmann-Sportzentrum, wird bald auch sichtbar Formen annehmen. Und dann sind die Mitglieder als Mitgestalter gefragt, sagt Vorsitzender Andreas Wessels im Interview.

Annemarie Bluhm-Weinhold

„Wir haben eine Vision entwickelt und weitergeführt“, sagt Vorsitzender Andreas Wessels. Foto: Annemarie Bluhm-Weinhold

Haben Sie manchmal Angst vor der eigenen Courage angesichts des Umfangs Ihres Bauprojekts?

Andreas Wessels: Eigentlich nicht. Letztendlich hat das mit Courage gar nicht so viel zu tun, sondern mit Respekt vor der Aufgabe und dem Projekt. Das muss man schon mitbringen. Außerdem muss ich das ja nicht alleine entscheiden. Dazu gehört ein Team, ohne das es nicht ginge. Das Team umfasst zwei Gremien, Lenkungsausschuss und Bauausschuss, und das Team um die Bauwerkstadt, unsere Architekten. Ohne die ginge es nicht. Wir haben eine Vision entwickelt und weitergeführt. Vielleicht war ich die treibende Kraft, weil ich mir am Anfang als einziger vorstellen konnte, wie wir das umsetzen. Aber dann braucht man Personen, die das mittragen. Wichtig ist, dass man mit den Füßen auf dem Boden bleibt, viel kommuniziert und diskutiert und am Ende des Tages die richtigen Entscheidungen trifft.

Hätte man nicht wieder eine einfache neue Sporthalle bauen können?

Wessels: Sicherlich haben wir darüber nachgedacht. Aber ich glaube, dass es für den Verein keine Alternative war. Natürlich waren und sind wir sehr glücklich, über eine eigene Sporthalle verfügen zu können, dies wollten wir nicht aufgeben, weil wir in den Ferien durchtrainieren können, weil wir eigene Sportflächen haben, über deren Nutzung wir selbst entscheiden und auch gestalten können. Wir waren aber auch mit bestimmten Dingen unzufrieden und haben die Vision entwickelt, den Verein auf eine andere Ebene zu heben, um ihn zukunftsorientiert weiterzuführen.

Und das sind die Chancen, die nur ein Sportzentrum bietet?

Wessels: Genau. Und das ist das große Thema gewesen, dass wir unsere eigene Sporthalle behalten und nicht abgeben wollten an die Gemeinde. Sie steht auf einem Gemeindegrundstück, das wir in Erbpacht gemietet haben. Letztlich ist die Cronsbachsporthalle und wird das Hörmann Sportzentrum aber auch für das Gymnasium und die Realschule wichtig, um genügend Sportunterricht anbieten zu können. So sind wir ins Gespräch mit der Gemeinde und dem Bürgermeister gekommen, was die Gemeinde für den Verein tun kann und was wir tun können, um der Gemeinde Sportfläche anzubieten, und haben unseren Plan vorgestellt. Wir haben dann in Höhe einer Investitionssumme für eine Zweifachsporthalle den Antrag auf Förderung durch die Gemeinde gestellt. Daher kommen die drei Millionen Euro an Gemeindeförderung, dieser ist der Investitionsbetrag für eine Zweifachsporthalle im Jahre 2017.

Man muss ja auch die Mitglieder in dieses Projekt mitnehmen. Viele waren aktiv dabei, als Mitte der 80er Jahre die Cronsbachhalle gebaut wurde. Jetzt geht es um ein Millionen-Projekt, das nicht mehr in der Hand der Mitglieder liegt. Wie kriegt man sie mental mit an die Schüppe?

Wessels: Aktuell ist das schwierig. Man kann jetzt nur den Baufortschritt zeigen. Eigenleistung ist schon aufgrund der Gewährleistungsansprüche schwer möglich. Nach der Mitgliederversammlung 2017, als wir unsere Vision vorgestellt haben, haben wir im Anschluss versucht, viele Mitglieder mitzunehmen. Denn es gab danach die so genannten Planungsbüro-Termine. Dort haben sich eine Menge Leute eingebracht. Es gab eine Menge Wünsche, Anregungen und Ideen.

Auch eine Menge Erwartungen?

Wessels: Ich glaube nicht. Und wenn, wurden sie nicht dazu benutzt, um uns als Vorstand unter Druck zu setzen. Wichtiger Punkt war eher die Frage, was man mit der neuen Halle erreichen will. Auch Nachhaltigkeit, mehr Sportfläche, Gestaltung der Sporthalle, das waren eine ganze Reihe an Fakten, aus denen der heutige Stand das Sportzentrum entstanden ist.

Das ist ja auch noch mal eine Nummer größer geworden. Im März 2017 sind die ersten Pläne vorgestellt worden. Damals waren die Kosten bei 4,5 Millionen Euro. Inzwischen sind wir drei Jahre später und die Kosten sind bei 6,4 Millionen. Was ist der Grund?

Wessels: 6,3 Millionen Euro ist der letzte Stand. Letztendlich ist im Zuge der Planungsbürotermine eine Erweiterung entstanden. Das Bedürfnis nach mehr Sportfläche war aus den Abteilungen so stark, dass wir einen vierten Hallenteil in unsere Überlegungen mit einbezogen haben. Wir hatten die Idee, in einem Sportzentrum mehr Gemeinschaft, eine Zentralisierung des Vereins am Cronsbach, mehr abteilungsübergreifende Kontakte zu entwickeln und zu verwirklichen. Aber natürlich müssen wir die Bedürfnisse der einzelnen Sportler berücksichtigen. So ist der vierte Hallenteil entstanden. Das bedeutet bessere Trainingsmöglichkeiten und -zeiten in der Zukunft, zumindest für den einen oder anderen Bereich. Der vierte Hallenteil schlägt mit ungefähr 900.000 bis einer Million Euro zu Buche. Die restliche Summe on top, das sind gestiegene Baukosten in den fünf, sechs Jahren der Planung. Wir können nur das bauen, was wir uns auch leisten können. Deswegen verändert sich die Planung immer mal wieder.

Inwiefern?

Wessels: Wenn wir sehen, dass wir mit den Kosten nicht hinkommen, müssen wir abspecken.

Das heißt konkret?

Wessels: Wir hatten erst ein zwei- oder dreistöckiges Gebäude geplant. Und jetzt werden wir ebenerdig in die Halle reingehen können und auf das erste Obergeschoss verzichten. Das tut uns am wenigsten weh. Es wäre ein „Nice to have“ gewesen, aber dadurch reduziert sich der Baukörper noch mal und wir können mit Kosten planen, die wir uns leisten können. Das sind eben diese 6,3 Millionen laut unserem Finanzplan. Die werden es am Ende des Tages auch sein.

Können die Kosten noch aus dem Ruder laufen? Irgendwann muss man einen Bau ja auch durchziehen. Wann war der Point of no Return? Wann gab es kein Zurück mehr?

Wessels:Der Point of no Return war, kurz bevor wir die Baggerschaufel in die Erde gehauen haben. Bis zu dem Zeitpunkt mussten wir uns im Klaren sein, wie wir weitermachen wollen. Aber auf den vierten Hallenteil könnten wir auch jetzt noch verzichten und nur die Sohle betonieren. Aber das macht wenig Sinn, weil der vierte Hallenteil später teurer wäre, als wenn wir ihn jetzt mitbauen. Wir treffen uns alle regelmäßig, meist alle zwei Wochen, um solche Situationen zu besprechen. Je weiter wir in diesem Jahr Richtung Baugrube gekommen sind, desto klarer sind die letztendlichen Kosten. Am heutigen Tage ist das Risiko des Baukostenzuwachses eigentlich nicht mehr so hoch, weil wir etwa 5,5 Millionen Euro schon vergeben haben bzw. in der Vergabe sind. Alles, was die Gebäudehülle betrifft, ist vergeben oder in den letzten Zügen. Die Kosten für den Innenausbau wie Fliesenlegen, Sportboden und die Ausstattung der Halle sind noch risikobehaftet. Dort könnten wir theoretisch auch Einsparungen vornehmen. Letztlich liegen für viele Dinge schon Angebote vor, die wir dann abarbeiten müssen.

Wie sieht denn überhaupt der Zeitplan aus?

Wessels: Jetzt kommt die Säuberungsschicht, dann wird die Sohle gegossen, die abbinden muss, damit sie stabil und dicht ist. Parallel werden die Fertigteile gezeichnet, gerechnet, bestellt, und ich hoffe, dass wir Ostern das Gebäude so weit haben, dass es nicht mehr hineinregnet. Das kann man nicht auf eine Woche fixieren. Das Ziel, sie Ende nächsten Jahres zu eröffnen, steht weiterhin. Wir sind optimistisch, dass wir das schaffen. Wenn der Innenausbau vor den Sommerferien starten kann, haben wir fast sechs Monate bis Weihnachten, um den Bau abzuschließen. Es gibt so viel zu bedenken, ganz viele Prozesse, die nebenbei laufen. Ich spreche jeden Tag mit dem Architekturbüro, wir haben jeden Tag irgendeine Konferenz. Als Beispiel: Wenn wir eine LED-Anzeigetafel irgendwo hinhängen wollen, dann muss da auch ein Kabel sein. Also müssen wir das jetzt schon planen. Mittlerweile gibt es für jeden Raum Ablaufpläne, wo Lampen und Steckdosen, die Föhne und WC‘s hinkommen. Die Dinge sind jetzt vielleicht noch nicht wichtig. Aber wenn der Handwerker kommt, wollen wir den fertigen Plan aus der Schublade ziehen. Carsten Heilmann, unser Projektverantwortlicher im Architekturbüro, hat schon viel Vorarbeit geleistet. Viele Kleinigkeiten, die viel Zeit kosten, sind schon fertig. Die Mitglieder können sich später noch einbringen, Fußboden und Fliesen, Sitzschalen aussuchen, das sind Themen, die wir natürlich an die Mitglieder nach heranführen möchten.

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