Wilder Abfall und Vandalismus verursachen in Steinhagen hohe Kosten

Vermüllt und zerstört

Steinhagen (WB). Vom achtlos auf den Weg geworfenen Taschentuch über liegengelassene Getränkekartons nach der kleinen Privatparty im Bürgerpark bis zu Zerstörungen an Sitzbänken und Bushaltestellen: Die Mengen an Kleinmüll und die wiederkehrenden Fälle von Vandalismus belasten den Steuerzahler mit unnötigen Kosten – und die Mitarbeiter des Bauhofs mit jeder Menge zusätzlicher Arbeit. Und die Menge an illegal entsorgtem Müll ist zuletzt gestiegen.

Volker Hagemann

Wer macht so etwas und warum? An der Bushaltestelle Niederstadt haben Unbekannte am Donnerstagmorgen mehrere Glasscheiben des Wartehäuschens zertrümmert. Die Gemeinde will nun Anzeige erstatten. Foto: Volker Hagemann

Allein optisch ist es eklig, noch mehr als Spaziergänger leidet allerdings die Natur unter den Hinterlassenschaften: So dauert es zwei bis vier Wochen, bis sich ein weggeworfenes Papiertaschentuch zersetzt hat. Für eine Plastiktüte, die noch immer nicht ganz aus dem Alltag verschwunden sind, braucht es 10 bis 20 Jahre Abbauzeit, für eine Plastikflasche stattliche 450 Jahre.

Müll ist Dauerproblem

„Wilder Müll, illegal in der Landschaft abgelagert, ist ein Dauerproblem in der Gemeinde – wie in anderen Städten aber auch“, sagt Anke Ulonska, Abfallberaterin der Gemeinde. „Ganz in den Griff wird man das wohl nie bekommen.“ Auch in Steinhagen gelte: Dort, wo Parks und andere öffentliche Grünflächen von angrenzenden Häusern aus einsehbar sind, gebe es weniger Müllprobleme in der Landschaft als an uneinsehbaren „Hotspots“. Als Beispiel für Letztere nennt Anke Ulonska den Bürgerpark: „Hier werden die Teams des Bauhofs ständig fündig.“ Addiere man den illegalen Müll aus der Landschaft mit dem ebenfalls illegal in Straßenpapierkörben entsorgten Haushaltsmüll, so entfielen rein rechnerisch auf jeden Steinhagener Einwohner pro Jahr zwei bis drei Kilo solchen Mülls, sagt die Abfallberaterin.

Leider sehr lohnend sei immer wieder die „Ortskernsammlung“, für die der Bauhof zwei Mitarbeiter abgestellt hat: Horst Lampmann, der demnächst in den Ruhestand geht und von einem neuen Kollegen abgelöst wird, und Dubravko Grgic sind an fünf Tagen pro Woche unterwegs, um die Gemeinde sauber zu halten – von der Mülleimerentleerung über die Entsorgung illegal abgelagerter Abfälle bis zur Containerstandort-Reinigung. Denn an den 17 Wertstoff-Containern in ganz Steinhagen werde nicht nur, wie vorgesehen, Glas eingeworfen. „Es gibt viele Zeitgenossen, die alle möglichen anderen Abfälle neben den Containern lagern – wohl in der Annahme, das werde schon irgendwie korrekt entsorgt“, beklagt Anke Ulonska. Sortierung und korrekte Entsorgung durch den Bauhof kosten die Steinhagener Gebührenzahler im Jahr fast 80.000 Euro. Macht die Gemeinde die Verursacher ausfindig, droht ein empfindliches Bußgeld.

Gartenabfall auf dem Kinderspielplatz

Uneinsehbare „Hotspots“ gibt es leider auch hinsichtlich der illegalen Entsorgung von Grünabfällen aus Privatgärten : „Dass Hobbygärtner ihren Rasen- oder Grünschnitt einfach über den Zaun in angrenzende Wäldchen oder auf Wiesen kippen, kommt immer wieder vor – mit negativen Langzeitfolgen für die Natur“, berichtet die Abfallberaterin. „Zuletzt hat sich dieses Problem sogar auf Spielplätze ausgeweitet. Vor kurzem haben wir solchen Grünabfall auf dem Spielplatz am Tizianweg/Dürerweg gefunden. Da hat jemand Baumrinde von gespaltenem Holz auf dem Spielplatz entsorgt.“ Das ärgert Anke Ulonska auch wegen der dort spielenden Kinder, denen man das quasi vor die Füße geworfen hat.

Für Ärger und hohe Kosten sorgt auch der wiederkehrende Vandalismus: Der Fußweg durchs Brock war schon mehrfach Schauplatz von Zerstörung. Vor kurzem haben Unbekannte die gerade erst wieder aufgestellte Bank nahe der Liebigstraße samt Betonplatten, an denen sie angeschraubt war, ins Gebüsch geworfen. Ebenfalls schon mehrfach wurden junge Obstbäume entlang des Fußwegs am Jückemühlenbach abgeknickt und mussten ersetzt werden.

Am Donnerstagmorgen traf es schließlich das Wartehäuschen der Bushaltestelle Niederstadt: Unbekannte haben offenbar mit einem Stein mehrere Scheiben zertrümmert und einen vierstelligen Schaden verursacht. Die Reparatur durch den Bauhof kostet vierstellig, die Gemeinde will Anzeige erstatten.

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