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22-Jährigen aus den Niederlanden ausgeliefert - DNA-Spuren am Tatort hinterlassen

Steinhagen: Polizei fasst Automaten-Sprenger

Steinhagen

Internationaler Fahndungserfolg: In den Niederlanden ist ein 22-jähriger Mann festgenommen worden. Er soll an der Geldautomaten-Sprengung in der Kreissparkassen-Filiale in Steinhagen im April 2021 beteiligt gewesen sein. DNA-Spuren hatten ihn überführt.

Von Annemarie Bluhm-Weinhold

Nach der Geldautomaten-Sprengung in Steinhagen: Mitarbeiter der Spurensicherung der Polizei am Geldautomaten.  Foto: Christian Müller

Ein 22-Jähriger ist in den Niederlanden festgenommen und am Mittwoch nach Deutschland ausgeliefert worden: Er soll, wie die Kreispolizei Gütersloh und die Staatsanwaltschaft Bielefeld mitteilten, an der Geldautomatensprengung in der Kreissparkassenfiliale Voßheide am Eickhof in Steinhagen im April 2021 beteiligt gewesen sein. Ein Fahndungserfolg der Polizei in internationaler Zusammenarbeit.


Gegen 1.40 Uhr schreckte in der Nacht zum 12. April 2021   eine lautstarke Detonation die Anwohner der Umgebung auf: In der Filiale der Kreissparkasse war ein Geldautomat gesprengt worden. Trotz des erheblichen Schadens hielt zumindest der Tresor des Gerätes stand, so dass kein Bargeld erbeutet wurde. Personen kamen nicht zu Schaden. Eine Fahndung der Polizei in der Umgebung unmittelbar nach der Tat führte zwar nicht zum Erfolg – aber: Im Zuge der weiteren Ermittlungen ergab sich der Tatverdacht gegen einen aus den Niederlanden stammenden, zur Tatzeit 21-jährigen Mann mit marokkanischer und niederländischer Staatsangehörigkeit, an der Geldautomatensprengung beteiligt gewesen zu sein. Denn bei den kriminaltechnischen Untersuchungen am Tatort waren auch DNA-Spuren gefunden und gesichert worden. Ein europaweiter Abgleich mit den jeweiligen nationalen DNA-Datensätzen führte zu einem Treffer in den Niederlanden.

In den Niederlanden schon in U-Haft

Mit einem durch die Staatsanwaltschaft Bielefeld beantragten internationalen Haftbefehl wurde nach dem 22-jährigen Niederländer gefahndet. Anfang November 2021 gelang es Beamten der niederländischen Polizei, den Gesuchten festzunehmen. Seitdem befand er sich in den Niederlanden in Untersuchungshaft, die er nach seiner Auslieferung am vergangenen Mittwoch hier fortsetzt bis zur Hauptverhandlung am Landgericht Bielefeld.
Gegen den   22-Jährigen   ergab sich zudem im Laufe der weiteren Ermittlungen der dringende Tatverdacht, an einer weiteren Geldautomatensprengung Ende April 2021 in einer Sparkassenfiliale in Brühl bei Heidelberg in Baden-Württemberg beteiligt gewesen zu sein. Dort hatten die Täter Bargeld im niedrigen fünfstelligen Euro-Bereich erbeutet und einen riesigen Sachschaden hinterlassen.

Ob der 22-Jährige auch an einer weiteren Geldautomatensprengung im vergangenen Jahr in Steinhagen beteiligt gewesen sein könnte, ist nicht geklärt: In der Nacht zum 3. Juni 2021 war es zu einem Anschlag auf den Geldautomaten der Commerzbank Am Pulverbach in Steinhagen gekommen. „Geklärt ist erst einmal nur die Tat an der Voßheide“, sagte Katharina Felsch, Sprecherin der Kreispolizei Gütersloh.

Erhebliche Konsequenzen auch für die Steinhagener

Dass – wie zumeist bei Geldautomatensprengungen – eine Bande hinter der Tat steckt, ist nicht ausgeschlossen. „Zu identifizieren war eben nur der jetzt Festgenommene“, sagte Katharina Felsch weiter. Wie es zur Auswahl der Tatorte kam, das wird möglicherweise der Prozess vor dem Landgericht Bielefeld ergeben.

Die Geldautomatensprengungen haben erhebliche Konsequenzen für die Menschen in Steinhagen gehabt. Sowohl die Kreissparkasse als auch die Commerzbank haben ihre Filialen – unter anderem auch mit Hinweis auf die Sicherheit der in den Gebäude befindlichen Wohnungen und ihrer Bewohner – nicht wieder geöffnet. Auch die Volksbank schloss ihre noch einzig verbliebene Filiale im Markant Markt an der Bergstraße. Um die Bargeldversorgung der Bürgerinnen und Bürger in den Wohngebieten oberhalb der Bahnlinie halbwegs wohnortnah zu sichern, haben Gemeinde Steinhagen und Kreissparkasse Halle beschlossen, dass ein Geldautomat in einem separaten Bauwerk auf der Rosenplatz an der Voßheide installiert werden soll.

Empfindlicher Schlag gegen Banden im September

Dass Geldautomaten-Sprenger überhaupt gefasst werden, ist durchaus kein Regelfall. Und erst recht selten gelingt ein Schlag wie Ende September einer deutsch-niederländischen Ermittlungsgruppe mit der Staatsanwaltschaft und Zentraler Kriminalinspektion Osnabrück und den Kollegen aus Utrecht mit Eurojust und Europol. Anderthalb Jahre Ermittlungsarbeit waren vorausgegangen. In Bereich Amsterdam, Utrecht und Den Haag gab es am 28. September 2021 eine groß angelegte Durchsuchungsaktion und drei Festnahmen. Insgesamt wurden neun Beschuldigte in Untersuchungshaft genommen. „Erstmals gelang es den Ermittlern, auch in die Strukturen der Organisations- und Logistikebene solcher Tätergruppierungen einzudringen“, sagt Marco Ellermann, Polizeidirektion Osnabrück. Auch elektronische Geräte, Datenträger und Speichermedien sowie Spreng-Utensilien wurden sichergestellt. Die Ermittler erhoffen sich nicht nur die Aufklärung weiterer Taten, sondern auch Einblick in strukturelle Verflechtungen der Banden, ihrer Auftraggeber und Hintermänner.





Der Geldautomat wurde am 12. April 2021 gegen 1.40 Uhr versucht zu sprengen.  Foto: Christian Müller

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