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Mobiles Hospizteam Steinhagen verstärkt die Arbeit wieder

Trösten geht auch mit Abstand

Steinhagen  (WB). Das Mobile Hospizteam Steinhagen ist jetzt wieder aktionsfähig – das ist die Botschaft, die die Mitglieder bei ihrem zweiten Monatstreffen nach dem Corona-Lockdown nach außen vermitteln wollen. Während der ersten Phase der Pandemie gab es so gut wie keine Sterbe- und Trauerbegleitungen. „Wir haben kaum Anfragen“, sagt Annette Hagen.

Annemarie Bluhm-Weinhold

Das Mobile Hospizteam, das sind hier beim Monatstreffen in Brockhagen unter anderem: (v.l.) Marion Dawidowski, Editha Coordes, Gisela Hollstein, Christa Schröder, Jeanette Seidel-Rutenkröger, Birgit Volkmann, Annette Hagen und Rolf Eick. Foto: Bluhm-Weinhold

Mit Maske am Bett eines Sterbenden? Die Berührungsangst war offenbar groß: „Es ist schon etwas befremdlich: Etwas so Nahes, und dann eine Maske“, sagt auch Marion Dawidowski aus dem Team. Nichtsdestotrotz machen die Gruppenmitglieder deutlich, dass sie auch in Coronazeiten jederzeit ansprechbar sind und unter den geltenden Hygieneregeln arbeiten. Annette Hagen etwa hilft einem elfjährigen Mädchen derzeit, den Tod des Vaters zu bewältigen. „Wir treffen uns auf dem Friedhof“, sagt sie. Angehörigenbegleitung, so sagen die Hospizler, sei kein Problem – denn das geht mit Abstand, mit Maske oder auch telefonisch. Auch der Ehefrau eines Komapatienten, dem es inzwischen wieder besser geht, haben Mitglieder der Hospizgruppe zwischenzeitlich geholfen.

Ein Mitglied der Gruppe, Sven Lube, arbeitet im Matthias-Claudius-Haus – eine gute Fügung, finden seine Mitstreiter, denn er hatte jederzeit Zugang zum Heim und konnte auch im Corona-Lockdown Begleitungen übernehmen.

Einfach mal Trost spenden

Sterbebegleitung sei auch ganz unterschiedlich, macht die Gruppe deutlich: Das umfasst das am Bett sitzen ebenso wie die Entlastung von Angehörigen, damit diese Zeit haben zum Einkaufen oder um Sport zu machen. „Und vielleicht brauchen sie einfach mal Trost“, so Annette Hagen. Sie empfiehlt – wohl wissend, dass Sterben und Tod nach wie vor Tabu-Themen sind, mit denen sich die meisten nicht vor der Zeit beschäftigen möchten: „Nicht erst melden, wenn es aufs Ende zugeht, sondern schon vorher, damit man sich kennen lernen kann.“ Nicht nur wegen der Maske.

Um das Mobile Hospizteam zu unterstützen, muss man sich nicht für die Trauer- und Sterbebegleitung ausbilden lassen. Diese übernehmen derzeit auch nur sechs von 13 Mitgliedern. Doch auch andere Aufgaben wie Organisatorisches oder Fachliches – von Vernetzung über Internet bis zur Öffentlichkeitsarbeit – muss erledigt werden, obwohl die Verwaltung in Händen der Ev. Kirchengemeinde liegt. Dort hat die Hospizgruppe ihre Ursprünge, gleichwohl arbeitet sie konfessionsungebunden.

Projekt „Hospiz macht Schule“

Und ein neues Projekt wartet auch noch auf die Umsetzung: „Hospiz macht Schule“ soll auf sanfte und kindgerechte Art und Weise Drittklässler mit Themen wie Krankheit, Sterben und Trösten vertraut machen. Eine Woche dauert das Projekt, inklusive Elternabend und Abschlussfest. Schulen können sich melden.

Jeanette Seidel-Rutenkröger macht gerade die Ausbildung zur Sterbe- und Trauerbegleitung. Mit speziellem Ziel: die Trauerbegleitung von Behinderten. Sie arbeitet im Behindertenbereich und weiß: Der Bedarf ist groß..

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