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Viele Waldbesucher weichen von Wegen ab – Gefahren derzeit besonders groß

Rücksichtslos durch die Natur

Steinhagen (WB). Vielleicht verwechseln viele ja die Rückewege, die durch den Holzabtransport entstanden sind, mit Spazierwegen: »Jedenfalls laufen die Leute überall in den Wald hinein«, schilderte eine Leserin jüngst dem WESTFALEN-BLATT. Doch das ist nicht nur rücksichtslos gegenüber der Natur, sondern auch gefährlich.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Zehn Minuten Sturm reichten vor einigen Tagen aus, um in der Patthorst große Bäume zu entwurzeln und auf die Wege zu werfen. Die Gefahren im Wald sind nach dem trockenen Sommer und den jetzigen Regenfällen besonders groß. Foto: Bluhm-Weinhold

Die Zahl der Waldbesucher, die vom Weg abweichen, hat nach Meinung der Leserin zugenommen: Das Wild werde verschreckt, die Natur nicht geachtet. Selbst mit Autos führen manche sogar auf abgesperrte Waldwege.

Für Christiane von Eller-Eberstein, der die Flächen in der Patthorst gehören, besteht das Problem seit 20 Jahren. »Es scheint das Verständnis zu herrschen, dass der Wald allen gehört und jeder tun kann, was ihm beliebt«, sagt sie. Mal davon abgesehen, dass der Wald nicht unbedingt Staatsforst sei, sondern auch Privatfläche, sei in der Patthorst das Naturschutzgebiet zu beachten. Und damit noch strengere Regeln: »Dort gehören Hunde immer an die Leine. Da müssen Spaziergänger auf den Wegen bleiben.«

Und auch Steinhagens Ordnungsamtsleiterin Ellen Strothenke sagt: »Man sollte die Natur Natur sein lassen und sich rücksichtsvoll verhalten.« Doch oftmals sei das Gegenteil der Fall: »Leute gehen über frisch eingesäte Felder oder über die Magerwiesen im Naturschutzgebiet.« Ein besonderes Problem seien unangeleinte Hunde, die Wild aufschreckten und es in die Flucht trieben.

Alle Spaziergänger betreten den Wald auf eigene Gefahr. Doch diese ist zurzeit besonders groß. Die Trockenheit im Sommer hat viele Bäume so geschädigt, dass auch große Astteile einfach abknicken können. »Die Stabilität ist nach dem Sommer nicht so gegeben. Wir hoffen zwar, dass sich das wieder einrenkt. Aber viele Bäume verlieren jetzt Äste«, sagt Christiane von Eller-Eberstein gerade auch mit Blick auf Pilzsammler. Andererseits hat der Regen der vergangenen Wochen den Boden aufgeweicht. Der zehnminütige Sturm vor gut einer Woche hat ausgereicht, dass in der Patthorst große Bäume umgestürzt sind.

Allemal tun Besucher gut daran, mit Umsicht in den Wald zu gehen. Wie wenig offenbar aber ein Gefühl für Natur bei manchen vorhanden ist, zeigen zwei Beispiele. So berichtet Christiane von Eller-Eberstein, dass Spaziergänger bei der extremen Trockenheit im Sommer und bestehender Waldbrandgefahr geraucht hätten. Und Ellen Strothenke schildert die absurde Beschwerde einer Joggerin kurz nach einem Wintersturm, die sich beklagte, dass umgestürzte Bäume nicht weggeräumt worden seien und nun ihre Laufstrecke blockierten...

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