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Weite Teile Steinhagens von Freitag bis Sonntagnachmittag ohne Internet und Telefon

Unfreiwillig offline

Steinhagen (WB). Sonntag kurz nach 17 Uhr: Aufatmen in Steinhagen. Internet und Telefon funktionieren wieder! Unfreiwillig waren weite Teile der Gemeinde seit Freitagnachmittag offline. Die Dauerstörung hat dabei vielen vor Augen geführt, wie selbstverständlich die moderne Kommunikation im Alltag geworden ist.

Margit Brand

Man muss schon sehr genau hinsehen: Jede einzelne von gerade einmal 84 Glasfasern im beschädigten Kabel ist hauchdünn – und dabei auf diesem Foto sogar noch schützend ummantelt. Trotzdem hängt sehr viel Kommunikation daran. Foto: Margit Brand

Bei Gesteinsbohrungen an der Kreuzung Bahnhofstraße/Am Pulverbach war eine regionale Glasfaser-Verbindungsleitung getroffen worden, so dass nicht nur Festnetz und Internetleitungen lahm gelegt waren, sondern auch das Mobilfunknetz teilweise nur schleppend funktionierte.

Was die Telekom-Techniker ordentlich auf Trab brachte, sorgte andernorts für Stillstand. Filme streamen? E-Mails versenden? Mal eben etwas googeln? Schnell mal anrufen? Die letzten Weihnachtsgeschenke online bestellen? Fehlanzeige. In vielen Familien war Monopoly oder Plätzchenbacken statt Playstation angesagt. Bürgermeister Klaus Besser konnte der technischen Störung deshalb auch durchaus etwas Positives abgewinnen. „Statt auf der Couch im Netz zu surfen sollten wir heute zum Sternchenmarkt kommen und uns unterhalten“, sagte er in Brockhagen.

Wobei der Ausfall das Leben durchaus (ungewohnt) kompliziert machte. Wer ohne Bargeld den Wochenendeinkauf erledigen wollte, musste unter Umständen umdisponieren. Denn im Markant-Markt beispielsweise funktionierten die EC-Geräte nicht. Auch in manchen Restaurants konnte die Rechnung nicht mit Karte beglichen werden. Kleiner Trost: Der Geldautomat der Sparkasse spuckte noch Bares aus. Auch keine Selbstverständlichkeit, wie der außer Gefecht gesetzte Volksbank-Automat bei Uhlemeyer bewies. Tankstellen, wo Karten statt Scheine dominieren, haben zumeist eine Notfall-Leitung. „Unser Backup läuft über Funk”, sagte ein Aral-Mitarbeiter an der Bahnhofstraße.

Das getroffene Kabel, an dem so viel Kommunikation hängt, ist dabei gerade einmal so dick wie ein Finger. 84 Glasfasern verlaufen darin, jedes einzelne dünner als ein Haar. Anders als in einem Stromkreis sind die Folgen bei Störungen nicht automatisch komplett flächendeckend. Das erklärt, warum der eine abgehängt war, während der Nachbar munter online war oder telefonierte.

Nach der Fehlersuche am Freitag galt es Samstag und Sonntag, den beschädigten Strang zwischen den Knotenpunkten an der Bahnhofstraße und einige hundert Meter weiter am Pulverbach auszutauschen und die haarfeinen Leitungen wieder zu verbinden – eine filigrane Arbeit, die zuletzt Techniker aus Münster, Remscheid und anderen Orten NRWs erledigten. Doris Müller befand, ihnen sei für ihren Einsatz am dritten Advent zu danken und brachte Sonntag Kaffee vorbei. „Ich telefonierte gerade mit meinem Enkel, als die Leitung zusammen bracht. Wäre schön, wenn ich bald wieder ans Telefon könnte.“

Bei ersten Auskünften der Telekom war noch von Vermessungsarbeiten die Rede gewesen, die den „Treffer“ im Glasfaserkabel verursacht hätten. Daraufhin sah sich Gabriele Meyer, ortsansässige Vermessungsingenieurin, zu unrecht mit dem Schaden in Verbindung gebracht. „Ich bin nicht dafür verantwortlich“, stellte sie gegenüber dem WB klar. Der Verursacher, den die Telekom nicht näher benennt, hatte sich umgehend gemeldet.

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