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Mehr als 70 Fahrradfahrer zeigen in Steinhagen, wie gefährlich und chaotisch Schutzstreifen sind

Stockender Verkehr und Pöbeleien

Steinhagen  (WB). Der Verkehr kam zwar nicht zum Erliegen, aber ordentlich ins Stocken – und das quittierten etliche Autofahrer mit Hupen und auch verbalen Rüpeleien gegen die vermeintlichen Verursacher: mehr als 70 Teilnehmer bei Steinhagens erster Fahrraddemo. Organisator Horst Remer sprach sogar von 80 Radlern auf der Strecke und zog am Ende ein insgesamt positives Fazit: „Es ist glücklicherweise nicht zu Unfällen oder Blessuren gekommen. Und es hat sofort eine Verdichtung des Verkehrs gegeben.“ Indes: Zum Rückstau bis auf die Autobahn kam es nicht. Das hätte zum Abbruch der Demo geführt, und darauf hatten die Organisatoren im Sinne ihres großen Ziels ein bisschen gehofft.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Auch Steinhagens neue Bürgermeisterin Sarah Süß (vorne) stürzt sich wie mehr als 70 weitere Fahrradfahrer in den Feierabendverkehr auf der Woerdener Straße. Viele haben Stangen am Gepäckträger, um auf den geltenden Mindestabstand hinzuweisen. Foto: Bluhm-Weinhold

Doch das, was beabsichtigt war, hat die Demo am Donnerstag eindrucksvoll genug gezeigt: Wenn der Landesbetrieb Straßen NRW seine Planungen tatsächlich umsetzt und den Radverkehr auf der vielbefahrenen Bielefelder Straße auf Fahrradschutzstreifen führt, sie somit in den motorisierten Verkehr integriert, dann ist zum einen eine erhebliche Gefährdung der Radfahrer und führt zum anderen zu deutlichen Verkehrsbehinderungen. „Das wird ja schon an den Reaktionen der Autofahrer deutlich, die unsere Leute angepöbelt haben“, so Remer.

Viel Unterstützung

Seit Jahren fordern Bürgerinnen und Bürger, Politiker und Verwaltung in Steinhagen bei der Sanierung der Bielefelder Straße die Beibehaltung des Radverkehrs auf dem Hochbord. Und deshalb stieß Horst Remer mit seiner Idee zur Fahrraddemo auch überall auf Unterstützung: beim Steinhagener Fahrradclub Pedales, beim ADFC und vor allem bei den politischen Parteien. „Ich freue mich, dass unsere Bürgermeisterin Sarah Süß von der SPD und Hans-Heino Bante-Ortega von der CDU mit ihren Fraktionen sowie die Grünen und Die Partei dabei sind“, sagte Horst Remer bei der Begrüßung auf dem Rathausvorplatz.

Dort hatten sich alle Teilnehmer eingefunden, denn es galt, sie zunächst organisatorisch einzuweisen. Nicht als „Traube“, sondern mit einem Abstand von 80 Metern sollten die Radfahrer auf der Bielefelder Straße unterwegs sein. In Absprache mit der Polizei, die die Demo genehmigt hatte und beobachtend begleitete, war die Streckenführung auf zwei kleinen Rundkurse geplant worden. Der eine führte den Großteil der Teilnehmer vom Kreisel Brockhagener Straße bis zur Langen Straße, dort über die Ampel und zurück zum Kreisel, wo die 2,2 Kilometer lange Runde erneut begann. Der andere war 600 Meter lang zwischen Waldbadstraße und Eickhof. Da nicht alle Radfahrer bei dem geltenden Mindestabstand auf der Strecke sein konnten, hatte Horst Remer Zwischenstationen eingerichtet, wo Radfahrer in Reserve standen und von Ordnern losgeschickt wurden, wenn andere an einer Ampel warten mussten.

Alle bleiben auf der Straße

„Wir fahren wirklich auf der Straße“, ermunterte Horst Remer die Demo-Teilnehmer, es mit dem Autoverkehr aufzunehmen. Denn so wäre es, wenn die Radfahrer auf den nur durch eine Markierung von der Fahrbahn abgetrennten Schutzstreifen unterwegs wären. Dass die Bielefelder Straße weder im Bereich zwischen ZOB und Lange Straße noch zwischen Waldbadstraße und Peter-Kreuzung dafür breit genug ist, ergibt sich schon rechnerisch. Und die Demo zeigte: Hier kommen Autos nur schwierig an Radfahrern vorbei – schon gar nicht im Begegnungsverkehr.

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