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Amshausens Schulleiterin Annette Hellmann geht in Ruhestand – schweren Herzens

„Sobald ich hier bin, geht‘s mir gut“

Steinhagen-Amshausen

Auch wenn ihre Schulzeit an diesem Freitag offiziell endet – für die Verbesserung von Unterricht und Bildung wird sie sich weiter einsetzen: An diesem Freitag geht Annette Hellmann in den Ruhestand. 22 Jahre war sie Leiterin der Grundschule Amshausen. Die Schule ohne diesen Motor: Unglaublich finden das Eltern und Kinder und die Kolleginnen und Kollegen – und natürlich sie selbst: „Ich kann mir das noch gar nicht richtig vorstellen.“

Annemarie

Dieses Bild nimmt sie mit: Zum 60. Geburtstag haben ihr alle Kinder der Schulen diese außergewöhnliche „Portrait-Galerie“ geschenkt Foto: Bluhm-Weinhold

Und unfassbar ist das vor allem in Zeiten von Corona. Durch die Pandemie ist der Lehrerin, die über Jahrzehnte die Schullandschaft in der Gemeinde geprägt, die durch ihre Gremien-Arbeit bis auf Landesebene wichtige Impulse gegeben hat, ein feierlicher Abschied verwehrt. Annette Hellmann, Anfang Januar 66 Jahre alt geworden, wäre gerne noch geblieben. „Es ist nicht so einfach, jetzt zu gehen“, sagt sie. So bleibt ihr auch selbst nur ein langer Abschiedsbrief, um all den Weggefährtinnen und Mitstreitern Danke zu sagen. „Es war viel Vertrauen in der Arbeit“, sagt sie etwa mit Blick auf die heutigen Eltern, die teils einst schon bei ihr in die Schule gingen.

Die Schule, die Kinder werden ihr fehlen: „Sobald ich morgens hier bin, geht es mir gut. Selbst Sorgen kann man mit Kindern unglaublich gut vergessen. Denn Kinder brauchen einen mit Haut und Haaren.“

Lehrerin sei ihr Traumberuf gewesen, sagt sie. Und zwar in der Grundschule: „Ich wollte Schule besser machen als ich sie erlebt habe“, schildert sie. Als Tochter aus einem fortschrittlichen Elternhaus hatte sie schon als Erstklässlerin so ihre Probleme mit einem Schulleiter alter – preußischer – Schule.

Annette Hellmann studierte in Bielefeld, legte schon mit 21 Jahren ihr erstes Staatsexamen ab und absolvierte 1977 in Lippstadt ihr Referendariat. Am 1. Februar 1979 fing sie an der Grundschule Steinhagen im Kollegium von Schulleiter Otto Morgenstern an. Erste Erfahrungen in der Schulleitung sammelte sie 1995 als Vertreterin für Hartmut Stieghorst, der für einige Monate im Ministerium in Potsdam arbeitete.

1997 wurde sie dann Konrektorin an der gerade neuen Grundschule Laukshof. Diese hatte sie schon in ihrer Planungsphase entscheidend mitgestaltet – nicht nur, was das Mobiliar betrifft. Mit Blick auf die Anmeldezahlen in Steinhagen beantragte Annette Hellmann die Dreizügigkeit der Schule. „Die Grundschule Laukshof war vom Ansatz des Denkens meine Schule. Da wollte ich hin“, sagt sie. Ein gutes Jahr nur war sie dort tätig, häufig befasst mit Schulleiterinnenaufgaben.

Denn 1998 war die Not an der Grundschule Amshausen so groß, dass dort eine engagierte und innovative Schulleiterin gebraucht wurde. Da wollte sie aber eigentlich nicht hin. Doch Annette Hellmann krempelte die Ärmel hoch und räumte erst einmal auf. In jeder Beziehung: im Keller und den Lagerräumen ebenso wie in der Statistik und Bürokratie der Schule. „Wir hatten große Aufgaben zu stemmen und nur wenig Zeit“. Nicht einmal anderthalb Jahre etwa blieben, bis ein Schulprogramm fertig sein musste: „Aber wir haben es geschafft, und es war gut“, so Hellmann.

„Wir müssen etwas verändern. Die Kinder werden anders“, schärfte sie, wie sie erzählt, den Kolleginnen ein. Die Idee, in jahrgangsübergreifenden Eingangsklassen den Wegfall der Schulkindergärten aufzufangen, war ihre Idee. Sie führte das planorientierte individualisierte Arbeiten in den Klassen ein.

„Wir können die Kinder nicht alle über einen Kamm scheren und im Gleichschritt lernen lassen“, sagt sie und machte die Begabtenförderung zu ihrem Schwerpunkt. Das trug ihr Aufgaben auf Kreis- und Landesebene ein – und der Grundschule Amshausen Auszeichnungen. Seit 2019 zum Beispiel ist sie „Zentrum für Begabtenförderung“. Im Lenkungsausschuss des Landes will sie bleiben und an der Uni Münster den Lehrernachwuchs zur Begabtenförderung schulen. Auch in Steinhagen will sie sich ehrenamtlich einbringen: in der AGS etwa und in der Bibliothek. Und im März aber wird sie erstmals Oma – wenn das keine Perspektive ist...

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